Rheinland-Pfalz
Umstrittene Spielmethode in Kitas: In Rheinland-Pfalz untersagt
Wenn fremde Erwachsene in Kindertagesstätten mit Kindern engen körperlichen Kontakt haben, schrillen bei Eltern die Alarmglocken. Sind die Befürchtungen berechtigt?
Die umstrittene therapeutische Spielmethode „Original Play“ findet nach Kenntnissen des Landesamtes für Soziales, Jugend und Versorgung in rheinland-pfälzischen Kindertagesstätten keine Verbreitung.„Ich habe bereits im Oktober veranlasst, in den Kitas darauf hinzuweisen, dass diese Methode in Rheinland-Pfalz nicht gewünscht und nicht geduldet wird“, teilte Landesamts-Präsident Detlef Placzek in Mainz mit.
Die Einrichtungen müssten ihre pädagogische Konzepte mit der Behörde abstimmen, weil sie Gegenstand des Betriebserlaubnis-Verfahrens seien. Es sei aber im Land kein Fall bekannt, in dem in einer rheinland-pfälzischen Kindertagesstätte „Original Play“ praktiziert werde.
In den USA entwickelt
Bei dem von dem US-Amerikaner Fred Donaldson entwickelten Pädagogikkonzept rangeln und raufen Kinder mit fremden Erwachsenen, es kommt zu engem Körperkontakt. „Original“, also „ursprünglich“, soll das sein. Eine internationale Stiftung bietet Trainings-Seminare an, die Interessenten diese Methode vermittelt. Erwachsene, die in „Original Play“ ausgebildet seien, behandelten Kinder immer mit vollem Respekt und unter Wahrung ihrer Integrität und ihrer Grenzen, heißt es bei der Stiftung.
Vorwürfe in zwei Kitas
Vor zwei Wochen hatte jedoch das ARD-Magazin „Kontraste“ über sexuelle Übergriffe im Zusammenhang mit „Original Play“ in zwei evangelischen Kitas in Hamburg und Berlin berichtet. Die Staatsanwaltschaft Hamburg hatte in diesem Zusammenhang wegen des Vorwurfs des schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern ermittelt. Das Verfahren sei aber eingestellt worden, weil sich kein hinreichender Tatverdacht ergeben habe, sagte gestern Behördensprecherin Liddy Oechtering. Ähnlich war es nach Medienberichten auch bei dem Fall in Berlin.
Kirchenvertreter und Pädagogen warnen
Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) und die Diakonie haben inzwischen offiziell davor gewarnt, „Original Play“ zu praktizieren, da es zu „Grenzüberschreitungen“ kommen könne. Die Bindungsforscherin und Psychologin Fabienne Becker-Stoll warnt ebenfalls vor dem Einsatz der umstrittenen therapeutischen Spielmethode. „Original Play“ sei „wissenschaftlich und entwicklungsbiologisch nicht fundiert“, sagte die Leiterin des bayerischen Staatsinstituts für Frühpädagogik der Wochenzeitung „Die Zeit“. Das Programm laufe „allen seelischen und physischen Grundbedürfnissen von Kindern zuwider“. Gesund entwickelte Kinder suchten keinen Körperkontakt mit Fremden, sagte Becker-Stoll der Zeitung. Kinder regulierten ihre Emotionen stattdessen innerhalb vertrauter Bindungsbeziehungen. Nur so könnten sie Sicherheit tanken.