Fußball RHEINPFALZ Plus Artikel Das Power Ranking der Zweiten Liga: Wer steht wo – und wo steht der FCK?

Immer wieder ist von der „besten Zweiten Liga aller Zeiten“ die Rede. Auch diesmal? Zumindest der Auftakt hat es direkt in sich:
Immer wieder ist von der »besten Zweiten Liga aller Zeiten« die Rede. Auch diesmal? Zumindest der Auftakt hat es direkt in sich: Am Freitagabend empfängt Schalke 04 zur Saisoneröffnung Hertha BSC. Der 1. FC Kaiserslautern startet am Sonntag, 13.30 Uhr, bei Hannover 96.

In einer Woche beginnt die Saison in der Zweiten Bundesliga. Wer sind die Favoriten? Wo warten Überraschungen? Wer muss zittern? Und wo landet der 1. FC Kaiserslautern?

Favoriten: Kein Weg führt an ihnen vorbei

Was waren das noch für Zeiten, als der VfL Bochum das Attribut „unabsteigbar“ voller Stolz vor sich hertrug? Vorbei, vergessen, ad acta gelegt – schon seit langer Zeit. Der VfL hat längst den Rekord für die meisten Abstiege aus der Bundesliga eingestellt.

Doch wer oft absteigt, muss auch oft aufgestiegen sein. Die Bochumer können es also. Erst recht mit einem Trainer Dieter Hecking an der Seitenlinie, der zwar als Retter versagte, sich aber noch vor dem finalen Bundesligaspieltag tränenreich zum Weitermachen erklärte – natürlich, um sofort wieder hochzukommen. Und wenn einer ein Team, das 15 Abgänge verkraften muss und 13 Neue verpflichtet hat (die sieben aus dem eigenen Nachwuchs unterschlagen wir jetzt mal), für die Spitze zusammenbasteln kann, dann ist es Hecking. Dazu die Wucht und Leidenschaft des Ruhrstadions. Wird schon.

Hand aufs Herz: Fortuna Düsseldorf ist uns spätestens seit dem Flaschenwurf in Richtung Ragnar Ache nicht mehr sonderlich sympathisch. Aber wir wollen hier ja gerecht bleiben. Und da müssen wir zähneknirschend einräumen: Die Rheinländer wären mal wieder fällig in Sachen Aufstieg. Seit Jahren klopfen sie ans Tor der Bundesliga, um dann ähnlich platt auf die Schnauze zu fallen wie jahrelang der Hamburger SV. Aber der hat es jetzt ja endlich geschafft – warum also nicht die Fortuna? Die Qualität im Kader ist allemal da, trotz des schmerzhaften (und mit 5,5 Millionen Euro Ablöse lukrativen) Abgangs von Mittelfeldmann Ísak Jóhannesson.

Für viele Zweitliga-Favorit: Hertha BSC mit Fabian Reese
Für viele Zweitliga-Favorit: Hertha BSC mit Fabian Reese

So mancher wird uns für bescheuert halten, dass wir Hertha BSC so weit oben einsortieren – zumal denen einen ihrer Stars in Ibrahim Maza (für zwölf Millionen Euro) abhanden gekommen ist. Aber dafür haben sie auch ordentlich nachgebessert – unter anderem mit dem auffälligen Leon Jessen aus Karlsruhe. Und einem Team, das einen Pfälzer wie Luca Schuler in seinen Reihen hat, gewähren wir ohnedies einen Bonus. Vom überragenden Fabian Reese ganz abgesehen. Der muss nur die ganze Saison über gesund bleiben – und das Umfeld Ruhe bewahren. Wolfgang Pfeiffer

Überraschungskandidaten: Nichts ist unmöglich

Aufstiegsrennen? Machbar! Abstiegskampf? Warum nicht? Zumindest gäbe es überraschendere Dinge. Das trifft auf den 1. FC Kaiserslautern, Holstein Kiel, Hannover 96, den SC Paderborn, den 1. FC Magdeburg und Arminia Bielefeld zu. Zugegeben: Bei manchen Teams ist es wahrscheinlicher, dass sie im Aufstiegsrennen mitmischen, bei anderen scheint der Abstiegskampf naheliegender. Aber überraschen würde es niemanden, wenn die Arminia plötzlich oben ein Wörtchen mitredet. Der Aufsteiger war im Pokalfinale, kommt mit Aufwind in die Zweite Liga. Zudem haben die Arminen in Marvin Mehlem einen der begehrtesten Spieler des Unterhauses verpflichtet. Vielleicht ist ja noch der ein oder andere Pokal-Euro da. Holstein Kiel ist als Absteiger naturgemäß eher im Aufstiegsrennen zu verorten. Jedoch müssen die Kieler den Abgang einiger Leistungsträger wie Lewis Holtby oder Timo Becker verkraften. Es wurden auch schon Absteiger durchgereicht. Bielefeld hat da ja schon Erfahrungen gesammelt.

Hannover 96 hat zugeschlagen wie beim Sommer-Schlussverkauf. 16 (!) Neuzugänge stehen im Kader. Unter den Abgängen tummeln sich Vereinslegende Ron-Robert Zieler, Sturm-Juwel Niccolo Tresoldi und der Neu-Lauterer Fabian Kunze. Quo vadis, Hannover? Das könnte ein spannendes Jahr, aber auch ein bitteres werden. Große Umbrüche kommen selten ohne Risiko. Das gilt auch beim FCK. Dort sind es zwar nicht ganz so viele Neuzugänge, aber auch der Kader muss sich erst einmal finden. Insgesamt scheint das Team besser aufgestellt als im Vorjahr, als es bis zum Schluss um den Aufstieg spielte. Den Abgang eines Unterschiedsspielers wie Ragnar Ache gilt es aber auch erst einmal zu verkraften.

Für viele noch ungewohnt: Ex-FCK-Stürmer Ragnar Ache im Trikot des 1. FC Köln.
Für viele noch ungewohnt: Ex-FCK-Stürmer Ragnar Ache im Trikot des 1. FC Köln.

In Paderborn und Magdeburg steht das größte Fragezeichen an der Seitenlinie. Die Teams können oben mitspielen, doch bei beiden sind die langjährigen Erfolgstrainer weg. Christian Titz (Magdeburg) und Lukas Kwasniok (Paderborn) haben sich neue Vereine gesucht. Markus Fiedler (Magdeburg) und Ralf Kettemann (Paderborn) müssen erst einmal Erfahrungen sammeln. Ob das gut geht? Julian Laber

Mittelfeld:Irgendwo im Nirgendwo

Schaalke? Mittelmaß? Höma, willst mich veraaaaschen?“ No, denn so ist’s nun mal bei manch einem Traditionsverein: großer Name, gigantische Fanbase – triste Gegenwart. In der Vorsaison wären die Königsblauen aus dem Schacht beinahe nicht mehr rausgekommen, lange kämpfte Schalke 04 gegen den erstmaligen Abstieg in Liga drei und schrammte nur einen Schluck Veltins daran vorbei, bei der Auslosung zum DFB-Pokal im Amateurtopf zu landen. Außer dem FCK hat kein anderer Klub in den zurückliegenden zehn Jahren so viele Trainer verschlissen wie S04. Nun soll es Miron Muslic versuchen. Zweitliga-Erfahrung? Null. Zum Shoppen fehlt Schalke das Geld. Um zu kaufen, muss erst veräußert werden. Doch selbst für die besten Stücke, Taylan Bulut und Moussa Sylla, wurden noch keine Abnehmer gefunden. Schuldenlast: 160 Millionen Euro. Glückauf!

Wundertüte Schalke 04.
Wundertüte Schalke 04.

Die Schalker Freunde vom 1. FC Nürnberg schwimmen dagegen in Euros. Zumindest ließe sich das eingedenk der enormen Transfererlöse vermuten. Hier acht Millionen Euro für Finn Jeltsch, dort 25 Millionen für Stefanos Tzimas, da 4,5 Millionen für Jens Castrop. Für Caspar Jander dürfte der nächste zweistellige Betrag fällig werden. Doch da der FCN jahrelang über seine Verhältnisse gelebt hat, verbieten sich große Investitionen. So setzen die Franken erneut auf Talente wie Artem Stepanov (Bayer Leverkusen), Kristian Mandic oder Ayoub Chaikhoun (beide Eintracht Frankfurt). Trainer Miroslav Klose muss den Vorjahreszehnten wieder neu ausrichten. Irgendwo im Nirgendwo.

Erzrivale SpVgg Greuther Fürth mischt kräftig durch. 13 Zugänge (ohne klangvolle Namen), elf Abgänge. In Thomas Kleine wurde ein neuer Trainer installiert. Der Zweitliga-Dinosaurier (27. Saison seit 1997) will und muss sich nach dem 13. Platz in der Vorsaison neu erfinden. Ergo ist Kleines Losung von Zurückhaltung geprägt: „Wir wollen eine ruhige Saison spielen.“ Irgendwo im Nirgendwo.

Jahr für Jahr fragt sich der geneigte Betrachter: Warum zaubert Marvin Wanitzek nicht in der Bundesliga? Der 32-Jährige, für viele der beste Kicker im Unterhaus, blieb erneut beim Karlsruher SC, und das ist das größte Pfund der Badener, die Torwart Max Weiß für fünf Millionen Euro nach Burnley veräußerten. Auch der Verlust des Mittelfeldrenners Leon Jensen zu Hertha BSC dürfte schwer wiegen. Namhafte Zugänge blieben aus. Der Sturm bislang: ein laues Lüftchen. „Wir wissen, dass uns Zugänge guttun würden“, sagt Trainer Christian Eichner. Zu was die Substanz genügt? Fürs Irgendwo im Nirgendwo. Vermutlich.

Säulen gehalten, sieben Neue geholt: Darmstadt 98 dürfte mit dem Abstiegskampf nichts zu tun bekommen. „Wir machen uns nicht kleiner, als wir sind. Wir sind ein Traditionsverein mit Ambitionen“, sagt Cheftrainer Florian Kohfeldt. Aber: „Man muss schon deutlich sagen, dass es andere Teams gibt, die das mit einem sehr viel höheren Gehaltsbudget untermauern.“ Die „Lilien“ – erblühen irgendwo im Nirgendwo. Sehr wahrscheinlich zumindest. Andreas Böhm

Kellerkinder: Eher ganz unten als oben

Manchmal entscheidet ein Moment nicht nur ein Spiel. Vier Minuten lang schaute sich Schiedsrichter Sascha Stegemann die Bilder an. Die Entscheidung war denkbar knapp – und doch war sie korrekt: Abseits. Ein Spieler der SV Elversberg stand in der verbotenen Zone und irritierte die gegnerische Abwehr. Der Treffer von Fisnik Asslani zählte nicht. Statt 2:1 blieb es im Rückspiel der Relegation beim 1:1 – und was folgte, war pures Drama: In der fünften Minute der Nachspielzeit erzielte Heidenheim das Siegtor. Der Elversberger Traum von der Bundesliga war geplatzt. Statt einem Duell mit Bayern München heißt es im Saarland: Wunden lecken. Trainer Horst Steffen weg, Asslani und Muhammed Damar nach ihrer Leihe zurück nach Hoffenheim, jener Robin Fellhauer, der gegen Heidenheim im Abseits stand, in die Bundesliga nach Augsburg, Semih Sahin zur direkten Konkurrenz nach Kaiserslautern.

Dramatisch war die Relegation zwischen Elversberg und Heidenheim.
Dramatisch war die Relegation zwischen Elversberg und Heidenheim.

Ob das alles bei einem Aufstieg so gekommen wäre? Kaffeesatzleserei. Aber zumindest der Coach verzichtete auf ein Bekenntnis im Falle einer Niederlage in den Entscheidungsspielen. Die beiden anderen Vertreter im Feld der mutmaßlichen Kellerkinder der Zweiten Liga überraschen weniger als Elversberg: Bei Preußen Münster war es in der vergangenen Runde schon eng, die zweite Saison ist immer die schwierigste. Neulinge wie Dynamo Dresden haben es nie leicht. Und Eintracht Braunschweig? Naja, ist einfach schwach besetzt.

Natürlich ließe sich nun trefflich sagen, an der Kaiserlinde in Spiesen-Elversberg wird solide gearbeitet, der Aufstieg war ohnehin nicht geplant und wäre für das 12.800-Einwohner-Städtchen mit dem Doppelnamen zu früh gekommen. Dennoch: Der jetzt anstehende Umbruch ist massiv – und die emotionale Wucht eines solchen Tiefschlags nichts zu unterschätzen. Vielleicht auch erst mit einiger Verzögerung.

Immerhin ist Sportvorstand Nils-Ole Book nicht von Bord gegangen. Er kennt sich damit aus, ein Team zu formen, die kommende Saison könnte nach dem emotionalen Tiefschlag zur Bewährungsprobe werden. Schlagen die Neuen ein? Amara Condé kommt vom SC Heerenveen aus der niederländischen Eredivisie, Nicholas Mickelson vom dänischen Klub Odense BK. Dazu Mittelstürmer Luca Pfeiffer vom VfB Stuttgart und Linksverteidiger Lasse Günther aus Augsburg, die beide an den Karlsruher SC verliehen waren. Dorthin hatte die TSG Hoffenheim auch Mittelfeldspieler Bambasé Conté verliehen, nun wird der gebürtige Saarbrücker nach Elversberg weitergereicht. Es scheint, als könnten die Saarländer wieder ein Ort für diejenigen werden, die sich zurück in den Fokus spielen wollen.

So wie Fisnik Asslani. „Dieses Jahr hier war die beste Zeit meines Lebens, ich kann nur jedem einzelnen danken“, sagte er nach dem verpassten Aufstieg. „Uns haben ein paar Millimeter gefehlt, es ist unendlich traurig, aber jeder hat absolut alles gegeben.“ Er hat gut reden, in Hoffenheim unternimmt er einen Versuch am Sehnsuchtsort Bundesliga – oder in Bremen? Nicht ausgeschlossen, dass Werder neuer Trainer Horst Steffen noch einen alten Bekannten verpflichten will. Sven Wenzel

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