Rheinland-Pfalz
Zimmerer: Schule mit Ach und Krach gepackt, und jetzt Weltmeister
Das Gymnasium war für Alexander Bruns wirklich nichts. Die zehnte Klasse hat er gerade noch gepackt. Viel lieber hat er am Waldrand Hütten gebaut. Nach einem Praktikum bei einem Zimmererbetrieb stand für ihn fest: kein Abi, kein Studium. Das war für den 22-Jährigen genau der richtige Schritt. Damit hat er es sogar zum Weltmeister geschafft.
Alexander Bruns schlägt aus der Reihe. Er war der Erste in der Familie, der kein Abitur machte, aber eine Ausbildung. Sein Elternhaus ist musikalisch-akademisch geprägt: Sein Vater ist Hornist, seine Mutter ausgebildete Sängerin. Seine ältere Schwester hat Geige studiert und der jüngere Bruder gerade das Abitur geschafft und wird wohl studieren, erzählt die Mutter des Goldjungen, Kerstin Bruns. Doch auch ihr mittlerer Sohn Alexander hat Karriere gemacht – und was für eine. Er ist Weltmeister im Zimmererhandwerk.
Am Montag hat ihn die Meisterschule in Kaiserslautern gebührend mit einem „Klatsch“, einem geklatschten Lied, Reden und Häppchen gebührend empfangen. In Kaiserslautern wird Bruns, der aus Bad Dürkheim stammt und mit seiner Freundin in Frankenthal wohnt, ein Jahr in Vollzeit die Schulbank drücken. Sein Ziel: der Meisterbrief. Danach denkt er daran, sich selbstständig zu machen.
Keinen Millimeter daneben: Unbeschreiblicher Sieg
Im Raum 8111 begrüßen ihn seine Klassenkameraden, allesamt Zimmerergesellen in Cordhosen-Kluft, seine Lehrer, der Schulleiter, die Präsidentin der Handwerkskammer, Brigitte Mannert, und auch der Obermeister der Zunft, Gerrit Horn, ist mit breitkrempigem Hut gekommen. Bei der Weltmeisterschaft der (Ausbildungs)-Berufe im russischen Kasan holte Bruns Ende August in seiner Disziplin Gold. Bei dem viertägigen Wettkampf traten rund 1350 junge Fachleute aus über 60 Ländern der Welt an. Die „Worldskills“ genannte Veranstaltung fand erstmals 1946 in Spanien statt, Deutschland ist seit 1953 dabei.
Bruns hat in Kasan mit dem Bau eines kleinen Pavillons aus Kiefer geglänzt. Er war wohl nicht nur 50 Minuten schneller fertig als die Konkurrenz, sondern behielt auch die Nerven und erlaubte sich „keine Fehler“, erzählt er. Denn außer auf Zeit kommt es vor allem auf Präzision an. „Schon Abweichungen von 0,5 Millimeter vom Plan bringen Punktabzug“, sagt Bruns. Der Sieg am Ende „war unbeschreiblich“. Luft zwischen den Hölzern darf es genauso wenig geben wie einen zu langen Balken. Und Bruns hatte es, so sagt es Innungs-Obermeister Horn, besonders schwer. Während die härteste Konkurrenz aus Südkorea sich ein Jahr lang auf den Wettkampf vorbereitet habe, habe Bruns dies „nebenher“ in der Freizeit getan.
Goldjunge ist Werbeträger „par excellence“
In Kaiserslautern wissen alle, dass der junge Mann, der ihre Schule ausgewählt hat, nicht nur der weltbeste Zimmerer ist, sondern dass er als Goldmedaillenträger zugleich Botschafter für die Meisterschule und Werbeträger „par excellence“ fürs Handwerk schlechthin ist. Für das Handwerk, das auch ein Imageproblem hat bei jungen Leuten, die lieber studieren.
Für Bruns aber, war der Schritt in die Ausbildung genau der richtige. Das Vorurteil am Gymnasium, „Ausbildung sei etwas für Looser“, also Verlierer, wird der 22-Jährige so schnell nicht mehr hören. „Ausbildung ist ein Sprungbrett“, findet er und scheint selbst der beste Beweis. Noch in der neunten Klasse hat er nicht einmal gewusst, was ein Zimmerer überhaupt macht. Dann aber kam das Pflichtpraktikum. Er wählte die Zimmerei Schlatter in Kleinkarlbach (Kreis Bad Dürkheim).
Meister auf dem Dachstuhl und im Reden
Nach den zwei Wochen wollte er runter von der Schule. Die zehnte Klasse hat er „noch hingewürgt“, erzählt seine Mutter halb scherzend. Bei Schlatter hat er bis jetzt, zum Beginn der Meisterschule, gearbeitet. Alexander Bruns kann nicht nur zimmern, sondern auch reden. Und rechnen. Die „Winkelfunktionen“, mit denen er am Dürkheimer Gymnasium nichts anfangen konnte, machten für ihn Sinn, als „ich ein praktisches Beispiel hatte“. Und von da ab wusste er offensichtlich auch, wofür er lernt. Beim Gesellenbrief jedenfalls, sei er Klassenbester gewesen.