Pfälzische Geschichte
Das große Rausrücken
Erzählungen verdichten die fließende Struktur der Dinge, das ist ihr Job. Der als König frischgewählte Rudolf von Habsburg befindet sich 1273 also angeblich gerade auf Reise rheinaufwärts, von Köln zum Hoftag in Speyer – da kommt es „in sinen muot (Sinn), daz im übral des rîches guot wider wurde in sîn gewalt“. Wiedergewinn von entfremdeten Reichsgut also, aber das dürfte dem frisch Gekürten kaum schlagartig eingefallen sein, wie die schwäbische Kaiserchronik behauptet. Dauerproblem, das Thema.
Jene Besitzungen, auf die sich Königsherrschaft stützen soll, sie unterliegen nämlich permanenten Schwankungen. Man kann dem Reichsgut Eigenbesitz zuschlagen, wenn man sich um Dynastienbildung müht, die Staufer versuchen das. Man kann es verpfänden, wenn man als König gerade klamm ist, oder dies planmäßig tun, um das Amt des Königs für potentielle Mitbewerber von vorneherein unattraktiv zu machen, die Luxemburger sind da ganz rigoros. Und das Reichsgut kann in Zeiten schwacher Königsherrschaft schlicht usurpiert werden – wie im „Interregnum“, während dessen sich kein Herrscher so richtig durchsetzen kann.
Ein Kataster gibt es nicht
Die Politik der „Revindikationen“, also Rückgewinnungen, die Rudolf dann 1273 in Speyer anstößt, die hat gleich mehrere Probleme: An das, was sich die Fürsten unter den Nagel gerissen haben, kommt Rudolf nicht heran. Ein Schatzamt, das einen Art Kataster der Reichsbesitzungen führt, hat das Reich nicht, anders als England und Frankreich. Und Rudolfs eigene Hausmacht ist, jedenfalls zu Beginn, vergleichsweise schmal. Angesichts dessen ist Rudolfs Politik wohl sogar recht erfolgreich – wenn auch nur zeitweise.
Kleines Beispiel aus der Region: Die Reichsburg Guttenberg wird von den Herren von Fleckenstein usurpiert und 1283 wieder ans Reich zurückgegeben. Knapp zehn Jahre später muss Rudolf die Burg allerdings schon wieder verpfänden. Geldmangel: auch der ein Dauerproblem.