Rheinland-Pfalz Welterbe ohne C
Wer nach wenig erbaulichen Erlebnissen mit Telekom-Aktien, argentinischen Staatsanleihen oder einem nur den Wohlstand der Hausbank mehrenden Fondssparplan sein bescheidenes Vermögen lieber in überzeitlich wertbeständige Sammlerstücke investieren will, muss auf der Hut sein. Denn vermeintliche Meisterwerke holländischer Renaissance-Maler, chinesischer Ming-Vasen-Töpfer oder deutscher Goldmünzen-Präger können sich im Nachhinein als Fälschungen entpuppen. Dem Laien bleibt nur, sich bei derartigen Investitionen an seriöse Anbieter zu halten. Auf einen solchen scheint bei Facebook gerade der Dom zu Speyer hinzuweisen. Er steht schon sehr lange in dem als Abstellplatz ausrangierter Flugzeuge berühmten Städtchen herum und sieht trotzdem noch immer solider aus als, beispielsweise, die komplette Ludwigshafener Innenstadt. Also bescheinigen ihm Schöngeister gerne eine Aura der Beständigkeit. Um so freudiger muss es sparwillige Internet-Nutzer stimmen, dass ihnen ausgerechnet in seinem ehrwürdigen Namen seit Mitte Dezember eine verheißungsvoll schimmernde Goldmünze präsentiert wird. Auf ihrer einen Seite zeigt sie den gewohnt grimmig dreinblickenden Bundesadler sowie ihren Nennwert: 100 Euro. Und auf der anderen: den Dom zu Speyer höchstselbst. Denn mit ihm soll, so hat es die Bundesregierung laut Begleittext angeblich beschlossen, im nächsten Jahr eine Goldmünzen-Serie zu Ende gehen, die seit 2003 in insgesamt 16 Ausführungen die deutschen Unesco-Welterbestätten würdigt. Doch ach, beim genaueren Blick auf die Darstellung macht der immer noch misstrauische Möchtegern-Anleger eine irritierende Entdeckung. Am oberen Rand des Geldstücks rankt sich, in gravitätischen Großbuchstaben und von der Spitze eines vorwitzigen Domturmes durchbohrt, ein seltsamer Schriftzug entlang. UNESO-WELTERBE. Ohne C! Damit scheint klar: Hinter diesem Angebot steckt eine Bande überschaubar begabter vietnamesischer Handtaschenfälscher, die versuchsweise und in verlässlich schludriger Manier ihr Sortiment erweitern wollen. Doch in Wirklichkeit hat der Speyer Dom bei Facebook nur eine Panne sichtbar gemacht, die in Berlin mit aller Kraft vertuscht werden sollte. Als dort mit einer Pressemeldung erstmals auf die Neu-Prägung aufmerksam gemacht wurde, fragte die RHEINPFALZ nach einer Darstellung des Goldstücks, die sie ihren Lesern präsentieren könnte. Und wurde auf die Internet-Seite des Bundesfinanzministeriums verwiesen. Dort allerdings fand sich zur Speyer-Münze nur Text. Was zunächst für regierungsamtliches Erstaunen sorgte. Bis sich herausstellte: Eine zunächst präsentierte Abbildung war aus Gründen, die keinesfalls öffentlich werden sollten, klammheimlich wieder zurückgezogen worden. Immerhin: Über Nacht sollte dort eine neue, von dem geheimzuhaltenden Makel des fehlenden C bereinigte Version bereitgestellt werden. Was dann auch tatsächlich geschehen ist. Nur die zum zweiten Mal vorgebrachte Frage nach einer Abdruckgenehmigung führte schon wieder zu nichts. Denn nun verwies das Ministerium ans Bundesverwaltungsamt. Das erst am Folgetag zurückschrieb. Und bedauernd mitteilte, es könne aus rechtlichen Gründen „leider derzeit keine gewünschten Abbildungen zur Verfügung stellen“. So kommt es, dass das Dom-Goldstück bis heute nicht in der Zeitung zu sehen war. Aber begüterten Pfälzern auf der Suche nach überzeitlich wertbeständige Sammlerstücken mag das ohnehin egal sein. Wer schon Erlebnisse mit Telekom-Aktien, argentinischen Staatsanleihen oder einem nur den Wohlstand der Hausbank mehrenden Fondssparplan hatte, der hält sich nicht ans Bundesfinanzministerium. Denn er sucht jetzt verlässliche Anbieter. | Christoph Hämmelmann