Rheinland-Pfalz Schulstart mit Corona: Wieder zurück und doch ist alles anders
Nach sechswöchiger Schließung öffnen am Montag die ersten Schulen: zunächst nur für die Abschlussklassen an den Berufsschulen und den G8-Gymnasien. In Rheinland-Pfalz betrifft das mit 35.000 Personen rund sieben Prozent aller Schüler, in der Pfalz rund 18.000 Personen (neun Prozent). Auch Abiturprüfungen werden nächste Woche geschrieben – unter noch nie dagewesenen Hygieneauflagen und ohne Umarmung.
Für den Schulbetrieb gilt ein Hygieneplan Corona. Wie sieht der aus?
Er umfasst die allgemeinen Hygiene- und Abstandsregeln (mindestens 1,50 Meter) mit häufigem Händewaschen, alternativ Händedesinfektion. Türklinken und Lichtschalter sollen möglichst mit dem Ellenbogen angefasst werden. Dort muss auch verstärkt geputzt werden. Für die Versorgung der Schulen sind die Kommunen als Schulträger zuständig. Nicht überall klappte dies offenbar reibungslos. In einer Berufsbildendenden Schule in Ludwigshafen hat der Schulleiter im Baumarkt eingekauft und im Schullabor hergestelltes Desinfektionsmittel abgefüllt.
Gilt Maskenpflicht?
Maskenpflicht besteht in öffentlichen Verkehrsmitteln, im Unterricht nicht. In den Pausen rät die Schulaufsicht zum Tragen der Maske, ebenso im Schulbus. Jede Schülerin und jeder Schüler erhält vom Land eine wiederverwendbare Maske, so hat es Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) versprochen. Darauf ist der Hashtag „#wefightcorona“ und das Landeswappen gedruckt. In den Schulbussen soll es Ersatzmasken geben – allerdings erst Anfang Mai: weitere 150.000 Einmal-Masken vom Land.
Wie läuft der Unterricht?
Die Tische werden auseinandergerückt. In der Regel sollen nicht mehr als 15 Schüler im Klassenraum sein. Ist die Klasse größer, wird sie halbiert und es wird rotiert: Im wöchentlichen Wechsel kommt die eine Gruppe in den Klassensaal, die andere ist weiter im „Homeschooling“. Die Schulen sind dabei flexibel. Zumindest anfangs sind genug Räume frei, sodass eine Lehrkraft parallel in nebeneinanderliegenden Klassenräumen unterrichten kann.
Wie ist es mit Sport- oder Fachunterricht?
Schulsport fällt bis auf Weiteres aus Gründen des Infektionsschutzes aus, ausgenommen ist Sport als Abi-Prüfungsfach. An Berufsschulen darf die IHK etwa Prüfungen für angehende Köche abnehmen, der reguläre Kochunterricht entfällt jedoch. Laut Ministerium ist unkar, wann sich das ändert.
Müssen Wege markiert sein?
Nein. Die Schulen müssen aber Ein- und Ausgänge sowie Gehrichtungen vorgeben, um Menschenansammlungen und „Gegenverkehr“ zu vermeiden. Viele werden daher Wege mit Pfeilen markieren und zum Beispiel ein Rechtsgeh-Gebot in den Treppenhäusern anordnen.
Laut Hygienplan muss deutlich mehr geputzt werden in den Schulen. Hilft das Land dabei?
Nicht direkt. Für Ausstattung und Reinigung sind die Schulträger zuständig. Laut Bildungsministerium gibt es vom Land ein Starterpaket für 2,5 Millionen Euro mit 70.000 Litern Desinfektionsmittel und 500.000 Masken.
Tummeln sich alle in den Pausen?
Nein, Pausen können jetzt zeitlich flexibler und versetzt sein. Brötchen oder Getränke wird es am Kiosk nicht geben. Der ist geschlossen. Vor dem Verzehr des mitgebrachten Snacks gilt: Hände waschen.
Gibt es nun weniger Prüfungen?
Laut Ministerium können die in der Oberstufe der Gymnasien bis zum Ende des Schuljahrs geforderten Leistungsnachweise verringert werden. In den Leistungskursen würden dann eine Kursarbeit und etwa zwei Hausaufgabenüberprüfungen genügen. Weiterhin gilt, dass alle Schüler versetzt werden sollen, ausgenommen ist freiwilliges Wiederholen der Klasse.
Lehrer über 60 Jahre oder mit Vorerkrankungen haben keine Anwesenheitspflicht. Gleichzeitig gibt es mehr Aufgaben: Überwachung der Abstandsregeln, der WC-Zutritte und für die Notbetreuung für weitere Schüler. Wie funktioniert das?
Das Ministerium rechnet damit, dass etwa 20 bis 25 Prozent der Lehrkräfte für den Präsenzunterricht fehlen. Trotzdem genüge das, heißt es. Noch sind zunächst nur wenige und Anfang Mai höchstens ein Drittel aller Schüler vor Ort, Lehrer können von zu Hause dann andere Aufgaben übernehmen. Altersbedingt gebe es geringere Ausfälle als anderswo. „Wir haben eines der jüngsten Lehrerkollegien bundesweit“, heißt es in Mainz.
An Berufsschulen kommen am 4. Mai auch Klassen mit Flüchtlingen zurück, ohne dass für sie ein Abschluss ansteht.
Es kommen Schülerinnen und Schüler zurück, die vor dem Übergang in den Beruf stehen. Dazu gehören auch die Klassen mit neu zugewanderten Jugendlichen, die zwar keine Prüfung ablegen müssen, für die es aber enorm wichtig ist, weiter Deutsch zu lernen, sagt das Ministerium.
Was gilt für Grenzgänger?
Für möglichst schnelle Grenzkontrollen bittet die Bundespolizei alle Schüler, die aus Frankreich oder Luxemburg einreisen, die nötigen Dokumente bereitzuhalten.
Wer kommt wann zurück?
Den Anfang machen am Montag alle Schüler an Berufsschulen, Beruflichen Gymnasien, Fachoberschulen und G8-Gymnasien, die während oder am Ende dieses Schuljahres ihre Abschlussprüfungen ablegen. Das sind in Rheinland-Pfalz zirka 35.000 von landesweit 520.000 Schülern, in der Pfalz 18.000 von 190.000 Schülern. Eine Woche später (4. Mai) kehren im Land weitere 130.000 Schüler zurück, in der Pfalz 43.000: die Viertklässler an den Grundschulen und die oberen Klassenstufen der weiterführenden Schulen. Unter ihnen Realschulen plus (Jahrgangsstufe 11, 10, 9), G9-Gymnasien (Stufen 12, 11, 10), G8-Gymnasien (11, 10), Integrierte Gesamtschulen (12,11,10,9), Schulen mit Förderschwerpunkt Lernen (10,9) und Berufliche Gymnasien (12).
Wie geht es weiter?
Für alle anderen Schüler geht das Onlinelernen zu Hause weiter. Noch steht nicht fest, welche Klassen danach zurück können. Ebenso ungeklärt ist, ob die Schulen vor den Sommerferien komplett wieder regulär öffnen. Weitere Schritte will das rheinland-pfälzische Bildungsministerium von der Entwicklung der Infektionszahlen abhängig machen. Nächste Woche beraten sich die Länderchefs erneut mit der Kanzlerin.
Und noch etwas:
So manche Schule lässt ihre erwachsenen Schüler die neuen Schul- und Hygieneregeln laut vorlesen und unterschreiben. Damit allen der Ernst der Lage und ihre eigene Verantwortung bewusst wird.