MAINZ RHEINPFALZ Plus Artikel Polizist erschießt Mann in Seniorenwohnanlage

Am Morgen danach ist der Tatortreiniger in der Seniorenwohnanlage in Mainz.
Am Morgen danach ist der Tatortreiniger in der Seniorenwohnanlage in Mainz.

Ein 57-jähriger russischer Mann ist am Dienstag in einer Seniorenwohnanlage im Mainzer Stadtteil Gonsenheim durch Polizeikugeln gestorben. Er soll zuvor einen 76-Jährigen mit einem Messer verletzt haben. Bei der versuchten Festnahme sei er weder mit Pfefferspray noch mit dem Taser zu bändigen gewesen. Als er mit dem Messer auf die Einsatzkräfte losging, erschoss ihn einer der Beamten. Nun laufen Ermittlungen.

Am Morgen danach sind die Tatortreiniger in der Seniorenwohnanlage „Franz-Stein-Haus“ in Mainz Gonsenheim angerückt. Blut ist geflossen, viel Blut. Die Vorhänge in der Erdgeschosswohnung sind zugezogen, in der am Vortag ein 57-jähriger Mann von einem Polizisten erschossen wurde. Am Dienstag gegen 17.10 Uhr wurden die Beamten in die Wohnanlage gerufen. Ein Mann sei mit einem Messer attackiert worden.

Schnittverletzungen im Gesicht und am Arm

Eine Blutspur im Flur des fünfstöckigen Hauses habe die Einsatzkräfte zu dem Verletzten geführt: Ein 76-jähriger Mann, der mit Schnittverletzungen im Gesicht und am Arm ins Krankenhaus gebracht wurde. Der mutmaßliche Angreifer, der 57-Jährige, pendelte den Angaben nach beim Eintreffen der Polizei zwischen der Wohnung, die er gemeinsam mit seiner Mutter bewohnte, und der Terrasse. Er soll mit einem Messer – Klingenlänge 11,5 Zentimeter – auf die Polizisten losgegangen sein.

Die Beamten waren laut einer Polizeisprecherin mit mehr als einer Streifenwagenbesatzung vor Ort. Wie viele es waren, blieb unklar. Der Angreifer sei weder durch Pfefferspray zu stoppen gewesen noch durch eine Distanzwaffe, den Taser, mit dem Elektroschocks ausgesendet werden. Schließlich habe ein Polizist bei der Festnahme geschossen. Der Angreifer wurde dabei tödlich getroffen.

Aktenkundig bei der Staatsanwaltschaft

„Der war der Schrecken des ganzen Hauses“, sagt ein Bewohner am Mittwochvormittag, als er mit seinem Rollator in Richtung des nahe gelegenen Einkaufszentrums unterwegs ist. Selbst gegen die Mutter sei der Sohn aggressiv gewesen, habe ihr einmal im wörtlichen Sinn den Stuhl vor die Tür gestellt. Sie habe dann draußen im Kalten sitzen müssen.

In den Akten der Staatsanwaltschaft taucht sein Name nur einmal auf: Wegen Hausfriedensbruch hatte ihn 2018 ein Discounter angezeigt. Das Strafverfahren wurde nach Angaben der Leitenden Oberstaatsanwältin von Mainz, Andrea Keller, eingestellt.

Wohnbau lässt Fragen unbeantwortet

Der ältere Mann sagt, der 57-Jährige habe zunächst eine eigene Wohnung in der Anlage gehabt. Aber es habe Ärger gegeben. Das „Franz-Stein-Haus“ gehört der Wohnbau, der Wohnungsbaugesellschaft der Stadt Mainz. 2004 wurde es eingeweiht. Die 150 Wohnungen würden speziell den Bedürfnissen der Senioren gerecht, wirbt die Betreiberin im Internet. Die Frage, ob der Mann zuvor eine Wohnung hatte und ob es wegen ihm schon häufiger Polizeieinsätze gegeben hat, ließ die Wohnbau unbeantwortet.

Ob dem Angriff ein Streit mit dem 76-Jährigen Deutschen, der in Kirgistan geboren wurde, vorausgegangen war, blieb zunächst unklar. Der Mann war noch nicht vernehmungsfähig. Die Frage, warum der 57-Jährige weder durch Pfefferspray noch durch den Taser zu bändigen war, müssen die Ermittler klären und ebenso, ob der Polizist in Notwehr gehandelt hat. Die Staatsanwaltschaft Mainz führt zusammen mit der Kriminaldirektion Mainz die Ermittlungen.

Seit 2016 sind in Rheinland-Pfalz bei Polizeieinsätzen nach Angaben des Innenministeriums inklusive des jüngsten Falls fünf Menschen erschossen worden. In den früheren vier Fällen sei die Notwehr bestätigt worden, sagte die Sprecherin des Innenministeriums, Sonja Bräuer.

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