Rheinland-Pfalz
Weintipp: Pinot? Gar nicht wahr!
Aus gebotenem Anlass betonen wir: Häufig wissen die Engländer ganz genau, was sie machen. Die Insel zählt zwar nicht zu den berühmten Weinländern, aber sie ist führend in Sachen Weinpublikation und Wein-Ausbildung. Der so genannte WSET-Standard, zu dem als höchste von fünf Stufen der „Master of Wine“ gehört, ist weltweit als Maßstab für Weinkenntnisse anerkannt. Und niemand hat bisher ein detaillierteres Werk über Rebsorten herausgegeben als den Wälzer „Wine Grapes“ mit 1244 Seiten. Beim Stöbern erlebt dort auch der Weinjournalist immer mal Überraschungen.
Kein Bruder, nur ein Neffe
Die Rebsorte Auxerrois beispielsweise zählen auch viele Winzer zu den Burgundersorten wie Spät- oder Weißburgunder oder Schwarzriesling. „Wine Grapes“ klärt darüber auf, dass die Sorte aus Elsass/Lothringen stammt und wohl schon im 13. Jahrhundert bekannt war. Überraschender ist die zitierte DNA-Analyse: Auxerrois ist demnach kein Bruder, sondern ebenso wie der Chardonnay nur ein Neffe der bekannten Burgunder, weil auch die alte Sorte Gouais Blanc mitgemischt hat. Nun hat der Wein dennoch durchaus Burgundercharakter mit cremig-weichem Duft, der häufig an Zuckermelone und Sahnetorte erinnert. Im Mund jedoch hinterlässt er in vielen Fällen mangels Säure einen recht kurzen Eindruck.
Der Pfalz sehr nah: die Nahe
Hier kommt das Anbaugebiet Nahe ins Spiel, dessen südwestlicher Zipfel tatsächlich noch zur Pfalz zählt. Dort ist es im Allgemeinen ein wenig kühler als an der Weinstraße. Sorten, die zu Säurearmut neigen, behalten hier mehr Frische und Lebendigkeit. Hartmut Heintz vom Weingut im Zwölberich tat gut daran, sich um den Auxerrois zu kümmern. Sein Wein zeigt sich schlanker und feiner als andere Weine der Sorte, ergänzt den cremigen Duft durch leichte Zitrusnoten und ein schlankes, anhaltendes Finale. Dafür kann man die Grenze der Pfalz schon mal um ein paar Kilometer bis nach Langenlonsheim überschreiten.