Rheinland-Pfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Pfälzerwald-Verein für junge Leute attraktiv machen

Die Jüngsten marschieren vorneweg: Familienwanderungen finden bei jungen Eltern und ihren Sprösslingen Anklang. Unser Archivfoto
Die Jüngsten marschieren vorneweg: Familienwanderungen finden bei jungen Eltern und ihren Sprösslingen Anklang. Unser Archivfoto zeigt einen Ausflug der Ortsgruppe Neupotz des Pfälzerwald-Vereins.

Hausmannskost zu bezahlbaren Preisen und ein gut markiertes Wegenetz – das sind die Markenzeichen des Pfälzerwald-Vereins. Doch der Vorstand hat erkannt: Der Traditionsverein muss mehr bieten, um auch für junge Familien attraktiv zu sein. Etliche Ortsgruppen führen vor, wie sich mit Einsatz und Ideen neue Mitglieder gewinnen lassen.

Vor einem Jahr stand die Ortsgruppe Annweiler des Pfälzerwald-Vereins (PWV) am Scheideweg: Für den Vorstand wurden dringend neue Mitstreiter gesucht. Andernfalls hätte die Auflösung gedroht. Dieses Schicksal traf allein im vergangenen Jahr fünf überalterte PWV-Ortsgruppen. Doch in Annweiler gelang die Trendwende. Petra Jung-Schoch wurde gefragt, ob sie mitmachen möchte. Sie sagte „Ja“, trat in den Verein ein und wurde gleich seine Erste Vorsitzende.

"Gutes tun und darüber reden"

Die Bilanz ihres ersten Amtsjahres kann sich sehen lassen. Bei der Mitgliederversammlung aller 195 PWV-Ortsgruppen am Samstag im westpfälzischen Miesau stand Petra Jung-Schoch sozusagen auf dem Siegertreppchen: Die Annweilerer haben im vergangenen Jahr mit einem Plus von 20 Prozent den relativ höchsten Mitgliederzuwachs im ganzen Pfälzerwald-Verein verzeichnet. Und das, obwohl sie keine eigene Hütte besitzen. „Gutes tun und darüber reden“, lautet das Erfolgsrezept der Vorsitzenden. So wurde ein Sträucher-Lehrpfad beschildert und teilweise neu bepflanzt, wurden Brunnen hergerichtet, wurde die Konzertmuschel restauriert. Durch solche Einsätze wurde die Ortsgruppe ins Gespräch gebracht, berichtet Petra Jung-Schoch. Inzwischen verzeichnen die Pfälzerwäldler in Annweiler wieder Zulauf von jungen Familien, wurde die 35-jährige Lisa-Miriam Burkard für das Amt der Jugendwartin gewonnen. Einschließlich Ehepartnern und Kindern schnellte die Mitgliederzahl von 204 auf 299 Wanderer hoch.

Junge Leute "machen lassen"

Wichtig ist, dass der Vorstand einer Ortsgruppe junge Leute mit Ideen „auch machen lässt“, sagt Jan Bens, seit eineinhalb Jahren Jugendwart beim PWV in Walsheim (Kreis Südliche Weinstraße). Anders als in seinem Heimatort sei das nicht überall selbstverständlich. Manche Vorstände wollen genau vorschreiben, was unternommen werden soll. „Da würde ich nicht mitmachen.“ Hinzu kommt: Vielen im Alter von Jan Bens gilt der Verein als altbacken, weiß der 38-Jährige. Dabei kann der PWV gerade jungen Familien ein zeitloses Angebot machen: Je mehr Eltern mitwandern, desto abwechslungsreicher wird es für deren Sprösslinge, weil sie neue Spielkameraden finden, hat der Vater zweier Kinder beobachtet. „Da wird man dann nicht mehr ständig gefragt: ,Wann sind wir endlich da?’“ Auch seine Ortsgruppe verzeichnete im vergangenen Jahr einen Zulauf von fast zwölf Prozent an neuen Mitgliedern. Den Erfolg abonniert hat die erst 2016 aus der Taufe gehobene Ortsgruppe „Hohe List“: Die Südwestpfälzer rangieren bereits zum dritten Mal auf Platz 1 in der PWV-Erfolgsstatistik. Jedenfalls dann, wenn es nicht um den prozentualen, sondern um den absoluten Zulauf geht. Im Klartext: 48 neue Mitglieder fanden allein im vergangenen Jahr den Weg zu dieser Ortsgruppe. Gegründet wurde sie, um die drohende Schließung des beliebten Ausflugsziels „Hohe List“ zwischen Eppenbrunn und Ludwigswinkel abzuwenden. Auch dort hatte sich eine überalterte Ortsgruppe außerstande gesehen, noch genügend ehrenamtliche Helfer für das Hüttenteam aufzubieten.

Frischer Wind auf der Hohen List

Schon ein Blick auf die mit Humor gewürzte Facebook-Seite der Ortsgruppe zeigt, dass auf der Hohen List ein frischer Wind weht: Dort stehen mal Schlachtfest und mal „Gerstesupp“, mal Heringssalat mit „Gequellte“ und durchaus auch Gnocchi mit Gorgonzola-Sahnesoße auf dem Speisezettel. Ein Angebot, das in seiner Vielfalt nicht in jeder Hütte anzutreffen ist. Übrigens wird Facebook auch zur Werbung neuer Mitstreiter genutzt: Für den nächsten Samstag wird zu einer Schnupperstunde für künftige Hüttendienstler eingeladen. Mit Mut zu neuen Angeboten hat auch die mit über 1000 Mitgliedern (einschließlich Ehepartnern) größte PWV-Ortsgruppe Hambach gute Erfahrungen gemacht. So gibt es für junge Leute bei der „Hohe Loog“-Hütte ein „Basecamp“ mit Übernachtungsmöglichkeit, für besonders Fitte werden sportliche Touren und für die älteren Semester Seniorenwanderungen organisiert, zählt der Vorsitzende Peter Saling auf. Darüber hinaus wurden im vergangenen Jahr unter dem Stichwort „Weite Loog“ kulturelle Veranstaltungen wie der „Feierabend-Rock“, ein Aquarell-Anfängerkurs oder auch das „Wald-Abenteuer“ für Kinder organisiert. Eine solche bunte Vielfalt liegt ganz auf der Linie von Martin Brandl, dem seit einem Jahr amtierenden Vorsitzenden des PWV-Gesamtvereins. Seine Vision: „Ein Heimatverein moderner Prägung“, der zum „Inbegriff für Pfälzer Kultur“ wird. Schließlich zählen laut Satzung neben dem Wandern auch Natur- und Umweltschutz sowie Pflege der Kultur zu den Aufgaben des Vereins. Und, so der Vorsitzende: Die Mitglieder sollen sich „als PWV-Familie“ begreifen. Gute Ideen anderer Ortsgruppen dürfen übernommen, auf Topveranstaltungen beim PWV darf in den eigenen Wanderplänen hingewiesen werden. Fazit Brandl: „Lasst uns voneinander lernen. Kopieren ist ausdrücklich erlaubt.“ 

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