Rheinland-Pfalz
Pfälzer Winzer erwarten guten Weinjahrgang
Etwas früher als zunächst erwartet, hat in der Pfalz die Hauptweinlese begonnen. Denn die Zuckergehalte der Trauben haben durch das sonnige Wetter Ende August, Anfang September nochmals deutlich zugelegt – und nun schon stattliche Werte erreicht..
Im Schnitt liegen die Mostgewichte derzeit bei den meisten Rebsorten um etwa fünf Grad Oechsle höher als im 20-jährigen Mittel, wie Jürgen Oberhofer vom Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) Rheinpfalz in Neustadt gestern sagte.
Freuen können die Winzer sich auch über kerngesundes Lesegut. Der Experte bezeichnet den Gesundheitszustand der Trauben als „absolut super“. Und diesem werde das Wetter auch noch in den nächsten Tagen zuträglich sein, wenn die Prognosen der Meteorologen eintreffen: Weiterhin so sonnige, warme Tage und kühle Nächte wären „optimal“ dafür.
Kirschessigfliege derzeit kein Problem
Die Gefahr, dass die Kirschessigfliege in diesem Herbst noch zu einem Riesenproblem werden könnte, sei inzwischen nur noch relativ gering, so Oberhofer. Aber trotzdem beobachte man die Populationsentwicklung dieses Schädlings weiterhin intensiv. Das empfehlen die Fachleute des DLR auch den Winzern.
Säuerung ausnahmsweise erlaubt
Regional sehr unterschiedlich sehe es bei den Säurewerten der Trauben aus. Der rheinland-pfälzische Weinbauminister Volker Wissing hat die Säuerung von „Trauben, Most, teilweise gegorenem Traubenmost, Jungwein und Wein“ des Jahrgangs 2019 zugelassen, nachdem die Hitzewelle im Spätsommer für einen starken Säureabbau geführt hatte. In den nördlichen Anbaugebieten Europas ist die Säuerung normalerweise nicht erlaubt, kann aber von den Ländern bei Vorliegen außergewöhnlicher Witterungsbedingungen gestattet werden. „Man ist froh über diese Möglichkeit, doch sie dürfte wohl eher wenig, dann aber in absolut notwendigen Fällen eingesetzt werden“, meint Oberhofer. Zu niedrige Säurewerte seien bei vielen Rebsorten in der Pfalz derzeit kein Problem, doch gelte das, je nach Standort, nicht für alle.
Regional große Ertragsunterschiede
Die zu erwartende Gesamterntemenge dürfte nach Einschätzungen angesichts der ersten Erträge laut Oberhofer „tendenziell am oder leicht unter dem langjährigen Schnitt liegen“. Allerdings gebe es dabei „große Unterschiede von Ort zu Ort, abhängig von den jeweiligen Niederschlagsmengen im Sommer“.
Hinsichtlich der zu erwartenden Qualität des Jahrgangs sei man „aufgrund der hervorragenden Traubengesundheit bei gleichzeitig überdurchschnittlichen Mostgewichten“ sehr optimistisch: „Man kann sicher sein, dass es eine gute Qualität geben wird.“
Herbstbeginn ohne Hektik
In Anbetracht der aktuellen Wetterprognosen sei derzeit ein „Herbst ohne Hektik zu erwarten – zumindest in dessen erster Hälfte. Die Mehrzahl der pfälzischen Winzerbetriebe habe diese Woche mit der Hauptweinernte angefangen, einzelne starteten sogar schon in der vorigen Woche. Voll in Gang kommen werde die Lese – bei der zunächst frühreife Sorten wie zum Beispiel Müller-Thurgau und Portugieser eingebracht werden – wohl erst ab nächster Woche, so Oberhofer. so Oberhofer. Die Lese von Riesling dürfte wahrscheinlich erst in der letzten Septemberwoche beginnen. Bereits am 16. August offiziell angelaufen war die Traubenernte für Pfälzer Federweißen.