Kreis Germersheim RHEINPFALZ Plus Artikel Wahlsieger im Porträt: Brandl hat „richtig Bock“ auf Landrat

Gemeinsamer CDU-Jubel am Wahlabend: Der neue Landrat Martin Brandl (zweiter von links) mit dem Bundestagsabgeordneten Thomas Geb
Gemeinsamer CDU-Jubel am Wahlabend: Der neue Landrat Martin Brandl (zweiter von links) mit dem Bundestagsabgeordneten Thomas Gebhart (links), dem Kreisbeigeordneten Christoph Buttweiler und Noch-Landrat Fritz Brechtel (rechts).

Der neue Landrat im Kreis Germersheim heißt Martin Brandl. Ein Blick auf den CDU-Politiker, der seine Heimat nie wirklich verlassen und mit der Nachfolge des langjährigen Amtsinhabers Fritz Brechtel seinen „Traumjob“ gefunden hat.

Der Kronprinz bekommt bald die Krone aufgesetzt. Wenn Martin Brandl (CDU) am 1. Dezember das Amt des Landrats übernimmt, hat er sein großes kommunalpolitisches Ziel erreicht – oder, um es in seinen Worten zu sagen, den „Traumjob“ bekommen, auf den er „richtig Bock“ hat. Brandls Ambitionen waren kein Geheimnis und so war wohl niemand überrascht, dass er seine Kandidatur ankündigte, kaum dass sein Parteifreund Fritz Brechtel öffentlich erklärt hatte, den Landratsposten einige Monate früher räumen zu wollen.

Bislang hat Brandl eine Bilderbuchkarriere innerhalb der CDU hingelegt: 1996 trat er im Alter von 15 Jahren in die Junge Union ein. Seit 2000 ist Brandl Mitglied der CDU, seit 2004 sitzt er im Kreistag. Dabei stieg er schnell auf: Von 2009 bis 2015 war er stellvertretender Fraktionsvorsitzender, seit 2015 führt er die CDU-Fraktion. 2009 zog Brandl erstmals in den rheinland-pfälzischen Landtag ein. Auch hier ein Aufstieg: Im Abgeordnetenhaus ist er seit 2016 Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU-Landtagsfaktion. Gleichzeitig war Brandl über Jahre im Gemeinderat Rülzheim aktiv und sitzt seit 2004 im Verbandsgemeinderat Rülzheim.

Studium in Karlsruhe

Doch wie tickt der neue Landrat privat? Der Rülzheimer ist fest in der Südpfalz verankert, in vielerlei Hinsicht. Dabei hatte er sich nie weit vom Kreis entfernt: Erst hat er sein Abitur am Goethe-Gymnasium Germersheim absolviert, danach den Wehrdienst beim Luftwaffenausbildungsregiment III ebenfalls in Germersheim abgeleistet. Nur kurz ging es über den Rhein: Das Studium der Betriebswirtschaft führte Brandl nach Karlsruhe, danach arbeitete er in einem Unternehmen in Bruchsal, bis er am 28. Oktober 2009 in den Landtag nachrückte.

Mehrere Jahre stand Brandl während der Fasnacht als Mitglied eines schwarzen Trios im Kreis auf der Bühne, gemeinsam mit dem Bundestagsabgeordneten Thomas Gebhart und Landrat Fritz Brechtel. Seit 2018 ist der frisch gewählte Landrat mit viel Engagement Hauptvorsitzender des Pfälzerwaldvereins. Und der Vater von drei Kindern kann auch aus eigener Erfahrung leidenschaftlich über Schulthemen im Kreis diskutieren.

Meinungsfreudig und fleißig

Das bodenständige Image des Sohnes einer Bäckerfamilie, der auch im Wahlkampf immer wieder gerne Brötchen backt, ist glaubwürdig. Aber es sollte nicht darüber hinweg täuschen, dass Brandl auch politische Ränkespiele beherrscht. Als sich der damalige Vorsitzende der CDU-Landtagsfraktion, Christian Baldauf, vor eineinhalb Jahren aus dem Amt zurückzog, soll Brandl dabei eine nicht unwesentliche Rolle gespielt haben.

Doch egal ob als Landespolitiker, Kreistagsmitglied oder Wahlkämpfer: Brandl stellt fleißig Anfragen, ist stets gut informiert und bezieht gerne Stellung – zum Beispiel gegenüber der AfD. Dafür wird er bald viel Gelegenheit haben. Im neuen Kreistag hat die bisherige Koalition aus CDU, Grünen und Freien Wählern zwar eine komfortable Mehrheit. Doch die AfD ist bei der Wahl am Sonntag zur zweitgrößten Fraktion geworden.

Knapp die 50 Prozent geschafft

Während seiner Kandidatur hatte Brandl davon gesprochen, dass es Zeit für eine Zäsur im Kreis sei, ein „Weiter so“ solle es nicht geben – ein sanfter Versuch, etwas aus dem Schatten von Landrat Fritz Brechtel zu treten, der das Amt seit 2001 innehatte. Stichworte sind für Brandl zum Beispiel die Digitalisierung der Kreisverwaltung, der Umgang mit defizitären Haushalten der Gemeinden oder die Wirtschaftsförderung.

Als schließlich sechs Kandidaten zur Wahl standen, rechnete man mit einer Stichwahl, für die Brandl fest gesetzt war. Doch dann hat er auf den letzten Metern mit 24 Stimmen die absolute Mehrheit geholt. Gejubelt wurde auf dem Foto in den sozialen Medien in trauter CDU-Gesellschaft.

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