Rheinland-Pfalz Widersprüchliches zur NS-Kunst

BAD DÜRKHEIM/KÖLN (häm). Ganz legal will ein Bad Dürkheimer die NS-Kunstwerke gekauft haben, die Berliner Fahnder vergangene Woche bei einer weltweit beachteten Razzia sichergestellt haben. Die Ermittler schweigen zu diesen Angaben. Dafür hat das Arno-Breker-Museum die Behauptungen des Pfälzers wenigstens zum Teil bestätigt. Doch die Familie des Künstlers wiederum widerspricht.
„Rechtswidrig erlangtes Bundesvermögen“ seien die in Bad Dürkheimer Lagerhallen entdeckten Werke prominenter NS-Künstler, teilte das Berliner Landeskriminalamt vergangene Woche mit. Doch der Bad Dürkheimer Hüter der mutmaßlich illegal gehorteten Sammlung hielt dagegen: Er habe alles legal erworben, richtete sein Anwalt aus. Einen Großteil der Werke habe der Pfälzer sogar einem Museum überlassen. Der Trägerverein des Arno-Breker-Museums in Nörvenich bei Köln hat gestern zu dieser Behauptung Stellung genommen: Tatsächlich seien die beiden Bronzefiguren „Künder“ und „Berufung“ mehr als 20 Jahre lang auf seinem Gelände gelagert worden. Mit ihrem Bad Dürkheimer Besitzer allerdings wollen die Museumsbetreiber nie viel zu tun gehabt haben: „Die Kontakte bis zum heutigen Tag pflegte ausschließlich die Künstler-Witwe Charlotte Breker.“ Bei der Frau des 1991 verstorbenen Bildhauers soll der Pfälzer die Statuen auch gekauft, dann aber „keinen Platz“ für die beiden Werke gehabt und sie deshalb im Museum gelagert haben. Etwa 20 Jahre später habe er sie wieder abgeholt – „da er nach Hörensagen kommerzielle Interessen verfolgte“. Über die brisante Vorgeschichte der Statuen ist der Museumsverein nach eigenen Angaben nie informiert worden. „Künder“ und „Berufung“ standen auf einem Kasernengelände der Sowjetarmee in Brandenburg und galten seit der Wende-Zeit als verschollen. Doch auch die Breker-Erben wussten nach eigenen Angaben nicht, wo sie abgeblieben waren. Die Tochter des Künstlers sagte gestern der RHEINPFALZ: „Man konnte sie bei uns auch niemals kaufen.“ Damit widerspricht sie den Museumsbetreibern ebenso wie dem Bad Dürkheimer. Der Mann sei bei der Familie zwar Kunde gewesen, habe bei ihr aber keines der nun sichergestellten Stücke erworben, sagt die Breker-Tochter. Auch das beschlagnahmte Relief „Kameraden“ sei nie im Museum gewesen. Einem Pressebericht zufolge hing dort 2006 zwar ein Stück dieses Namens an einer Wand (wir berichteten). Das allerdings sei eine Leihgabe der Erben aus Bronze gewesen. Das in Bad Dürkheim entdeckte Werk ist aus Granit und wiegt Dutzende Tonnen.