Rheinland-Pfalz „Was wäre das Leben ohne Lachen?“

Lehrt an der Hochschule Worms Informatik: Elisabeth Heinemann. In ihrer Freizeit steht sie als „Frau Professor“ mit ihrem Kabare
Lehrt an der Hochschule Worms Informatik: Elisabeth Heinemann. In ihrer Freizeit steht sie als »Frau Professor« mit ihrem Kabarett-Programm »Die digitale Leichtigkeit des Seins« auf der Bühne.

Professoren sind ernst? Diese Professorin nicht. Oder nicht immer. Elisabeth Heinemann lehrt seit 2007 an der Hochschule Worms Informatik, leitet zwei Master-Studiengänge – und ist Kabarettistin. Auf der Bühne steht sie als „Frau Professor“: In ihrem Programm „Die digitale Leichtigkeit des Seins“ nimmt sie auseinander, wie wir leben, seit wir twittern, sharen und liken. Antonia Kurz hat mit Heinemann über ihr Doppelleben gesprochen.

Pflanzen auf Twitter – davon sprechen Sie in Ihrem Programm. Wirklich?

Natürlich. Auch ein Ficus Benjamini möchte schließlich an der Digitalisierung teilhaben. Und wie könnte er das besser, als mit der subversiven Drohung, seinen Followern auf Twitter zu offenbaren, seit wann er wieder nicht gegossen wurde, und dass er wohl aufgrund von zunehmender Trockenheit demnächst nicht mehr in der Lage sein werde, kompromittierende Geschichten aus dem Haushalt seines Besitzers zu twittern. Wie viele Follower haben diese Bäume? Kommt wie immer darauf an, welchen Mehrwert die Tweets bieten, also Unterhaltung, aktuelle Infos oder spannendes Wissen. Da unterscheidet sich eine twitternde Grünpflanze nur unwesentlich von einem ebensolchen mittelständischen Unternehmen. Der Informationsfluss im Internet ist scheinbar endlos. Macht uns die Digitalisierung wahnsinnig? Das liegt an jedem selbst. Ich habe es sehr oft selbst in der Hand zu entscheiden, wie viel Digitalisierung ich in meinem Leben zulasse – ohne dabei den Anschluss an die Gegenwart oder gar Zukunft zu verlieren. Und natürlich hat es mit digitaler Bildung und mit Medienkompetenz zu tun, ob die Digitalisierung uns Mehrwert bringt oder in Stress versetzt. Wie verschafft man sich eine solche Medienkompetenz? Idealerweise sollten Eltern einen vernünftigen Umgang mit Smartphone & Co. vorleben, sowie mit ihrem Nachwuchs über Themen wie Cyber-Mobbing und den bewussten Umgang mit persönlichen Daten sprechen. Können sie das nicht, weil sie sich selbst nicht damit auskennen, dann macht es sehr viel Sinn, sich zunächst einmal selbst in die Materie einzuarbeiten. Diesbezügliche Angebote – online wie offline – gibt es reichlich. Und natürlich müssen solche Themen auch zum festen Unterrichtsplan in den Schulen gehören. Kennen Sie das, dass man sehr schlechte Laune bekommt, wenn nicht innerhalb von Minuten auf eine E-Mail geantwortet wird? Schlechte Laune nicht. Aber dass ich ungeduldig werde, passiert auch mir manchmal. Allerdings nur, wenn die erwartete Antwort an ganz viele Emotionen gekoppelt ist, weil es zum Beispiel um ein Herzensprojekt geht. Ehrlich: Sind Sie auch mal offline? Mehr, als Sie vielleicht glauben. Die Digitalisierung ist für mich etwas Grandioses, aber vor allem ein Werkzeug, um Wissen zu erwerben, mit Menschen in Kontakt zu kommen und zu bleiben. Auch Routineaufgaben lassen sich damit wunderbar vereinfachen. Haben Sie als Professorin überhaupt Zeit für Kabarett? Mit meinem Kabarett stehe ich ja meistens am Abend auf der Bühne. Und zu solch einer Zeit bin ich zwar mit meinen Studierenden durchaus noch digital in Kontakt, aber nicht mehr von Angesicht zu Angesicht. Was ist der größte Nachteil der Digitalisierung? Ich nenne es lieber „Risiken“. Ein sehr großes ist sicherlich, dass die Schnelligkeit der digitalen Transformation potenziell diejenigen überrumpelt, die bei „Wischen“ noch an ein Staubtuch denken und nicht an das Bedienen eines Touch-Screens. Wem sollte das zu denken geben? Hier sollten vor allem auch Unternehmen achtsam sein und bei aller notwendigen Zukunftsorientierung genau hinschauen, wie weit ihre Kunden in Sachen „digitaler Akzeptanz“ schon sind. Was ist der größte Vorteil? Auch hier gibt es – vor allem bezogen auf verschiedene Protagonisten wie Unternehmen, Individuen oder die Gesellschaft als Ganzes nicht den einen größten Vorteil. Aber für mich persönlich ist einer sicherlich die mit der Verbreitung des Internets gestiegene Möglichkeit der Teilhabe am Leben seitens Personen, die bedingt durch ihr Alter oder durch körperliche Handicaps nicht raus können. Soziale Medien oder Messenger-Dienste lassen sie trotzdem in Kontakt mit „ihren“ Menschen bleiben. In Ihrem Programm stellen Sie auch Studien vor. Was ist die überraschendste? Vielleicht nicht unbedingt die überraschendste, aber für mich die beeindruckendste: Eine Studie der Initiative D21 vom November 2017 belegt, dass ein Viertel der Deutschen als „digital abseits stehend“ gilt, also nicht sehr souverän mit dem ganzen Digitalgedöns umgehen kann. Deswegen betone ich auch in meinen Vorlesungen und Fachvorträgen, immer, wie wichtig digitale Bildung und Teilhabe sind. Wir müssen die Menschen dort abholen, wo sie mit ihren Kenntnissen stehen und sie nicht mit den Möglichkeiten des Digitalen überfahren. Kann Ihr Kabarett dazu einen Beitrag leisten? Die begeisterten Reaktionen meines Publikums der letzten Jahre lassen mich das mit einem klaren Ja beantworten. Mein Kabarett ist gleichermaßen unterhaltsam wie auch informativ. Ich plaudere nicht nur über die teils sehr erstaunlichen Möglichkeiten der Digitalisierung, sondern vermittle den Zuschauerinnen und Zuschauern auch immer Impulse für einen achtsameren Umgang mit ihr. Die Menschen sollen sich also mit der Materie beschäftigen? Unbedingt. Und deswegen freue ich mich auch sehr, dass ich in meiner Heimatstadt Darmstadt jetzt regelmäßig eine Talkshow – „Frau Professors digitale Runde“ – moderieren darf, die in allen Altersgruppen und unabhängig von Wissensstand oder persönlicher Haltung Menschen zu Wort kommen lässt, die etwas zur Digitalisierung zu sagen haben. Wie kamen Sie denn überhaupt auf die Idee, Kabarettistin zu werden? Als ich 2012 in Köln bei einem großen Versicherungsunternehmen nach einem Fachvortrag vom Podium kam, meinte der Vorstandsvorsitzende begeistert: „Frau Heinemann, das war großartig, aber eigentlich machen Sie ja fast schon Kabarett.“ Im Rheinland ein Ritterschlag – und der Startschuss für mein eigenes Kabarettprogramm. Ein Jahr später gewann ich einen Kabarettpreis und seither wechseln sich Kabarett und Fachvorträge bei mir munter ab. Sind Sie auch an der Hochschule Worms für Ihre lustige Seite bekannt? Das zu leugnen, wäre wohl sinnlos. Was wäre das Leben ohne Lachen? Und weil die Arbeit mit meinen Studierenden für mich höchste Priorität hat, spielt der Humor auch in der Lehre für mich eine große Rolle. Denn wenn die Stimmung gut ist, dann klappt’s auch mit dem Lernen. Info www.frau-professor.de

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