Rheinland-Pfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Wie das Coronavirus die Pfalz eroberte

Entnommene Abstrichtests und Blutproben in einer Arztpraxis.
Entnommene Abstrichtests und Blutproben in einer Arztpraxis.

Das Coronavirus belastet die Region in unterschiedlichem Maße. Allein auf den Landkreis Bad Dürkheim entfallen ein Fünftel der Infizierten in der Pfalz. Deutlich sind auch die Unterschiede beim Tempo der Ausbreitung in den Landkreisen und kreisfreien Städten. Ein Drei-Wochen-Vergleich.

Der Landkreis Bad Dürkheim hat 133.000, die Stadt Ludwigshafen 172.000 Einwohner. Obwohl Ludwigshafen also bevölkerungsreicher ist, sind in der Stadt bis Montagvormittag insgesamt „nur“ 74 Infizierte bekannt geworden. Im Landkreis Bad Dürkheim sind es dagegen mehr als doppelt so viele. Das ergibt sich aus den Daten, die das Mainzer Gesundheitsministerium täglich für ganz Rheinland-Pfalz veröffentlicht.

Schon zu Beginn der Corona-Krise gehörte der Landkreis neben den Städten Kaiserslautern und Neustadt zu jenen Kommunen in der Pfalz, bei denen das Virus früh festgestellt wurde. Wobei sich der Erreger im Kreis Bad Dürkheim bereits in der Woche vom 16. bis 23. März rasant ausbreitete, nämlich von 16 auf 94 Infizierte. In jener Woche machte die Anzahl der Erkrankten auch im Donnersbergkreis (plus 27 Infizierte) und im Kreis Südliche Weinstraße (plus 22 Infizierte) einen – wenn auch deutlich kleineren – Sprung nach oben. An der Südlichen Weinstraße ging der Anstieg dann in der folgenden Woche kräftig weiter.

Bei manchen kreisfreien Städten und dem Rhein-Pfalz-Kreis ist eine vergleichbar hohe Zunahme erst eine Woche später, also zwischen dem 23. und dem 30. März zu beobachten. So in Landau (plus 24 Infizierte), Ludwigshafen (plus 57) und Neustadt (plus 41). Auch im Rhein-Pfalz-Kreis schnellte die Anzahl der Infizierten in der vergangenen Woche von neun auf 60 hoch. Bei der 100.000 Einwohner zählenden Stadt Kaiserslautern fällt auf, dass dort trotz ihres frühen Corona-Starts bis Montagvormittag lediglich 53 Infizierte registriert wurden. Dagegen verzeichnet das nur etwa halb so viele Einwohner aufweisende Neustadt fast genauso viele Infizierte, nämlich 52.

Anzahl der Infizierten steigt in der Pfalz um 145 Prozent

Bezogen auf Montag, 30. März, sind in der Pfalz 819 Menschen nachweislich an dem Erreger erkrankt. Das sind 42 Patienten mehr als am Sonntag. Zum Vergleich: Am 23. März, also am Montag vor einer Woche, lag diese Anzahl noch bei 334 Infizierten. Das heißt: Innerhalb einer Woche hat die Anzahl der Erkrankten in der Pfalz um 145 Prozent zugenommen.

Fazit: Längst gibt es in der Pfalz keinen coronafreien Landkreis, keine coronafreie Stadt mehr. Die Zahlen kennen unverändert nur eine Richtung, nämlich steil nach oben. Zur Entwarnung geben sie keinen Anlass. Machen sich die den Bürgern auferlegten Einschränkungen wie beispielsweise die vor einer Woche verhängte Kontaktsperre positiv bemerkbar? Oder müssen die Reglementierungen gar noch weiter verschärft werden? Die neue Woche könnte auf diese entscheidenden Fragen zumindest eine erste Antwort geben.

Menschen sind wieder mehr unterwegs

Bleibt die Frage, ob die Bürger sich überhaupt an die Beschränkungen halten. In Teilen der Pfalz waren die Menschen am vergangenen Samstag (28. März) deutlich mehr unterwegs als am Samstag (21. März) zuvor. In Landau gab es 45 Prozent mehr Bewegungen, im Kreis Germersheim 44 Prozent und im Kreis Südliche Weinstraße 42 Prozent. Über 30 Prozent waren es in Speyer, Neustadt sowie den Landkreisen Bad Dürkheim, Südwestpfalz und Rhein-Pfalz-Kreis. Das geht aus dem bundesweiten Bewegungsradar hervor, das der Mobildaten-Auswerter Teralytics auf Basis anonymisierter Mobilfunkanbieterdaten (über 30 Millionen Verträge) für „Bild online“ erstellt hat. Bundesweit lag das Plus bei lediglich 14 Prozent, vor allem in Regionen in Nord- und Ostdeutschland gab es am vergangenen Samstag sogar weniger Bewegungen als eine Woche zuvor.

Eine mögliche Erklärung für den Anstieg in bestimmten Pfälzer Kreisen und Städten: Die Landkreise Südwestpfalz, Bad Dürkheim, Rhein-Pfalz-Kreis, Südliche Weinstraße und Germersheim sowie die Städte Landau, Neustadt, Frankenthal, Ludwigshafen und Speyer hatten bereits am Freitag, 20. März, strenge Allgemeinverfügungen erlassen, die das Betreten öffentlicher Straßen, Wege, Plätze oder Grünanlagen grundsätzlich untersagten. Der folgende Samstag, 21. März, war der erste Tag, an dem diese neuen Regelungen umgesetzt werden mussten. Entsprechend vorsichtig war die Bevölkerung offenbar in diesen Städten und Kreisen.

Das gute Wetter mit Frühlingstemperaturen am jetzigen Samstag sorgte wieder für mehr Bewegungen, was sich prozentual gerade dort bemerkbar machte, wo das öffentliche Leben früher als anderswo zurückgefahren worden war. Bund und Länder hatten sich erst am Sonntag, 22. März, auf ein bundesweit geltendes, strenges Kontaktverbot geeinigt.

Drei weitere Infizierte im Grünstadter Altenheim

Im Grünstadter Azurit-Seniorenzentrum sind drei weitere Bewohner sowie zwei Mitarbeiter infiziert, teilte die Kreisverwaltung Bad Dürkheim am Montag mit. Damit seien momentan neun Bewohner erkrankt. Alle seien aktuell stabil. Zwei Bewohner der Demenzstation sind vergangene Woche an Covid-19 gestorben. jüm/ros

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