Rheinland-Pfalz Tarnen und Täuschen

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Seit Jahr und Tag passiere ich auf der Fahrt mit dem Auto zu meinen Arbeitsplatz in Ludwigshafen einen einsamen Glascontainer. Auch wenn ich ihn noch nie mit Leergut gefüttert habe, so ist er mir durch unsere werktäglichen Begegnungen doch wohlvertraut. Deshalb bemerkte ich es auch sofort, dass der Behälter seit Anfang dieser Woche Gesellschaft bekommen hat. Und zwar von einem weißen Anhänger mit einem dunkel getönten gläsernen Sehschlitz. Im Unterschied zu meinem mir ans Herz gewachsenen Glascontainer scheint es sich bei dessen neuen Kumpel um einen schüchternen Zeitgenossen zu handeln: Während der Container mit seiner kantigen Gestalt schon von weitem an der dort kerzengeraden Frankenthaler Straße auszumachen ist, lugt der Anhänger nur ein bisschen hinter dem Platzhirschen hervor. Eilige Beobachter werden ihn deshalb erst im letzten Moment bemerken. Wenn es nämlich „klack“ gemacht hat, wenn also der Anhänger das Tempo eines pflichtvergessenen Verkehrsteilnehmers gemessen und durch seinen Sehschlitz ein Foto des hurtigen Fahrers geschossen hat. Der Anhänger ist nämlich in Wahrheit nicht bloß irgendein Anhänger, sondern ein mobiler Tempo-Blitzer. Und sein wahres Ich soll möglichst lange unbemerkt bleiben, damit der böse Raser nicht durch einen kräftigen Tritt auf die Bremse den Kontrollerfolg schmälern kann. Tarnen und auch ein bisschen Täuschen gehören deshalb zu seinem Charakter. Im Nachhinein umso erstaunlicher ist es, wenn nicht minder viele Blitzer in einer Weise postiert werden, dass sie kaum zu übersehen sind. Das gilt beispielsweise für die säulenförmigen Raserjäger an der Ludwigshafener Pylonbrücke oder vor der BASF. Und trotz ihrer Sichtbarkeit sollen sie bei ihrer Arbeit recht erfolgreich sein: Die Autos fahren dort langsamer. Solche deshalb kaum noch als „Radarfallen“ zu bezeichnenden Anlagen haben sich nun einige Dudenhofener zum Vorbild genommen. Weil es ihrer Meinung nach zu viele Autofahrer am Ortsausgang in Richtung Römerberg mit dem vorgeschriebenen Tempo 50 nicht so genau nehmen, haben sie zur Selbsthilfe gegriffen: Seit Mitte Juli erhebt sich dort auf einem Privatgrundstück mahnend eine Säule, von der für rasante Fahrer Unheil auszugehen scheint. Doch weit gefehlt. Es handelt sich dabei nur um eine Attrappe, die den mit behördlichem Segen aufgestellten Säulen lediglich zum Verwechseln ähnlich sieht. Das ist aber noch nicht alles: Die Attrappe kann nämlich auch einen Beitrag zum Artenschutz leisten. Schließlich ist am Kopfende der Säule eine Öffnung angebracht, damit unsere gefiederten Freunde sie als Vogelhäuschen nutzen können. Die früher verbreitete Bezeichnung vom „Starenkasten“, der bekanntlich ein Auge auf Rotlichtsünder hatte, bekommt so eine ganz neue Bedeutung. Doch muss es nicht immer eine Säule sein, mit der findige Bürger den Automobilisten die Freude am rasanten Fahren trüben können. Junge Männer aus dem Eifel-Weiler Oberöfflingen haben im vergangenen Jahr aus ein paar Brettern, roter Folie und CD-Scheiben zwei weiße Anhänger-Attrappen gebastelt und sie dann an den beiden Ortseingängen aufgestellt. Wobei die silbernen Compact Discs hinter der roten Folie Kameraobjektive vortäuschen sollten. Längst ist Oberöfflingen wieder blitzerattrappenfreie Zone, wie Christoph Thul, einer der beiden „Erfinder“ berichtet: Die Kisten waren eigentlich nur für die Hexennacht gedacht, litten aufgrund ihrer Leichtbauweise bald unter Wind und Wetter. Eine wurde deshalb rasch ausgemustert, eine andere gegen eine Kiste Pfälzer Wein eingetauscht. Hatte doch der damalige Ellerstadter Bürgermeister Helmut Rentz in der RHEINPFALZ von der Oberöfflinger Trickkiste erfahren und wollte unbedingt auch so einen Temposünder-Schreck haben. Doch nicht jeder fand den Pseudo-Blitzer lustig, musste Rentz feststellen: Schon nach wenigen Tagen war der abwechselnd an den Ellerstadter Ortseingängen aufgestellte Anti-Raser-Import zerdeppert. Ein ähnliches Schicksal ereilte nach wenigen Tagen auch einen weiteren Attrappen-Anhänger. Möge der Dudenhofener Säule ein längeres Leben beschieden sein. Schon wegen der wohnungssuchenden Piepmätze. | Jürgen Müller

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