Rheinland-Pfalz „Premiere-Most“ lässt staunen
«NEUSTADT.» Der beliebte flüssige Vorgeschmack auf den Herbst ist schon jetzt zu bekommen: In Neustadt-Geinsheim wurden gestern die Trauben für den ersten 2019er „Neuen“ geerntet und gepresst. Bei diesem offiziellen pfalzweiten Auftakt zur Bitzler-Saison zeigten Fachleute sich optimistisch, dass der 2019er ein qualitativ guter Jahrgang wird.
Satt grünlich-gelb floss er im Geinsheimer Weingut Nett aus der Kelter – der „Premiere-Most“, der sogleich für großes Erstaunen sorgte: 92 Grad Oechsle ergab die Mostgewichts-Messung – ein Superwert für Mitte August eingebrachtes Lesegut, der auch die versammelten Weinexperten überraschte. „Das ist deutlich mehr als erwartet“, sagte Jürgen Oberhofer vom Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) Rheinpfalz. Die kerngesunden Trauben der weißen Frühsorte Solaris waren am Morgen in einem Wingert der Lage Neustadter Pfaffengrund gelesen worden. Den ersten Teil davon erntete bei herrlichem Wetter ein Helferteam, zu dem auch die Pfälzer Weinkönigin Meike Klohr zählte, per Hand. Eine weitere Partie wurde mit dem Vollernter geholt. Trotz der beeindruckenden Oechsle-Grade schmeckten die Solaris-Beeren übrigens nicht so zuckersüß – aufgrund der „noch relativ hohen Säurewerte“, wie die Winzermeisterin Rebecca Nett erklärte. Die Ernte für die Federweißen-Bereitung in der Pfalz hat diesmal nicht so extrem früh angefangen an wie im vorigen Jahr, sondern rund zehn Tage später. Der Entwicklungsstand der Trauben entspricht derzeit den Weinfachleuten des DLR zufolge zeitlich etwa dem langjährigen Mittel. Sie gehen bisher davon aus, dass die Hauptweinlese erst etwa Mitte September anfangen wird. Die Experten, die gestern auf Einladung der Pfalzwein-Werbung zum „Ankeltern“ nach Geinsheim kamen, sehen beste Voraussetzungen dafür, dass der 2019er ein guter Jahrgang wird. Entscheidend für die Qualität seien jedoch die nächsten vier bis sechs Wochen, wie Oberhofer und Stephan Schindler, Vizepräsident des Weinbauverbandes Pfalz, betonten. Die Winzer würden sich für die kommenden Wochen einen „schönen Altweibersommer“ mit ein bisschen, aber nicht zu viel Regen wünschen. Durch die Niederschläge in den vergangenen Wochen hat sich die Situation bei der Wasserversorgung der Reben, die teils schon stark unter der langen Trockenheit in diesem Sommer litten, zwar insgesamt vorerst entspannt. Doch besteht zum Teil immer noch Wasserbedarf, wie die Experten darlegten. Denn die Niederschlagsmengen seien örtlich sehr unterschiedlich ausgefallen. Große Unterschiede gebe es individuell auch bei den Ertragserwartungen. Dabei spielten unter anderem punktuelle Schäden etwa durch Hagel oder Sturm eine Rolle. Für die Gesamtregion habe das aber keine Auswirkungen, so Oberhofer. Pfalzweit wird derzeit weiter mit einer durchschnittlichen Erntemenge gerechnet. Jetzt läuft aber erstmal die Federweißen-Erzeugung an. Der Markt dafür sei ein wichtiger Geschäftsbereich geworden, sagte Ernst Büscher vom Deutschen Weininstitut. Etwa die Hälfte des bundesweit erzeugten Federweißen stamme aus der Pfalz. Was gestern im Weingut Nett gekeltert wurde, ist übrigens laut Winzermeister Gerhard Nett für den Verkauf ab Hof bestimmt. „Neuer“ gehört in der Saison schon lange zur Angebotspalette des Familienbetriebes. AM RANDE