Rheinland-Pfalz Schranke soll Brummis stoppen

. Es ist Donnerstagmorgen, als unter der Mombacher Vorlandbrücke die Stunden und Tage der Wahrheit anbrechen. Riesige Hydraulikzylinder, vergleichbar mit überdimensionalen Wagenhebern, drücken von unten gegen Überbau und Fahrbahn dieses Brückenteilstücks vor der eigentlichen Schiersteiner Brücke. Um rund 30 Zentimeter soll die Fahrbahn angehoben, zurück in ihre ursprüngliche Lage vor dem Unglück gezwungen werden. Unmerklich erhöhen die Pressen den Druck. Übertragungswagen des Fernsehens schicken mit ihren Satellitenschüsseln die wenig spektakulären Bilder direkt in den drüben Himmel über Mainz. Seit Anfang Februar ist die Schiersteiner Brücke gesperrt. Bei Bauarbeiten für eine neue Fahrbahnrampe hat sich ein Pfeiler der Vorlandbrücke zur Seite geneigt. Die Fahrbahn hing in der Luft und senkte sich 30 Zentimeter. Seither klafft ein breiter Riss im Brückenüberbau. Die Autobahn 643 zwischen Mainz und Wiesbaden wurde sofort gesperrt, lange Staus sorgen seither für Ärger. Auch die rot-grüne Landesregierung ist unter Druck. Sie muss sich den Vorwurf der CDU-Opposition anhören, Unterhalt und Neubau von Brücken zu vernachlässigen. Ein solcher Bauunfall könne jederzeit passieren, wehrt sich Rot-Grün. Seit Wochen wird fieberhaft nach Lösungen gesucht. Neben der nutzlosen schrägen Stütze wurden Ersatzpfeiler gegossen. Am Donnerstag kommen die Hydraulikpressen zum Einsatz. Es ist der technisch anspruchsvollste Teil der Operation Brücke. 20 Hydraulikzylinder machen Druck. Die beiden größten können je 800 Tonnen stemmen. Um die Mittagsstunde herrscht Optimismus bei den Ingenieuren unter der Mombacher Vorlandbrücke: 15 der 30 Zentimeter sind geschafft. Der Kraftakt verursacht offenbar keine neuen Schäden, der böse Riss schließt sich Millimeter um Millimeter. Am Nachmittag meldet der federführende Landesbetrieb Mobilität (LBM) Vollzug: Die Anhebung der Fahrbahn sei gelungen. Doch noch ist längst nicht alle Arbeit getan. Ursprünglich sollten bereits Anfang April wieder Autos über die Schiersteiner Brücke rollen. Inzwischen nennt LBM-Chef Bernd Hölzgen den 13. April, den ersten Tag nach den Osterferien, als Zielmarke. Während der Feiertage und in der ersten Hälfte der kommenden Woche sollen die verbliebenen Risse mit Kunstharz verfüllt werden. Dann wird die Stunde der endgültigen Wahrheit schlagen: Die Tragfähigkeit der reparierten Rheinquerung wird getestet. Hölzgen geht davon aus, dass Kraftfahrzeuge bis 3,5 Tonnen Gesamtgewicht wieder über die Schiersteiner Brücke rollen dürfen. Für Brummis werde die Autobahn zwischen Mombach und Wiesbaden wohl weiterhin gesperrt bleiben. Aber nach Erfahrungen in Nordrhein-Westfalen scheren sich viele Lkw-Fahrer darum einen Dreck. Nachdem eine Brücke der A 1 bei Leverkusen für Fahrzeuge über 3,5 Tonnen gesperrt worden war, bretterten trotzdem noch 1000 Laster täglich darüber. Erst nach massivem Polizeiaufgebot konnte diese Anzahl auf 500 gesenkt werden. Auf der Schiersteiner Brücke soll das anders werden. Dort werden nur verengte Fahrspuren auf die eigentliche Brücke führen. Sollte dennoch ein Brummi auf eine solche Spur geraten, wird ihn in voller Fahrt lasergestützte Technik als zu breit und zu schwer identifizieren. Dann wird das System eine Ampel auf rot schalten und eine Schranke schließen, um den Brummifahrer an der Fahrt über die Brücke zu hintern. Und wenn die Reparatur der Mombacher Vorlandbrücke doch noch fehlschlagen würde? Hölzgen hat einen „Plan B“: In einer Halle der Autobahnmeisterei Gau-Bickelheim liegt eine mobile Behelfsbrücke. Sie ist Eigentum des Bundes und ein Relikt aus Zeiten des Kalten Krieges. Noch nie war die Stahlkonstruktion im Einsatz. Im Fall der Fälle könnte sie das lädierte Teilstück der Autobahn bei Mainz ersetzen.