Globaler Handel RHEINPFALZ Plus Artikel Bleibt der US-Dollar Leitwährung für den Welthandel?

Noch ist der US-Dollar die Leitwährung für den Welthandel. Doch daran wird bereits gerüttelt.
Noch ist der US-Dollar die Leitwährung für den Welthandel. Doch daran wird bereits gerüttelt.

Nicht nur Öl wird in US-Dollar gehandelt: US-Geld ist für den Welthandel die Leitwährung. Doch wie lange noch? Der Dollar steht unter dem Druck des wachsenden Schuldenberges in Amerika. Und Staaten wie Russland, Indien und China denken längst über eine neue Leitwährung nach.

Im globalen Gefüge sortieren sich gerade Mächte und Märkte neu. Die Anziehungskraft auf immer mehr Staaten zur Schaffung einer neuen Welt- und Währungsordnung gewinnt an Dynamik. Erst recht, seitdem die Gruppe der BRICS-Staaten (Brasilien, Russische Föderation, Indien, China, Südafrika) in diesem Jahr erweitert wurde. In Kasan hat kürzlich der russische Präsident Wladimir Putin mit 24 Staatschefs aus Asien, Afrika und Südamerika ein Gegenmodell zum Westen zelebriert. Und die seit dem Zweiten Weltkrieg bestehende Weltwährungsordnung mit dem US-Dollar als Leitwährung gerät unter Druck, vor allem ausgelöst durch die Verschuldung der USA. 2001 betrug diese 5,6 Billionen US-Dollar. Heute sind es etwa 35 Billionen. Die Schuldenobergrenze wird ständig nach oben geschoben. Die größten Gläubiger: Japan und China. Wie lange geht das noch gut? Wie lange noch taugt der US-Dollar als Weltleitwährung? Wie lange behält er seine Funktion als Tauschmittel, als Recheneinheit und internationales Wertaufbewahrungsmittel?

Der Beginn der Weltwährungsordnung

Ein Blick zurück. Es begann mit der Etablierung des Bretton-Woods-Systems nach dem Zweiten Weltkrieg, das die westliche Weltwährungsordnung bis etwa 1970 geprägt hat: Jede Währung der Mitgliedsländer war in Gewichtseinheiten Gold definiert, und damit waren auch die Paritäten der Währungen untereinander definiert (fixe Wechselkurse). Die nationalen Zentralbanken der Mitgliedsländer waren – außer der amerikanischen Zentralbank – verpflichtet, ihren Wechselkurs zum US-Dollar innerhalb einer Bandbreite von zunächst plus/minus einem Prozent zu halten. Wurde die Währung eines Mitgliedslandes zu schwach, musste dessen Zentralbank mit US-Dollars die eigene Währung stützen, also kaufen. Wurde eine Währung, wie oftmals die D-Mark, gegenüber dem US-Dollar zu stark, musste die Zentralbank mit der eigenen Währung US-Dollars kaufen. Auf- und Abwertungen der nationalen Währungen waren möglich, bei Veränderungen von mehr als zehn Prozent allerdings nur mit Zustimmung des Internationalen Währungsfonds (IWF). Die USA ihrerseits versprachen, jederzeit US-Dollars in Gold zu tauschen.

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Der US-Dollar als Leitwährung: Stichworte

Der Dollar wurde so zur Leitwährung. Jedes Land außer den USA war also gezwungen, Währungsreserven (US-Dollars oder Gold) zu halten. Nur mit US-Dollars konnte man am Welthandel teilnehmen und zum Beispiel Öl kaufen. Nur die USA konnten den weltweiten Bedarf an Dollars befriedigen und die Leitwährung schöpfen.

Ende der Goldbindung

Durch eine Politik der starken Geldmengenvermehrung in den USA ab 1963, der Finanzierung des Vietnamkrieges, die ständigen Handelsbilanzdefizite der USA kam es zu einem starken Anstieg der in der Welt „vagabundierenden“ US-Dollars und zu einem Vertrauensverlust. Infolgedessen schmolzen die US-Goldbestände durch einen zunehmenden Umtausch von US-Dollar in Gold. Besonders der französische Präsident de Gaulle hat auf diese Weise Druck ausgeübt. 1971 erklärte der amerikanische Präsident Richard Nixon, dass US-Dollars nicht mehr gegen Gold eingetauscht werden können. Die Goldbindung des US-Dollars war aufgehoben.

Auch Deutschland hat sich nicht mehr an das Bretton-Woods-Abkommen gehalten. Aufgrund der rasch ansteigenden Inflation durch Stützungskäufe des US-Dollars hat Deutschland nicht mehr am Dollar-Markt interveniert.

Auch eine Frage des Vertrauens

Bei einer Neuausrichtung im Dezember 1971 kam es zum Versuch, den US-Dollar auf niedrigerer Basis zu stabilisieren – in Form einer Vereinbarung neuer Leitkurse mit einer größeren Bandbreite von plus/minus 2,25 Prozent. Schließlich ging 1973 eine Gruppe europäischer Länder, die unter sich feste Wechselkurse mit einer Bandbreite von plus/minus 2,25 Prozent beibehielten, zum sogenannten Gruppenfloating gegen den US-Dollar über. Das heißt: Die Staaten hielten untereinander feste Wechselkurse aufrecht, praktizierten aber gegenüber dem US-Dollar flexible Kurse. Nach den Währungsbeschlüssen von Kingston/Jamaica (1976) hatte praktisch jedes Mitgliedsland des Internationalen Währungsfonds freie Wahl des Wechselkurssystems.

Noch ist der US-Dollar die dominierende Transaktions- und Reservewährung. Eine Weltleitwährung muss sicher und stabil sein. Andererseits muss diese in ausreichender Menge auch außerhalb des Reservewährungslandes verfügbar sein. Daher müssen die USA einer wachsenden Weltwirtschaft mehr Geld zur Verfügung stellen, als sie einnehmen. Das Vertrauen in den US-Dollar droht jedoch bei weiterer Verschuldung durch Handelsbilanz- und Staatshaushaltdefizite zu kollabieren. Was geschieht, wenn die Ölförderländer den US-Dollar als Zahlungsmittel nicht mehr akzeptieren, das jährliche Feilschen um die Anhebung der Schuldenobergrenze die Anleger verschreckt, der neue Präsident der USA die Schulden weiter nach oben treibt, um zum Beispiel Steuersenkungen zu finanzieren, die wirtschaftliche und politische Stabilität der USA leidet? Was kann dann den US-Dollar als Weltleitwährung ersetzen?

Neue Währungen als Alternative

Man könnte beispielsweise eine neue Kunstwährung einführen, die als Währungskorb definiert ist, der sich aus Beträgen der Währungen von Mitgliedsstaaten zusammensetzt. Jede Währung hätte dann einen auf die neue Kunstwährung bezogenen Leitkurs. Um diesen müsste man verhandelbare Bandbreiten legen. Man könnte die neue Bezugsgröße in Anlehnung an die 1979 eingeführte Recheneinheit ECU – European Currency Unit, den Vorläufer des Euro – etwa mit WCU (World-Currency Unit) bezeichnen. Oder man könnte sich an den Wirtschaftswissenschaftler Keynes erinnern: Er hatte einen Plan entwickelt, dass Güter von Staaten nicht mehr gegen Geld, sondern im Tausch gehandelt und über eine internationale Clearing-Union mit der neuen Währung „Bancor“ als Verrechnungseinheit abgerechnet werden.

Eine auf einen Währungskorb definierte Kunstwährung setzt voraus, dass sich die Mitgliedsstaaten über die Möglichkeit von Anpassungen der Wechselkurse und auf ein Beistands- und Kreditsystem einigen. Ferner müssten die nationalen Zentralbanken eine Anfangsmenge der World-Currency Unit vorhalten, indem sie Gold und Währungsreserven bereitstellen. Eine Alternative wäre die Einbringung von Gold und anderen Rohstoffen. Denkbar wäre auch eine digitale Weltwährung, die ebenfalls durch Gold und Rohstoffe gedeckt werden könnte. Derzeit nehmen angesichts der Inflation die virtuelle Werteinheit Bitcoin, aber auch Gold eine weltweite Rolle als Wertaufbewahrungsreserve ein, obwohl sie als Zahlungsmittel bisher weniger verbreitet sind.

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Eine andere Vorstellung von einer neuen Weltwährungsordnung haben die BRICS-Staaten. Dazu gehören seit Anfang 2024 auch Länder wie die Vereinigten Arabischen Emirate und Iran, also ölexportierende Staaten, die ihr Öl gegen US-Dollars verkaufen. Die Vorherrschaft des Dollars zu brechen, stand bereits auf der Agenda 2023 in Südafrika und vor Kurzem im russischen Kasan. Russland lud 38 Staaten ein, wovon der Großteil zusagte. Putin zelebrierte das Treffen als Gegenmodell zu den G7-Staaten (Deutschland, Frankreich, Vereinigtes Königreich, Italien, Kanada, USA, Japan). Unter anderem haben auch Indonesien, Kuba, Saudi-Arabien und das Nato-Land Türkei Interesse an einer BRICS-Mitgliedschaft bekundet.

Noch sind sich die BRICS-plus-Staaten über eine neue Weltwährungsordnung nicht einig. Russland brachte eine durch Gold gedeckte neue Währung ins Spiel, um am Dollar – und den Sanktionen – vorbei Handel betreiben zu können. China könnte sich ebenso wie Indien die heimische Währung als Weltwährung vorstellen. Einig sind sich die BRICS-plus-Staaten, die bei der Bevölkerung und beim Bruttoinlandsprodukt die G-7-Staaten übertreffen und nicht so recht zum Westen gehören wollen, eine „gerechte“ Weltordnung zu schaffen.

Solange dies ihr kleinster gemeinsamer Nenner bleibt und China eine große Menge von US-Staatsanleihen besitzt, hat der Westen noch Zeit, nachzudenken. Wenn aber die BRICS-plus-Staaten diese Idee umsetzen sollten und den US-Dollar als Zahlungs- und Wertaufbewahrungsmittel nicht mehr akzeptieren, dürfte es zu nicht kalkulierbaren Bewegungen auf den Finanz-, Devisen-, Gold- und anderen Rohstoffmärkten sowie den Kryptowährungen kommen.

Der Autor

Josef Puhani hat als Professor für Statistik und Volkswirtschaftslehre an der Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft in Ludwigshafen gelehrt. Zuvor war der promovierte Volkswirt, der seit 1979 in Friedelsheim wohnt, unter anderem am Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung in München tätig gewesen.

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Dieser Artikel stammt aus der RHEINPFALZ am SONNTAG, der Wochenzeitung der RHEINPFALZ. Digital lesen Sie die vollständige Ausgabe bereits samstags im E-Paper in der RHEINPFALZ-App (Android, iOS). Sonntags ab 5 Uhr erhalten Sie dort eine aktualisierte Version mit den Nachrichten vom Samstag aus der Pfalz, Deutschland und der Welt sowie besonders ausführlich vom Sport.

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