Rheinland-Pfalz Pirmasens will endlich auch ein Stadtfest haben

Der Exerzierplatz vor dem Pirmasenser Rathaus spielt auch beim neuen Festkonzept eine wichtige Rolle. Hier soll eine von möglich
Der Exerzierplatz vor dem Pirmasenser Rathaus spielt auch beim neuen Festkonzept eine wichtige Rolle. Hier soll eine von möglicherweise drei Bühnen aufgestellt werden.

«PIRMASENS». Ludwigshafen hat eins, Zweibrücken ebenso. Pirmasens will endlich auch eins. Die Rede ist von einem großen Stadtfest. In der Schuhstadt sollen dafür kurzerhand zwei bestehende Veranstaltungen abgeschafft werden. Aber kann das gutgehen?

Es ist nun wirklich nicht so, dass es in Pirmasens an Veranstaltungen und Festen mangelt. Aber die sind teilweise etwas in die Jahre gekommen und der Zuspruch bleibt bisweilen überschaubar. Schon 2016 (!) haben daher die CDU, die FDP und der Freie Wählerblock im Stadtrat beantragt, ein neues Festekonzept zu entwickeln. Das liegt nun vor – und sorgt für Gesprächsstoff in der Südwestpfalz. Wenn der Stadtrat am Montag seinen Segen gibt – und danach sieht es derzeit aus – steigt ab kommendem Jahr in Pirmasens am ersten Wochenende im August ein Fest, das nicht nur drei Tage dauert, sondern auch auf drei Plätzen gefeiert werden soll. Alleine das ist für die hügelige Stadt eine kleine Herausforderung. Denn im Gegensatz zu Ludwigshafen oder Zweibrücken müssen Besucher des Stadtfestes dann einige Höhenmeter und eine gewisse Strecke absolvieren, wenn sie von einem Veranstaltungsort zum nächsten wollen. Die einzelnen Plätze in der Innenstadt sollen dann unterschiedlich bespielt werden. Die Details sind noch offen, aber denkbar ist, dass jeder Platz für ein Land der Erde steht oder, dass jeder Platz für eine bestimmte Musikrichtung steht oder ... Erarbeitet hat das neue Festkonzept Rolf Schlicher. Offiziell ist er der Leiter des Stadtmarketings, inoffiziell fungiert er als Pirmasenser Allzweckwaffe, wenn es darum geht, die Stadt öffentlichkeitswirksam nach vorne zu bringen. Eine wesentliche Rolle in Schlichers Überlegungen spielen das seit 1995 bestehende Exefest auf dem Exerzierplatz und das Schlabbeflickerfest, das dieses Jahr zum 34. Mal gefeiert wird. Die beiden jeweils zweitägigen Veranstaltungen sollen 2019 wohl zum letzten Mal in Pirmasens über die Bühne gehen. Schlicher hat den städtischen Gremien Zahlen vorgelegt. Demnach kostet das Exefest die Stadt rund 35.000 Euro, das Schlabbeflickerfest 13.500 Euro. Für die neue Festvariante rechnet Schlicher mit Kosten von mindestens 125.000 Euro. Hinzu könnte für ein Stadtfest mit diesen Ausmaßen noch die Erstellung eines Sicherheitskonzeptes kommen. Auch das kostet Geld. Aber Oberbürgermeister Bernhard Matheis (CDU) geht nicht davon aus, dass „uns das vor ein großes Finanzierungsproblem stellen würde“. Zwar gehört Pirmasens bekanntermaßen zu den Städten, deren Kassen notorisch klamm sind, aber mit der Kostenfrage halten sich die Kommunalpolitiker beim Thema Stadtfest nicht allzu lange auf. Sie hoffen, dass sich ein Radiosender findet, der nicht nur das Programm auf einer Bühne finanziert, sondern auch kräftig die Werbetrommel rührt. Bislang übernimmt ein Sender das Programm auf dem Exefest. In Pirmasens soll nun nicht gekleckert, sondern geklotzt werden. Von einem erhofften Imagegewinn ist in der politischen Debatte die Rede, ander sprechen von einer gewissen Qualität, die ein solches Fest haben müsse, um Menschen über Landesgrenzen hinweg anzulocken. Nicht ganz so euphorisch sind momentan noch die Vereine, die sich bisher am Schlabbeflickerfest beteiligt haben. Zwar fiel es denen zunehmend schwerer, Helfer zu finden, aber sie waren auf die Einnahmen angewiesen. Manche fühlen sich von den Plänen überrumpelt. Die Kommunalpolitiker haben die Nöte erkannt und wollen nun ein Festkomitee ins Leben rufen, an dem die Vereine sich beteiligen sollen. Möglicherweise wird ihnen einer der drei Plätze zur Verfügung gestellt. Und dann ist da noch der Einzelhandel. Zum Exefest im September gehört traditionell ein verkaufsoffener Sonntag. Der soll nun beim Stadtfest im August stattfinden. Allerdings beklagen die Einzelhandelsvertreter, dass ein verkaufsoffener Sonntag im September deutlich rentabler sei, als ein Pendant im August. Auch hier wird eine Lösung gesucht. Wie die aussehen wird, ist noch offen, aber es müsste schon ein kleines politisches Wunder geschehen, dass der Pirmasenser Stadtrat am Montag nicht für das neue Festkonzept votiert.

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