Rheinland-Pfalz
Tiere unterm Weihnachtsbaum: Das tun Pfälzer Tierheime dagegen
Viele Tierheime stoppen vor Weihnachten die Vermittlung an Privathaushalte, damit die Tiere nicht unter dem Weihnachtsbaum landen. Wir haben uns in der Pfalz umgehört, wie die hiesigen Heime es handhaben.
Tiere sind kein Weihnachtsgeschenk. Tierschutzorganisationen weisen jedes Jahr wieder darauf hin. Und jedes Jahr in der Zeit nach Weihnachten müssen Tierheime dann wieder Katzen, Hunde und andere Lebewesen aufnehmen, weil die Beschenkten überfordert, gelangweilt oder desinteressiert sind.
Die Tierheime in Frankenthal, Landau und Ludwigshafen haben ähnliche Erfahrungen gemacht. Deshalb vermitteln sie grundsätzlich vor Weihnachten keine Tiere an Privathaushalte. „Die Tiere können bis kurz vor Weihnachten besucht und reserviert werden, ziehen aber erst im neuen Jahr in ihr Zuhause“, erklärt Simone Jurijiw vom Tierschutzverein Frankenthal. Das führe leider auch dazu, dass manche Leute auf Zoohandlungen und Internetplattformen auswichen, um an das gewünschte Haustier zu kommen. „Genau diese Tiere landen dann kurze Zeit später im Tierheim“, sagt Jurijiw. Ähnlich ist es in den Tierheimen in Landau und Ludwigshafen. Auch hier endet die Vermittlung Mitte Dezember, damit unerwünschte Lebendgeschenke nach Weihnachten nicht einfach zurückgegeben werden.
Unüberlegte Anschaffungen als ganzjähriges Problem
Beim Tierschutzverein Zweibrücken gibt es in der Weihnachtszeit keinen grundsätzlichen Vermittlungsstopp. Dennoch werde genau geprüft „ob das Tier als Geschenk ausgewählt wird oder als echtes Familienmitglied. Tiere als Geschenke vermitteln wir nicht“, erklärt Nadine Bender, Vorsitzende des Zweibrücker Tierschutzvereins. Die Eingewöhnungsphase wäre während der Weihnachtszeit jedoch gut zu regeln, da Viele Urlaub hätten und sich um den Neuankömmling kümmern könnten - sofern nicht die ganze Großfamilie komme und das Tier zu viel Stress ausgesetzt sei. Die unüberlegten Anschaffungen von Haustieren seien außerdem kein Weihnachtsproblem, sondern ein ganzjähriges Dilemma.
Ähnlich sieht es Werner Bösel vom Tierheim Neustadt: „Wir haben keinen Vermittlungsstopp, da das für uns als kleines Tierheim keine Relevanz hat. Die wenigsten Interessenten kommen vor Weihnachten zu uns. Falls doch, fragen wir intensiv nach, da auch wir keine Haustiere als Geschenke vermitteln. Bei uns ist es aber noch nie vorgekommen, dass Tiere vor Weihnachten vermittelt und im neuen Jahr wieder bei uns abgegeben wurden. Wir sehen uns die individuelle Situation genau an.“
Unpassende Tier-Geschenke nicht nur zu Weihnachten
Das ist auch die Regel beim Kaiserslauterer Tierheim, das keinen Vermittlungsstopp hat. Allerdings sagt Vereinschefin Anne Knauber auch: „Bei den Hunden haben wir nicht so das Gängige, was unter den Weihnachtsbaum passt. Da werden ja eher niedliche Tiere gesucht. Wir haben mehr schwierige Hunde mit Beißvorgeschichte.“ Zudem werde bei Hunden eine Vorkontrolle gemacht. „Ad-Hoc-Vermittlung gibt’s bei uns eh nicht.“ Auch bei Katzen habe man ein Auge auf das künftige Zuhause.
Lisa Neisius, die Leiterin des Pirmasenser Tierheims, hat ebenfalls andere Mechanismen zur Prüfung des künftigen Heims – ein genereller Vermittlungsstopp vor Weihnachten gehört nicht dazu. In Pirmasens sei es generell nicht möglich, ein Tier beim ersten Besuch mitzunehmen. Auf diese Weise vergingen immer mindestens drei Tage zwischen dem ersten persönlichen Kontakt und dem Einzug ins neue Heim. Eine Selbstauskunft ist außerdem das ganze Jahr über Standard, so Neisius, die darauf hinweist, dass Tiere nicht nur zu Weihnachten verschenkt werden: „Das Tier könnte ja zum Beispiel auch zum Geburtstagsgeschenk werden, eine Überraschung für Freunde oder ähnliches, und würde das ganze Jahr über Gefahr laufen, zum nicht gewollten Geschenk zu werden.“