Rheinland-Pfalz
Preisgekrönte Pfälzer Dörfer: Intakt und lebendig [mit Bildergalerie]
Dorferneuerung ist wichtig. Die Umwelt aber auch. Daher vergibt das rheinland-pfälzische Umweltministerium Sonderpreise für vorbildliche ökologische Leistungen. Fünf Pfälzer Gemeinden sind seit 2011 ausgezeichnet worden. Sie alle punkten mit hohem Engagement für die Artenvielfalt. Der kleinste Ort ist Waldgrehweiler mit rund 200 Einwohnern, gefolgt von Rumbach, Weyher, Wilgartswiesen und Ottersheim.
Zweimal hat Wilgartswiesen (Kreis Südwestpfalz) den Sonderpreis Ökologie gewonnen – 2011 und 2017. Der Erholungsort im Queichtal gehört zu den waldreichsten Gemeinden im Pfälzerwald. An die nahe B 10, auf der ständig der Verkehr vorbeirauscht, haben sich die Bürger gewöhnt. „Umweltprobleme schließen den Naturschutz nicht aus“, sagt Ortsbürgermeister Jürgen Brödel. „Wir engagieren uns im Kleinen, davon profitiert das große Ganze.“ Brödel denkt und handelt umweltbewusst, auch seinen Holzhandel betreibt er unter dieser Maxime. Dass Wilgartswiesen beim Naturschutz immer wieder Zeichen setzt, liegt auch am guten Einvernehmen mit Förster Bernhard Klein. Er lässt den Gemeindewald naturnah bewirtschaften. „Wir haben den Hiebsatz heruntergefahren, Totholzinseln geschaffen und die Jagdreviere neu zugeschnitten“, so Brödel. Nach der ersten Preisvergabe sei der Ruheforst für Bestattungen hinzugekommen. In diesem lichten Buchenwald könne sich die Natur jetzt ungestört entwickeln. Wilgartswiesen punktet mit dem Naturschutzgebiet Tiergarten, einem Biosphärenpfad und Streuobstwiesen. Dorfbewohner und Touristen können sich mit einheimischen Forellen, Wasserbüffelfleisch, Wildbret und Honig versorgen. Besonders am Herzen liegt Brödel aber der Insektenschutz. Vieles in Wilgartswiesen geht auf seine Privatinitiative zurück und wurde mit seinem Geld finanziert. Dazu gehört der Wildbienenpfad mit Nisthilfen und Schautafeln. Brödels Frau Christina unterstützt seine Mission. Sie lässt sich zur Wildbienen-Botschafterin ausbilden. Der 43-Jährige lobt den Einsatz vieler Bürger, die sich um den Obst- und Gartenbau, den Erhalt der beiden Burgruinen und den Fledermausschutz kümmern. Seit über 100 Jahren lebt auf dem Dachboden des Rathauses eine große Kolonie der geschützten „Großen Mausohren“.