Rheinland-Pfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Starkregen: Was passiert am eigenen Haus?

Was passiert mit dem eigenen Haus, wenn Sturzfluten niedergehen? Umweltministerin Katrin Eder stellt die Simulation „Hydrozwilli
Was passiert mit dem eigenen Haus, wenn Sturzfluten niedergehen? Umweltministerin Katrin Eder stellt die Simulation »Hydrozwilling« vor.

Umweltministerin Kartin Eder (Grüne) schaltet Nutzung für Jedermann frei und hofft auf größeres Bewusstsein für die Gefahren.

Wer wissen will, wie sehr das eigene Haus gefährdet ist, wenn eine Sturzflut niedergeht und in kurzer Zeit große Regenmengen fallen, kann sich das seit Donnerstag am heimischen Computer in einer 3-D-Simulation anschauen. Umweltministerin Katrin Eder (Grüne) schaltete den „Hydrozwilling“, der bislang nur für Kommunen und Behörden nutzbar war, für alle Interessierten frei.

Topografie und Bebauung ist hinterlegt

Sobald die Simulation startet und der virtuelle Regen fällt, lässt sich an der Hochwassermarke ablesen, wie hoch das Wasser steigen kann. Deutlich wird auch, aus welchen Richtungen das Wasser zusammenläuft. Denn die topografischen Gegebenheiten und die Bebauung sind in den Daten des Hydrozwillings hinterlegt.

Durch die 3-D-Simulation erkennen die Bewohnerinnen und Bewohner, was in ihrem Haus oder ihrer Wohnung gefährdet ist. Sie wissen, wo es Kellerfenster gibt und wo ihre Waschmaschine steht, die vielleicht betroffen sein kann, sagte Eder. Färbt sich das Hausdach in der Simulation rot, dann droht Wasser einzudringen.

Vom Aktenordner auf den Bildschirm

Da mit dem Klimawandel die Gefahr von Extremwetterereignissen wie Starkregen steigt, müssen die Menschen nach den Worten der Ministerin ein Bewusstsein für die Risiken entwickeln. Und sie müssen Vorsorge treffen. Mit dem Hydrozwilling werde „Hochwasserschutz vom Aktenordner auf den Bildschirm gebracht“. Das soll auch gegen die sogenannte Hochwasserdemenz helfen.

Wer als Laie auf die vom Landesamt für Umwelt betriebene Adresse hydrozwilling.rlp.de geht, erhält eine Anleitung, wie das Programm zu bedienen ist. Nötig ist ein Laptop oder PC, auf mobilen Geräten läuft die Simulation in der Regel nicht, heißt es aus dem Umweltministerium. Wer ungeduldig ist und nach der Eingabe der Adresse auf die „Enter“-Taste drückt, wird keinen Erfolg haben. Wenn der Straßenname im Suchfeld steht, werden passende Städte oder Gemeinden angezeigt. Dann lässt sich die Adresse anklicken und ein Gebäude auswählen. Alles dauert ein wenig, es muss im Hintergrund viel gerechnet werden. Das Landesamt für Umwelt sammelt noch Rückmeldungen, um die Funktion zu verbessern.

Risiko-Check ab Sommer geplant

Im Sommer soll es eine weitere Anwendung des Hydrozwillings geben, dann ermöglicht er Bewohnern online einen Risiko-Check, der ebenso wie die bisherige Anwendung kostenlos sein wird. Gegen Ende des Jahres soll es dann auch die Möglichkeit geben, ein Flusshochwasser in 3D zu simulieren und dies mit einer Sturzflut übereinander zu legen. Aber nicht alle Risiken können abgebildet werden. Denn parkende Autos oder gar Wohnmobile, die im Fall eines Hochwassers die Gefahr noch einmal erhöhen, sind in dem Modell nicht vorhanden.

Seit Dezember 2025 können Kommunen bereits mit dem Hydrozwilling arbeiten. Erkennen sie beispielsweise, dass wichtige Straßen bei einer Sturzflut auch für Rettungskräfte nicht mehr passierbar sind, müssen sie möglicherweise das Kanalnetz anpassen. Sie sind es auch, die bauliche Veränderungen in der Kommune einpflegen müssen. Für die Kommunen sind die Anwendungen deutlich differenzierter als für Privatpersonen. Deshalb werden für sie auch Schulungen angeboten, die nach Eders Worten stark nachgefragt sind. Ein eigener Zugang für Feuerwehrleute und andere Katastrophenschutzhelfende wird noch eingerichtet.

Acht Millionen Euro investiert

Über einen Zeitraum von sechs Jahren investiert das Ministerium acht Millionen Euro in diese moderne Form des Hochwasserschutzes. Davon fließen rund drei Millionen in die Hard- und Software des Hydrozwillings, den ein Unternehmen aus Wien entwickelt. Der Rest ist laut Ministerium für die Vermessung zur Verbesserung der Datenlage nötig.

Der Hydrozwilling ist eine Reaktion des Landes auf die Flutkatastrophe im Ahrtal und in der Eifel im Juli 2021.

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