Rheinland-Pfalz U-Ausschuss Missbrauchsverdacht Homburg: Opferanwältin gerät unter Beschuss
Mit der Beweisaufnahme hat am Montag der Untersuchungsausschuss des Saar-Landtags begonnen, der den Missbrauchsverdacht am Uniklinikum des Saarlands (UKS) in Homburg aufarbeiten soll. Einzige Zeugin an diesem Tag: Opferanwältin Claudia Willger. Die Anwälte der Klinikverantwortlichen nahmen sie unter Beschuss.
Die Stimmung im Untersuchungsausschuss war teilweise derart gereizt, dass die Vorsitzende Dagmar Heib (CDU) die Beteiligten mehrfach um Zurückhaltung bitten musste. Die Ermahnung ging an beide Seiten: an die Opferanwältin ebenso wie an die teils prominenten Rechtsvertreter der sogenannten Betroffenen, allesamt Klinikverantwortliche. Willger vertritt eigenen Angaben zufolge zwölf Kinder und deren Familien. Im April dieses Jahres sei eine Familie an sie herangetreten. Demnach sei deren Kind der Polizei zufolge potenzielles Opfer von Übergriffen eines Assistenzarztes der Jugendpsychiatrie des UKS.
Fälle aus HNO-Klinik sind noch nicht Gegenstand
Erst Wochen später haben auch andere Eltern durch das Klinikum und das ARD-Magazin „Monitor“ erfahren, was da offenbar in Homburg passiert war. Es geht um über 30 Fälle möglichen sexuellen Missbrauchs in der Zeit zwischen 2010 und 2014. Die neuerdings bekanntgewordenen Fälle aus 2012 und 2014 an der HNO-Klinik in Homburg sind noch nicht offiziell Gegenstand des Ausschusses. Als Betroffene stehen zurzeit vier Personen im Fokus des Ausschusses: der kaufmännische Direktor des Klinikums, die Justiziarin, der Leiter der Kinder- und Jugendpsychiatrie, gegen den auch ein Disziplinarverfahren läuft und der sein Amt zurzeit ruhen lässt, sowie eine Oberärztin aus der Jugendpsychiatrie. Sie alle würden in einem Strafprozess als Angeklagte gelten, in einem Untersuchungsausschuss gibt es diese Bezeichnung schon aus rechtlichen Gründen nicht. Der Ausschuss versucht zu klären, wie das Klinikum, aber auch die Staatsanwaltschaft mit Hinweisen auf Missbrauch an der Kinder- und Jugendpsychiatrie des UKS durch einen vor über drei Jahren verstorbenen Assistenzarzt umgegangen sind.
Anwältin: Fotos aus Patientenakten verschwunden
Keiner der vier betroffenen Klinikverantwortlichen war am Montag persönlich erschienen. Ihre Rechtsbeistände versuchten eine bisweilen emotional argumentierende Opferanwältin, die den Skandal in Homburg zusammen mit „Monitor“ ins Rollen gebracht hatte, in die Mangel zu nehmen. Die geriet entsprechend unter Druck und verlor mehr als einmal den Faden. Inhaltlich berichtete die 58-Jährige nichts Neues. Vielmehr erneuerte sie vor allem die Vorwürfe der Vertuschung gegen das Klinikum und gegen die Staatsanwaltschaft. Sie sprach von „chaotischen“ Verhältnissen und „massiven Schädigungen“ für die Kinder sowie einer „lebensfremden“ Staatsanwaltschaft und von verschwundenen Fotos aus den Patientenakten der Kinder. Die Aufnahmen sollen Geschlechtsteile zeigen.
Ausschuss hat noch lange nicht alle Akten
Die Rechtsanwälte, darunter der bekannte Strafverteidiger Guido Britz, der die Oberärztin vertritt, versuchten immer wieder handfeste Belege von Willger zu bekommen. Nicht immer konnte sie die präsentieren. Wie schwer die Arbeit des U-Ausschusses ist, zeigte sich auch an der Tatsache, dass dem Ausschuss noch die allermeisten der angeforderten Unterlagen fehlen. Unter anderem die der Staatsanwaltschaft. Jetzt wird über eine Fristsetzung diskutiert. Die Linken denken auch daran, das Verfassungsgericht anzurufen.