Rheinland-Pfalz Stimmungstrend spricht für Amtsinhaber

KAISERSLAUTERN

. Oberbürgermeister Klaus Weichel (SPD) geht als Favorit in die OB-Wahl. Viele sehen ihn bereits in der zweiten Amtszeit und damit als ersten Rathauschef in Kaiserslautern nach dem Zweiten Weltkrieg, der im Amt wiedergewählt wird. Gestützt werden diese Einschätzungen durch zwei repräsentative Meinungsumfragen, die die RHEINPFALZ im Vorfeld der OB-Wahl in Auftrag gegeben hatte. Sie zeigen einen deutlichen Stimmungstrend zugunsten des Amtsinhabers, der seit dem 1. September 2007 an der Spitze der Stadt steht. Ende Oktober entschieden sich dabei 61 Prozent für den 59-Jährigen, Ende November sogar 63 Prozent. In der Tat: Die Bedingungen, dass er als Rathauschef wiedergewählt werden könnte, scheinen günstig. Die SPD, die Partei, die ihn als Kandidat trägt, hat als stärkste Fraktion die Kommunalwahl im Mai gewonnen. Und die jüngsten Umfragewerte sehen sie weiter auf hohem Niveau vorn. In den Umfragen offenbart sich eine hohe Unterstützung für den Amtsinhaber in der eigenen Wählerschaft. Es zeigt sich aber auch, dass Weichel bei den Wählern anderer politischer Gruppierungen Stimmen für sich sammeln kann. Hinzu kommt, dass es derzeit keine ausgeprägte Wechselstimmung gibt. Anders als 2007, als Weichel als damaliger Präsident der SGD Süd den damaligen CDU-Oberbürgermeister Bernhard Deubig stürzte. Weichel profitiert auch davon, dass seine beiden Herausforderer nicht die politischen Schwergewichte sind, die allein vom Namen und Ruf her geeignet sind, seine Karriere an der Spitze der Stadt zu beenden. Die CDU hat nach einer Diskussion darüber, ob sie überhaupt einen Bewerber stellen soll, und einer schwierigen Kandidatensuche mit dem 37-jährigen Juristen Nico Welsch einen politischen Neuling ins kalte Wasser gestoßen. Er war erst bei der Kommunalwahl dieses Jahr in den Stadtrat eingezogen. Er galt als CDU-Hoffnung für die Zukunft. Gehandelt wurde er als Kandidat für den Stadtvorstand, sollte die CDU, derzeit nicht in der Stadtregierung, dorthin wieder zurückkehren. Die FDP hat mit dem 43-jährigen Betriebswirt Achim Bertram, einem Import aus dem Donnersbergkreis, eine strategische Kandidatur aufgesetzt. Im Wissen, dass ihr Bewerber keine Chance besitzt, OB zu werden, im Glauben aber, über die Kandidatur FDP-Politik vermarkten zu können. Welsch und Bertram mussten sich erst einmal im Wahlkampf bekanntmachen, im Gegensatz zu Weichel. Der CDU-Kandidat überschwemmte dabei die Stadt mit einer Plakatwelle, zuletzt mit einem Plakat in Westpfälzisch: „Wähl’sch de Welsch!“ Weichel setzte im Wahlkampf auf Erfahrung und Engagement an der Spitze der Stadt. Versuchte, mit seinen Erfolgen in der Stadtpolitik zu punkten, wie die Fertigstellung des Stiftsplatz-Hotels, die Sicherung der Gartenschau, die Fusion von Gasanstalt und TWK zu einem starken Energieversorger, die Ansiedlung von Unternehmen, die Schaffung von neuen Gewerbe- und Industriegebieten, die Entscheidung für die Shopping-Mall in der Stadtmitte, die Ansiedlung von Ikea. Pünktlich zur Wahl besiegelte er diese Woche notariell den Erwerb des früheren Pfaff-Geländes zum symbolischen Preis von einem Euro, das mit höchster Unterstützung des Landes zu einem neuen attraktiven Standort in Kaiserslautern werden soll. Welsch verkaufte sich im Wahlkampf als Bewerber, der unter dem Motto „Klare Linie“ frischen Wind in die Stadtpolitik bringen will. Sauberkeit und Sicherheit waren ein großes Thema für ihn, genauso wie auch eine aktivere Wirtschaftspolitik oder eine effiziente öffentliche Verwaltung. Bertram, der im Wahlkampf mit einer Bertram-Blüte am Revers, einer Heil- und Gewürzpflanze selben Namens Aufmerksamkeit suchte, gab die programmatische Losung „Lautern verdient Zukunft“ aus. Kaiserslautern erlebte einen unspektakulären und kurzen Wahlkampf. Weichel hatte sich für den frühestmöglichen Wahltermin entschieden, nicht nur um die Grundlage für die im März stattfindende Neuwahl des kompletten Stadtvorstands zu schaffen, sondern auch, um seinen Konkurrenten wenig Zeit zu lassen, sich beim Wählervolk bekanntzumachen. Facebook wurde zu einer bedeutenden Wahlkampf-Bühne. Der Amtsinhaber postete wie ein Weltmeister von den Veranstaltungen, die er besuchte. Welsch tat es auch, betrieb es − bewusst, wie er sagte − aber nicht ganz so inflationär. Weichel wurde seinem Anspruch, Wahlkampf wie ein Herausforderer zu machen, voll gerecht. Mit einem an seinen privaten Fiat 500 angehängten Wohnwagen tourte er durch die Stadt. Die Sorge, seine Wähler könnten nicht zur Urne gehen, weil sie glaubten, das Rennen sei für ihn bereits entschieden, trieb ihn um. Die Hoffnung auf einen Überraschungscoup ließ Welsch im Wahlkampf wirbeln. Im Endspurt verschickte er knapp 20.000 Seniorenbriefe. Seine Frau Nina gratulierte ihm zum 37. Geburtstag diese Woche mit einer beziehungsreichen Karte. Sie zeigt einen Steppke als Senkrechtstarter mit Raketenantrieb und der Aufschrift: „Alle sagten: Das geht nicht! Dann kam einer, der das nicht wusste und hat’s einfach gemacht“.

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