Rheinland-Pfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Pirmasens: Wenn die Klärschlammtrocknung den Anwohnern stinkt

Sorgt für Diskussionen und Beschwerden: die Klärschlammtrocknungsanlage im Pirmasenser Vorort Fehrbach.
Sorgt für Diskussionen und Beschwerden: die Klärschlammtrocknungsanlage im Pirmasenser Vorort Fehrbach.

Eingekeilt zwischen Industriebetrieben, der vierspurigen B 10 und der Müllverbrennungsanlage (MVA) sind die Einwohner im Pirmasenser Vorort Fehrbach schon viel gewohnt. Die seit 2015 im Probebetrieb laborierende Klärschlammtrocknung war aber zu viel des Guten. Die Geruchsnerven sind angespannt in dem 1500 Einwohner zählenden Dorf.

Für überregionale Schlagzeilen ist Fehrbach nicht bekannt. In den 1950er-Jahren sorgten angebliche Marien-Erscheinungen für europaweite Berühmtheit. Dann wurde es still in dem Vorort von Pirmasens bis 2015 eine Klärschlammtrocknungsanlage in Betrieb ging. Gleich vom Start weg stank es nicht nur in der unmittelbaren Umgebung der Anlage, sondern bis zur Dorfmitte wurde den Anwohner richtig übel und sogar das Personal der benachbarten MVA soll mit Streik gedroht haben.

Beschwerden bei der SGD

Es wurde nachgerüstet und nochmal nachgerüstet. Dann stank es aus dem Kanal nach ätzendem Ammoniak. Jetzt werden die Abwässer nach Kaiserslautern gefahren. Die Stinkerei endet nicht. Anwohner rufen bei der Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd (SGD) in Neustadt direkt an und machen ihrem Unmut Luft. Der Betreiber des Klärschlammtrockners, Manfred Schenk, verweist auf andere Müllentsorger in der Nachbarschaft, die ebenfalls für die Gerüche verantwortlich sein könnten.

Ab und an geht etwas schief

Und tatsächlich fand das Pirmasenser Ordnungsamt einmal im Abwasser der benachbarten Remondis Flüssigkeiten, die in der Form nicht hinein gehörten. Remondis lagert Biomüll und Papier auf dem Gelände neben der Klärschlammtrocknung. Das passiert dort aber schon seit über 15 Jahren ohne Beschwerden und Remondis versichert, dass es nur das eine mal versehentlich etwas in den Kanal geraten sei. Wie auch Schenk versichert, dass es in einem Jahr nur zu zwei Betriebsstörungen von je drei Stunden Länge gekommen sei.

Früher die Gülle, heute der Klärschlamm?

„In Fehrbach hat es schon immer gerochen“, findet Schenk, der überregional als Reitsportler bekannt ist und sein Geld bisher mit Immobilienprojekten in ganz Deutschland verdiente. 2015 wollte Schenk in den lukrativ zu werdenden Klärschlammmarkt einsteigen und investierte Millionen in die Anlage bei Fehrbach. In dem Pirmasenser Vorort hat es auch tatsächlich immer einmal wieder gerochen, wenn einer der Landwirte die Gülle auf die Felder brachte. Das ist inzwischen nur noch sehr selten der Fall und die Geruchsbelästigung erreichte nie das Ausmaß, in dem es aus dem Klärschlammtrockner in den ersten Tagen des Probebetriebs stank. Und genau das war der Auslöser für die jetzigen Beschwerden.

Alles nur Einbildung?

Die Verantwortlichen bei Remondis können ebenso wenig wie Schenk verstehen, dass die Fehrbacher immer noch üble Gerüche riechen. Die Fehrbacher haben 2015 allerdings eine traumatische Geruchserfahrung gemacht, die ihre Riechorgane auf höchste Alarmbereitschaft eingestellt haben dürften. Jetzt wird alles über die Maßen registriert, was früher gar nicht richtig wahrgenommen worden wäre. Selbst wenn die Anlage nachweislich wegen Ferien still steht, werden üble Gerüche gemeldet.

Luftmessung soll Aufklärung bringen

Schenk hat beim Tüv auf Anordnung der SGD eine Luftmessung bestellt, mit der die Diskussion auf eine sachliche Grundlage geholt werden soll. Aktuell läuft die Anlage wieder im Probebetrieb und kein Fehrbacher meldet sich wegen Geruchsbelästigungen. Es scheint zu funktionieren.

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