Hohe Kante RHEINPFALZ Plus Artikel Dividenden-„Rekord“ ist relativ

Im Durchschnitt haben die Dax-Unternehmen eine Dividendenrendite von etwa 2,6 Prozent erreicht.
Im Durchschnitt haben die Dax-Unternehmen eine Dividendenrendite von etwa 2,6 Prozent erreicht.

Trotz der aktuellen Euphorie beim Dax sollten Anleger ihr Risiko weltweit streuen, meint unser Finanzexperte.

„Inmitten von schlechten Wirtschaftsnachrichten heißt es gerade, dass sowohl im Dax als auch weltweit die bisher höchsten Dividenden bezahlt werden. Wie kann das sein?“

Bei Superlativen bin ich immer vorsichtig und hinterfrage die Belastbarkeit euphorischer Aussagen. Bitte bedenken Sie zwei wichtige Fakten. Erstens: Dividenden eines Jahres beziehen sich stets auf den Unternehmenserfolg des Vorjahres, sind also ein Blick in den Rückspiegel. Beispielsweise sind die aktuellen Dividendenzahlungen des Jahres 2025 ein Teil der 2024 verdienten Unternehmensgewinne. Zweitens: Dass die Dividendenzahlungen sich im Laufe der Zeit oftmals erhöhen, liegt ja schon allein in der Inflation begründet. Wenn man diese berücksichtigt, liegt die 2025 ausgeschüttete Dividendensumme real, also kaufkraftbereinigt, eindeutig unter den Zahlungen des Vorjahres. Also sicher kein realer Dax-Dividendenrekord 2025.

Ein sehr attraktiver Wert

Aber darauf kommt es nicht wirklich an, denn der Rekord wird nur minimal verfehlt. Weitgehende Kontinuität und im Vergleich zum Aktienkurs viel geringere Schwankungen machen das passive Einkommen aus Dividenden für gut informierte Anleger attraktiv und einigermaßen berechenbar. Das gilt vor allem, wenn die Ausschüttungen sich nicht auf eine einzelne Aktie beziehen, sondern eine Mehrzahl von Gesellschaften gemeinsam zum Dividendenstrom beiträgt. So hat zum Beispiel im Dax die BASF – wie weitere fünf Unternehmen – ihre Dividende reduziert, aber zwölf Unternehmen haben sie konstant gehalten und sogar 22 der 40 Unternehmen haben sie erhöht. Kurzum: Die Reduzierungen einzelner Unternehmen werden durch Zugewinne anderer ausgeglichen. Im Durchschnitt erreichen die Dax-Unternehmen eine Dividendenrendite von etwa 2,6 Prozent. Das ist ein sehr attraktiver Wert, wenn man bedenkt, dass sich diese Kennzahl nur auf den ausgeschütteten Teil der Unternehmensgewinne bezieht. Denn die Gewinnrendite betrug sogar etwa 6,7 Prozent. Daran sieht man, dass viele Dax-Unternehmen einen guten Teil ihrer Gewinne „im Hause belassen“ und ihre Liquiditätsreserve erhöhen oder aber investieren.

Weltweite Streuung senkt das Risiko

Denkt man den Ansatz der Risikostreuung weiter, ist es trotz der bemerkenswert hohen Dividendenrendite des Dax von aktuell etwa 2,6 Prozent empfehlenswert, sich ein passives Einkommen aus der Welt-AG zu verschaffen, also aus mehreren Tausend produktiven Unternehmen vieler Länder, Branchen und Regionen. Und eben nicht nur aus den 40 Unternehmen des Dax. Das weltweite Dividendenvolumen der im echten Weltmarktindex MSCI World AC IMI enthaltenen Aktien, der Welt-AG, steigt 2025 gegenüber 2024 tatsächlich nochmals an. Es wird gemäß dem anerkannten Janus Henderson Global Dividend Index nach 1,75 Billionen US-Dollar im Jahr 2024 den Rekordwert von etwa 1,83 Billionen US-Dollar erreichen. Und dieses Plus darf uns auch real erfreuen, da es mit etwa 5,1 Prozent deutlich höher als die Inflationsrate ist.

Beruhigend ist also, dass die Dividendenausschüttungen nicht annähernd so stark schwanken wie die Aktienkurse und in den meisten Jahren stärker ansteigen als die Preise. Eine gute Nachricht für alle, die langfristig denken und verstanden haben, dass die Inflation so ähnlich wirkt wie Rost an einem Gartenzaun. Lautlos und unauffällig, aber langfristig sehr schädlich.

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Hartmut Walz ist Finanzprofessor an der Hochschule Ludwigshafen. www.hartmutwalz.de
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