Rheinland-Pfalz Pfälzer Weinjahrgang 2019 erfreut mit „tollen Qualitäten“
Die Fachleute sind von den Weinen begeistert. Die Erntemenge ist aber nur unterdurchschnittlich.
„Klein, aber fein“ – so bringt Boris Kranz, Vorsitzender der Pfalzwein-Werbung, seine Beschreibung des aktuellen Weinjahrgangs auf den Punkt. Wie er zeigten sich beim Herbstbilanzgespräch der Pfälzer Weinwirtschaft am Montagabend in Neustadt auch weitere Fachleute begeistert von den „tollen Qualitäten“, mit denen der 2019er aus der Pfalz zu erfreuen verspricht. Die Erntemenge allerdings wird nach den derzeitigen Erwartungen knapp unter dem langjährigen Durchschnitt liegen.
Gerechnet wird damit, dass in diesem Herbst pfalzweit insgesamt nur etwa 2,1 Millionen Hektoliter Weinmost gekeltert werden konnten. Voriges Jahr waren es rund 2,5 Millionen Hektoliter gewesen. Zu den diesmal niedrigeren Erträgen habe eine Kombination mehrerer Faktoren geführt, erklärte Jürgen Oberhofer vom Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) Rheinpfalz: leichte Verrieselungsschäden infolge der Kühle zur Blütezeit, danach die Trockenheit und dann die extreme Sommerhitze und Sonnenbrand. Örtlich gebe es aber bei den Erntemengen aufgrund der sehr verschieden ausgefallenen Niederschläge teils große Unterschiede.
Hauptweinlese zügig verlaufen
Insbesondere der fehlenden Winterniederschläge wegen sei dieses Jahr deutlich trockener gewesen als 2018, sagte Kranz. Doch die Reben hätten mit dem wenigen Wasser erstaunlich gut haushalten können.
In ihrer Entwicklung hatten diese, wie Oberhofer resümierte, im Vergleich zum Vorjahr zwar nach der Blüte zunächst etwa zwei bis drei Wochen zurückgelegen, aber die Reife habe aufgrund der warmen Temperaturen im Sommer „relativ rasch eingesetzt“. So begann die Hauptweinlese Anfang September – und damit etwas früher als zunächst erwartet. Und sie ging laut Kranz „sehr zügig“ vonstatten. Bis zum 3. Oktober, „rechtzeitig vor Beginn des Dauerregens“, hätten die meisten Betriebe ihre Trauben im Keller gehabt.
Freude über sehr gesundes Lesegut
Auch der hervorragende Gesundheitszustand des Lesegutes wurde hervorgehoben von der Expertenrunde, die übrigens im Hambacher Weingut Schäffer zusammen gekommen war – dem Hauptdrehort für die ARD-Fernsehfilmreihe „Weingut Wader“, die am 22. November fortgesetzt wird. Erste Proben von 2019er Gewächsen sind vielversprechend. Den Fachleuten zufolge wird es dichte, ausdrucksstarke Tropfen und beste Qualitäten geben. Die „schon sehr präsenten“ jungen Weine zeichneten sich durch starke Sortenprägung und Fruchtigkeit aus, so Professor Ulrich Fischer vom DLR. „Wir können uns auch auf eher leichte, nicht vom Alkohol dominierte Weine freuen“, sagte der Oenologe. Im Vergleich zu den 2018ern hätten sie eine kräftigere Säure. Speziell betonte er zudem, dass es „tolle“ Sektgrundweine gebe.
Erst relativ wenig 2019er amtlich geprüft
Trotz der vergleichsweise geringen Gesamterntemenge sei die Versorgung des Marktes mit Pfälzer Wein gewährleistet, sagte Gerhard Brauer, Zweiter Vorsitzender der Pfalzwein-Werbung. Er verwies dazu auf die Ausgleichsmöglichkeit durch die große Ernte im Vorjahr. Am ehesten könnte sich der diesmal kleine Ertrag seiner Einschätzung nach beim Riesling auswirken.
Bei der Anstellung von 2019er zur Qualitätsweinprüfung im Weinbauamt Neustadt geht es, wie dessen Leiter Thomas Weihl berichtete, „noch recht verhalten“ zu. Bis zum 2. November seien erst 49 Partien des neuen Jahrgangs mit einem Gesamtvolumen von 2354 Hektoliter geprüft worden – 2018 bis zum gleichen Termin dagegen bereits 206 Partien mit insgesamt 22.236 Hektolitern. Den Hauptgrund für den Unterschied sieht er im Nachschubbedarf: Im vorigen Herbst hatte wegen der geringen 2017er Ernte früher junger Wein abgefüllt werden müssen.