Rheinland-Pfalz „Suche alte Rose, biete jungen Bärlauch“
«Johanniskreuz». Einmal gepflanzt, ein bisschen gepäppelt, schon wachsen Blumen, Kraut, Staude und Co. munter vor sich hin. Pfälzer Gärten haben es da echt in sich. Jedenfalls wenn der Garten den Namen verdient: Wenn sich die Erde noch nach Boden anfühlt und nicht steinig klimpert; und wenn da wächst, was der Botaniker als eine einheimische Pflanze ansieht – ein echtes Pfälzer Kraut halt. Ist das so, dann weiß der Hobbygärtner: Er muss auch mal Einhalt gebieten, ausputzen, teilen und das Grünzeug vielleicht zum Nachbarn tragen. Ein leicht angeschmutztes erdiges Töpfchen als Geschenk, ist doch ein nettes Stück Pfälzer Gartenkultur! „Was aus der Erde muss und Wurzeln hat, das kann ich doch nicht wegwerfen.“ Für Astrid Kempf aus Clausen (Südwestpfalz) ist es gar keine Frage, was mit den ausgeputzten Jungpflanzen und Ablegern, mit den Irispflänzchen, den üppigen Frühjahrsblühern oder auch den Beeren-Obststecklingen aus ihrem Garten wird. Erst werden Freunde versorgt. Aber weil sie einen großen Garten mit viel Wachstumspotenzial hat, ist sie auch eine überzeugte „Börsianerin“, war von Anfang an bei der Pflanzentauschbörse in Johanniskreuz dabei. Als „Small-Talk über den Gartenzaun“ schätzt sie die interessanten Gespräche, die sich mit Erde an den Fingern am besten entwickeln. Die erste Börse hat Michael Leschnig, der Leiter im Haus der Nachhaltigkeit, im Jahr 2014 angestoßen, wollte dem sich breitmachenden Trend der „versteinerten“ Gärten etwas entgegensetzen. „Es ging mir darum, die Leute zu animieren, sich wieder mehr mit ihren Gärten zu beschäftigen, bewusst zu machen, dass jeder etwas für Insektenschutz tun kann“, das war Leschnigs Grundgedanke und der steht noch heute hinter der Börse. Anfangs waren es zehn Teilnehmer, jetzt über 30. So viele haben ihr Kommen für diesen Sonntag samt einem breiten Sortiment aus den Gärten der ganzen Pfalz bereits angekündigt. Auch Alexandra Dülm aus Mehlingen (Kreis Kaiserslautern) hat sich wieder angemeldet. Seit es die Börse gibt, ist sie dabei, baut ihren Tisch auf, packt Ableger und Nachkömmlinge aus ihrem Bauerngarten drauf. „Das sind alles etablierte heimische Sorten, die hier gut wachsen“, weiß sie genau, warum sie immer wieder die Pflanzen teilend Hand im Garten anlegen muss. Für sie ist das Weiterleben ihrer Pflanzen, die dann an anderen Standorten den Insekten Nahrung bieten, das eine. Aber auch sie freut sich auf die Gespräche, den Erfahrungsaustausch mit anderen Börsianern und mit dem Publikum. Und es sind die Besuche von Familien, die für sie so eine Veranstaltung zu etwas Besonderem machen. „Wenn die Kinder dann die vorbereiteten Töpfe, meist was kleines Blühendes wie Vergissmeinnicht oder Walderdbeeren, mit strahlenden Augen mitnehmen, dann ist das schon schön“, erzählt Dülm aus der Erfahrung der vergangenen Jahre. Hoher Staudenphlox, Funkien, Staudensonnenblumen, Elfenblumen, Strauchmalven, Herbstastern, Bärlauch, Waldmeister, Kapuzinerkresse, Tabak, Mondviolen oder Nachtviolen wird sie diesmal aus Mehlingen via Börse in andere Gärten entsenden. Zumindest will sie all diese Pflanzen und noch ein paar mehr am Sonntag ans Haus der Nachhaltigkeit mitbringen. Annette Klinck, Apothekerin aus Kaiserslautern, wird, wie auch schon auf den Börsen in den Vorjahren, vor allem mit viel Zeit nach Johanniskreuz fahren. Für naturnahe Gärten und das Pflanzen einheimischer Gehölze werben, ist ihr Anliegen. „Ohne einheimische Wildsträucher fehlt unseren Insekten das Futter“, plädiert die Apothekerin für mehr Natur im Garten und für weniger Steine, aber auch weniger Bambus, Thuja oder Forsythien: „Wo sollen die Insekten in all den tot gepflegten Gärten Pollen und Nektar finden?“ Klinck will sich auf der Pflanzentauschbörse für das Pflanzen von Kornelkirschen einsetzen. Setzlinge, vom Veranstalter bereitgestellt, können bei ihr gegen eine kleine Spende mitgenommen werden. Rezepte, was aus den Früchten Leckeres werden kann, hat sie auch dabei. Nun ist es nicht so, dass die Pflanzentauschbörsianer in Johanniskreuz nur neue Gärten für ihre eigenen Pflanzen oder das fachsimpelnde Schwätzchen suchen. Sie sind schon auch auf der Suche nach dem Besonderen, nach alten Sorten, die es sonst kaum noch zu finden gibt, außer vielleicht auf der Tauschbörse – dann wird zugeschlagen. Dafür findet sich dann im Garten immer noch eine Ecke oder zwei oder drei. Info —„Nutzen statt Entsorgen – Gartenpflanzen finden neues Zuhause“: Unter diesem Motto werden am Sonntag, 14. April, von 10 bis 17 Uhr am Haus der Nachhaltigkeit in Johanniskreuz überschüssige Setzlinge, Ableger, Saatgut von Zier- und Nutzpflanzen oder Gehölze untereinander verschenkt, getauscht oder gegen kleines Geld abgegeben. Jeder kann kostenlos teilnehmen. Eventuell Tisch, Stuhl und Sonnenschirm mitbringen. Und jeder kann kommen, auch ohne Pflanzen mitzubringen. Info: www.hdn-pfalz.de —In einer Sonderaktion können Setzlinge der Kornelkirsche gegen eine Spende erworben werden. Mit den Einnahmen finanziert das Haus der Nachhaltigkeit Winterlinden, die als „Klimalinden“ gezielt an Dörfer im Pfälzerwald abgegeben werden.