Rheinland-Pfalz „Wir versuchen, gute Partner zu sein“
Als ich 1995 hierher kam, wandelte sich die Airbase gerade. Die F-16-Kampfflugzeuge wurden abgezogen, stattdessen wurden Transportmaschinen vom Typ C-130 hier stationiert. So konnte von Ramstein aus ganz Europa mit Flugzeugen versorgt werden. Damals waren vor allem Einsätze in Bosnien ein großes Thema für uns. Die Airbase verfügte zu dieser Zeit nur über ein Geschwader, eine Startbahn, und wir benutzten die Rollbahn, um zu landen. An einigen Stellen, wo mittlerweile Gebäude stehen, befand sich damals noch Wald. Wie war das, als junger Soldat nach Europa versetzt zu werden? Als meine Frau und ich damals hierher kamen, war es noch sehr schwer, eine Wohnung außerhalb der Airbase zu finden. Wir hatten zwei Wochen vorher geheiratet, landeten in Frankfurt und fuhren nach Ramstein. Wir bekamen die Chance, die Welt aus einer anderen und neuen Perspektive kennenzulernen. Als wir dann 2007 zurückkamen, hatten wir vier Kinder und die Airbase hatte sich total verändert. Inwiefern? Es gab zwei Geschwader, zwei Startbahnen und die Aufgaben hatten sich ebenfalls geändert. Zu dem Zeitpunkt waren wir auf den Mittleren Osten fokussiert. Außerdem flogen wir von Ramstein aus auch Einsätze in Afrika, weil das einfach der Luftwaffenstützpunkt war, der am nächsten dran war. Die Airbase entwickelte sich für das amerikanische Militär von einem einst kleinen Stützpunkt für Kampfflieger über einen Stützpunkt für Frachtmaschinen hin zu einem Eingangstor zur Welt. Wie sieht es heute aus? 2018 ist die Airbase nochmals größer geworden als bei meinem letzten Einsatz. Mittlerweile sind hier drei Geschwader stationiert mit fast 10.000 Soldaten. Mir fällt auf, dass uns die Bevölkerung sehr freundlich aufnimmt und uns willkommen heißt. Ich war zu Antrittsbesuchen bei den Bürgermeistern in der Region – bei manchem hatte ich das Gefühl, dass er besser Englisch spricht als ich. (lacht) Gibt es einen Platz in der Region, den Sie besonders mögen? Einen Lieblingsplatz? Ja. Burg Nanstein bei Landstuhl. Dort haben wir auch ein Familienfoto gemacht, das ich besonders mag. Das Thema Fluglärm spielt in der Bevölkerung eine große Rolle. Viele Bürger fühlen sich durch die US-Flugzeuge gestört. Können Sie das nachvollziehen? Wir verwenden viel Zeit, um mit den Anwohnern und Bürgern im Gespräch zu bleiben. Es gibt beispielsweise jede Woche eine schriftliche Mitteilung an mich, die mich über die aktuellen Lärmbeschwerden informiert. Wir schauen dabei auf die Einzelfälle und prüfen, ob wir uns wirklich korrekt verhalten haben. Aber man muss auch sagen, dass es früher deutlich lauter hier war. Die früher hier stationierten F-16-Kampfflieger hatten vier Nachbrenner und flogen auch nachts. Heute halten wir uns an die vereinbarten Ruhezeiten. Zwischen 22 und 6 Uhr sowie sonntags starten oder landen unsere Flugzeuge nur, wenn es militärisch wirklich notwendig ist. Was bedeutet das? Es handelt sich dann entweder beispielsweise um eine Nato-Mission, einen Kampfeinsatz oder eine luftmedizinische Evakuierung. Wir versuchen, gute und verlässliche Partner für die Deutschen zu sein, und machen alles, was technisch möglich ist. Aber wir haben auch einen militärischen Auftrag zu erfüllen. Sind die Lärmschutzauflagen aus militärischer Sicht ein Problem für Sie? Nein. Das ist kein Problem für uns. In anderen Ländern gibt es auch Regeln. Das ist nicht nur in Deutschland so. Wenn wir unsere guten Beziehungen zu den Staaten, in denen wir stationiert sind, pflegen wollen, müssen wir uns daran halten. Trotz der Auflagen können wir unseren Auftrag jederzeit erfüllen. Die Airbase soll ausgebaut werden, um Platz für zusätzliche Einheiten zu schaffen, die momentan noch in Mildenhall stationiert sind. Wann erwarten Sie die zusätzlichen Soldaten und Flugzeuge? Die KC-135-Tankflugzeuge werden wohl nicht vor 2024 nach Ramstein verlegt werden. Was bedeutet das für die Airbase? Mit diesen Fliegern wird unser Auftrag ausgeweitet. Bislang ist es schon so, dass das 86. Lufttransportgeschwader immer involviert ist, wenn das US-Militär in Europa Dinge in der Luft transportiert. Das Betanken der Flugzeuge in der Luft hilft uns, die Dinge in der Luft zu halten. Die Airbase selbst wird sich durch die Stationierung der Tankflugzeuge nicht wesentlich verändern. Bedeuten die neuen Flugzeuge nicht auch zusätzlichen Lärm? Sie leben schon lange genug in der Region, um sich an die Flugbewegungen während des Irakkriegs zu erinnern. Nach den Anschlägen vom 11. September war hier ein enormer Flugbetrieb. Das ist heute deutlich weniger geworden. Die zwölf bis 15 zusätzlichen Tankflugzeuge verursachen nicht wesentlich mehr Lärm. Die heben hier ab und fliegen weg, um andernorts Flugzeuge in der Luft zu betanken. Dann kommen sie wieder zurück. Sie werden da keinen Unterschied zu den bisher hier stationierten C-130-Fliegern merken. Welche Bedeutung hat die Airbase Ramstein für das US-Militär? Unser Geschwader ist eines der größten in der US-Luftwaffe. Wir haben die Aufgabe, von hier Luftbrücken zu bauen. Und zwar: jederzeit an jeden Ort. Die Ramsteiner Airbase ist für das US-Militär das Eingangstor zur Welt. In der Region lebt die größte Gruppe US-Amerikaner außerhalb der Vereinigten Staaten: 54.000 Personen. Vor wenigen Wochen wurden in Ramstein rund 100 Container mit Munition eingeliefert. Die Airbase steht nicht nur deshalb unter besonderer Beobachtung der Sicherheitsbehörden. Befürchten Sie einen Anschlag? Wir arbeiten mit der Polizei und den deutschen Behörden täglich eng zusammen. Diese Partnerschaft macht mich sehr zuversichtlich. Zudem haben Sie ja sicherlich unser Tor und die ganzen Zäune gesehen. Und innerhalb des Areals haben wir eine Einheit, die unsere sensiblen Bereiche und Anlagen bewacht. Für die Munitionslager haben wir zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen. Wir sind bestimmt kein leichtes Ziel. Ich befürchte keine Anschläge. Können Sie sich vorstellen, dass die USA die Airbase Ramstein mittelfristig aufgeben werden? Die Airbase Ramstein können Sie in dieser Form an keiner anderen Stelle Europas bauen. Wir können ein solches Drehkreuz für die US-Luftwaffe weder weiter nach Süden noch weiter in den Westen verlegen. Das würde ein Problem wegen der größeren Distanz zu Amerika. Ramstein hat eine perfekte geografische Lage, um all unsere Aufgaben von hier aus zu erfüllen. Hinzu kommt, dass wir hier eine sehr gute Partnerschaft mit den deutschen Gastgebern pflegen und schon etliche Milliarden Dollar in den Stützpunkt investiert haben. Ich bin mir sicher: Die Airbase in Ramstein wird es auch in Zukunft noch geben. | Interview: Andreas Ganter