Rheinland-Pfalz Zur Sache: Gaucho, Edward, Luke, Jasmin, Julia und Susi

Auf dem Areal des künftigen US Hospitals leben nachgewiesenermaßen Wildkatzen. Unter anderem verläuft durch das Areal ein Korridor, auf dem sich die Vierbeiner vom Pfälzerwald in Richtung Hunsrück bewegen – und wieder zurück. Damit das möglich ist, gibt es an verschiedenen Stellen im Zaun Schlupflöcher und Unterführungen. Die Naturschutzverbände Nabu und BUND kritisieren, dass mit dem geplanten Bau eines Gebäudes für die Bauleitung der Korridor für die Wildkatzen eingeschränkt werde. Das Mainzer Amt für Bundesbau (ABB), das als deutsche Behörde den Bau des US Hospitals verantwortet, weist diese Kritik zurück. Das ABB stützt sich dabei auf ein Gutachten, das auch der RHEINPFALZ vorliegt. Wissenschaftler haben sechs Wildkatzen gefangen. Sie haben ihnen nicht nur Namen gegeben (Gaucho, Edward, Luke, Jasmin, Julia und Susi), sondern sie auch mit Sendern versehen. Aus den ermittelten Daten haben die Experten Bewegungsprofile erstellt und ausgewertet. Sie können daher Aussagen treffen, wo Gaucho und seine Artgenossen längere Zeit verweilen und an welchen Orten sie sich nur kurz aufhalten beziehungsweise durchreisen. Dem Gutachten zufolge wird sich mit dem Bauleiter-Gebäude nichts an dem momentanen Zustand ändern. Dieser Bereich werde zwar durchwandert von den Wildkatzen, die Tiere nutzen ihn laut der Expertise jedoch nicht zum permanenten Aufenthalt. Ob das Bauleiter-Gebäude an der vorgesehenen Stelle in unmittelbarer Nachbarschaft zur Kreisstraße 25 gebaut werden darf, ist aber noch offen. Die dafür zuständige Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) hat jedenfalls keinen entsprechenden Bescheid erstellt. Die Entscheidung soll nun auf der Bundesebene fallen. Die Naturschützer kritisieren das, der ABB bezeichnet es als normalen Verwaltungsakt. ABB-Direktor Christoph Strohschneider rechnet mit einem Bescheid „vielleicht im Herbst“. Falls der Bescheid negativ ausfällt, muss ein neuer Platz für das Bauleiter-Gebäude gefunden werden. Aus Sicht seiner Behörde eignet sich das vorgesehene Gelände vor allem deshalb, weil es bereits asphaltiert ist. Früher war dort ein Parkplatz des US-Militärs. Außerdem müssten nur 0,7 Hektar Wald gerodet werden, um zusätzlichen Platz zu schaffen. An anderen Stellen des Areals wären laut ABB deutlich größere Rodungen notwendig. Das Bauleiter-Gebäude soll auf einer Fläche von 20 mal 20 Meter entstehen und drei Geschosse haben. Ein vergleichbar großes Gebäude soll zudem in unmittelbarer Nachbarschaft entstehen: für die US-Ingenieure. Aus Sicherheitsgründen müssen die beiden Häuser jedoch durch einen Zaun und eine Schleuse getrennt werden. (gana)