Rheinland-Pfalz
Semesterbeginn: Mangel an günstigen WG-Zimmern in Uni-Städten
Günstige Wohnungen sind in den Universitätsstädten rar gesät. Viele Studenten sind mit Beginn des Wintersemesters noch ohne feste Bleibe. Jonathan hatte Glück. Der 20-jährige Neustadter hat in Landau ein bezahlbares WG-Zimmer gefunden. Was ihm so als Unterkunft angeboten wurde, war teilweise überteuert. Auch in der Pfalz mangelt es an Wohnheimplätzen.
LANDAU/KAISERSLAUTERN. Für Jonathan war es wichtig, in Landau ein Zimmer in der Nähe der Uni zu ergattern. Von den sechs Wohnungen, die er sich angesehen hat, fand er die meisten ganz in Ordnung. Bis auf eine neun Quadratmeter große „Besenkammer“, die zwei Studenten an den Mann oder die Frau bringen wollten. Zwischen 300 und 400 Euro Monatsmiete seien gefordert worden, erzählt der Lehramtsstudent. Er wohnt jetzt in einer ehemaligen Fabrik. Und zwar in einer Zehner-WG, verteilt auf zwei Stockwerke. „Mein Zimmer ist groß, gut geschnitten und kostet 320 Euro“, sagt er. „Ich bin begeistert.“
Landau: Angespannte Lage
So viel Glück wie Jonathan haben im ersten Semester nur wenige Studierende. Viele bekommen erst ein passables Zimmer, wenn sie in der Unistadt Kontakte geknüpft haben. Auch in Landau ist die Situation angespannt. Mit 381 Wohnheimplätzen für 8600 Studenten sei die Stadt unterdurchschnittlich versorgt, sagt Thomas Mosthaf vom Studierendenwerk Vorderpfalz. „Bei uns findet nur jeder fünfte Bewerber einen Platz.“
Einfache möblierte Wohnungen
Sieben Wohnheime gibt es in Landau, ausgestattet sind sie unterschiedlich. Laut Mosthaf ist ein Gebäude erst vier Jahre alt, andere Bauten sind aus den 1970-er und 80-er Jahren. „Es handelt sich um einfache möblierte Wohnungen mit Internet“, so Mosthaf. Geplant sei ein neues Wohnheim mit 200 Plätzen. Weiterer billiger Baugrund werde benötigt, um mehr Zimmer sozialverträglich an Studenten vermieten zu können.
Wie das Moses Mendelssohn Institut (MMI), ein Berliner Forschungsinstitut, in seinem aktuellen Hochschulstädte-Scoring feststellt, sind auf dem privaten Landauer Wohnungsmarkt die Durchschnitts-Preise für ein WG-Zimmer seit 2013 von 300 auf 354 Euro Monatsmiete gestiegen. Jedes Jahr gehen rund 350 junge Leute in der Stadt neu auf Zimmersuche. Das MMI stützt sich bei seinen Untersuchungen vor allem auf das bundesweite Internetportal „WG gesucht“.
Kaiserslautern: Bezahlbare Miete
Günstig wohnen können Studenten noch in Kaiserslautern. Dort lag 2013 der durchschnittliche Preis für ein privates WG-Zimmer bei 280 Euro. 2019 müssen laut MMI rund 290 Euro bezahlt werden. 11,9 Prozent der Kaiserslauterer Studenten haben einen subventionierten Wohnheimplatz. Nach Kaiserslautern zieht es jedes Jahr über 770 Studierende. Rund 17.000 junge Leute sind dort derzeit eingeschrieben.
In Kaiserslautern gibt es 20 Wohnheime. Zur Zeit seien alle Plätze belegt, so Sigrid Henkel vom Studierendenwerk. Es gebe zwar eine Warteliste, doch diese sei nicht aussagekräftig: „Die meisten Bewerber finden im Laufe des Semesters entweder einen Wohnheimplatz oder ein Zimmer auf dem privaten Wohnungsmarkt.“ Die Wohnheime sind zum Teil Altbauten. Es gibt aber auch neuere Gebäude aus den Jahren 2006 und 2009. Regelmäßig werde saniert und modernisiert. Derzeit sind keine weiteren Wohnheime geplant, doch das Studierendenwerk wünscht sich im Stadtbereich Kaiserslautern 150 zusätzliche Plätze mit bezahlbaren Mieten.
Mainz: Wohnraum extrem teuer
Die teuerste rheinland-pfälzische Unistadt ist Mainz. Der studentische Wohnungsmarkt ist dort äußerst angespannt. Laut MMI sind die Mietpreise für ein privates WG-Zimmer inzwischen auf 400 Euro geklettert. Auch das überdurchschnittliche Angebot an Wohnheimplätzen entlastet bei rund 40.000 Studenten kaum. Vor allem im Wintersemester wird es jedes Mal eng, weil die Nachfrage unter den Studienanfängern groß ist. Das Studierendenwerk verfügt nach eigenen Angaben über neun Wohnheime mit rund 4200 Plätzen. Die Wohnformen sind unterschiedlich. „Für das Wintersemester hatten wir rund 500 freie Plätze“, so Thomas Kohn-Ade vom Studierendenwerk Mainz. „Auf jeden Platz kamen zwei Bewerber. 300 stehen noch auf der Warteliste.“ Der Preis für ein durchschnittliches WG-Zimmer auf dem privaten Wohnungsmarkt sei mit über 420 Euro wahnsinnig teuer, kritisiert Kohn-Ade. Auch die 351 Euro, die ein Wohnheimplatz durchschnittlich koste, seien zu hoch. Zumal die Bafög-Wohnpauschale nur bei 325 Euro liege.
Bayern macht es besser
„Für den Standort Mainz besteht die konkrete Aufgabe, Studenten bezahlbar unterzubringen“, sagt Kohn-Ade. Die Landesregierung tue hier nicht genug. In Rheinland-Pfalz sei die Förderung für Wohnheime im bundesweiten Vergleich sehr niedrig. „München ist ein teures Pflaster, aber die Landesregierung fördert studentischen Wohnraum nachhaltig, so dass Wohnheimplätze dort sehr günstig, teils schon für 218 Euro, angeboten werden“, sagt Kohn-Ade. 32.000 Euro pro Appartement gibt es in Bayern, wenn ein Studentenwohnheim gebaut und Kaltmieten von 200 Euro pro Platz garantiert werden.
Mannheim: Wohnen für Hilfe
Mannheim sind die Wohnheimpreise im Vergleich zu den Privatzimmern noch erschwinglich. „Durchschnittlich 283 Euro bezahlen die Studenten inklusive Nebenkosten“, sagt Josua Gassen vom Mannheimer Studierendenwerk. In 17 Wohnanlagen stehen 2926 subventionierte Plätze zur Verfügung. Die Angebote auf dem privaten Wohnungsmarkt sind für die über 27.000 eingeschriebenen Studenten überschaubar. 2013 zahlten sie laut MMI noch rund 310 Euro für ein WG-Zimmer, heute sind es 380 Euro. Jedes Jahr suchen über 3400 junge Leute eine bezahlbare Unterkunft in der Stadt. Wie Pressesprecherin Astrid Bischofsberger sagt, lagen Ende August schon 2400 Bewerbungen um einen Wohnheimplatz vor. 1740 Verträge wurden ausgestellt. Hilfe verspricht sich Mannheim von dem Projekt „Wohnen für Hilfe“. Hier sollen laut Gassen zum Beispiel Senioren Wohnraum zu einem günstigen Mietsatz zur Verfügung stellen. Im Gegenzug werden sie von den Studenten im Haushalt oder bei der Gartenarbeit unterstützt. „Die Bedingungen werden vertraglich festgelegt.“
Auch Ludwigshafen ist teuer
Der angespannte Wohnungsmarkt schwappt auch hinüber nach Ludwigshafen. Nach Auskunft des Allgemeinen Studierenden Ausschusses (Asta) ist es leicht, in der Chemiestadt ein WG-Zimmer zu finden. Berappt werden müssten allerdings bis zu 400 Euro monatlich, genau wie im benachbarten Mannheim. Das Studierendenwerk Vorderpfalz hat in Ludwigshafen ein Wohnheim.
Karlsruhe: Um Vermieter werben
Ein Blick nach Baden-Württemberg zeigt, dass dort einiges getan wird, um die Wohnungsnot zu lindern. In Karlsruhe stehen für über 40.000 Studenten 20 Wohnheime mit etwa 4400 Plätzen zur Verfügung. „Da diese Quote nicht ausreicht, starten wir jedes Jahr eine Werbekampagne für die Zimmervermittlung“, sagt René Stephan vom Studierendenwerk.
Erfolgreiche Aktion
Die Aktionen reichten vom Info-Pavillon bis zum Camp vor dem Karlsruher Schloss. Diesmal sei es mit einem Schulbus auf Märkten und Plätzen unter dem Motto „Dach gesucht“ gelungen, innerhalb von zwei Wochen 500 zusätzliche Privatzimmer zu akquirieren. Laut Stephan war die Lage schon prekärer. In Karlsruhe entsteht am Campus Ost ein neues Wohnheim mit über 250 Plätzen.
Unterschiedliche Ansprüche
Die vorhandenen Häuser seien unterschiedlich, manche mit wenigen Zimmern, andere mit mehreren hundert Plätzen, so Stephan. Es gebe Appartements mit Küche und Bad, aber auch Zimmer mit Waschbecken und Gemeinschaftsbad. „Mir hat das Bad auf dem Flur als Student nichts ausgemacht“, erzählt er. Solche Wohnheime hätten oft andere Vorteile wie Fitnessräume, Werkstätten, Musikzimmer oder tolle Gruppenräume mit Theke und Disco. Die Miete für ein privates WG-Zimmer ist in Karlsruhe laut MMI von 320 Euro im Jahr 2013 auf 387 Euro gestiegen. Über 3700 junge Erwachsene kommen jedes Jahr neu in die Stadt.
Zu