Rheinland-Pfalz Nach Ahr-Katastrophe: Hochwasservorsorge wird verbessert
Ein Unternehmen aus Wien entwickelt im Auftrag des Umweltministeriums und des Landesamtes für Umwelt das Projekt Hydro-Zwilling. Der Name leitet sich von der Tatsache her, dass im Lauf der Zeit ein „Digitaler Zwilling“ des Landes für die Hochwasservorsorge erstellt werden soll, ein flächendeckendes Modell. Der Hydro-Zwilling ist ein sehr schnelles 3D-Simulations- und Visualisierungsmodell für Wassergefahren auf der gesamten Landesfläche. Noch befindet es sich im Aufbau, aber wenn es einmal fertig ist, soll man damit auch überprüfen können, ob und wie Schutzmaßnahmen wirken.
Der Hydro-Zwilling hat sozusagen sechs Geschwister, denn das Projekt ist Teil eines Sieben-Punkte-Plans zur Verbesserung der Hochwasservorsorge in Rheinland-Pfalz, mit dem das Land auf die tödliche Hochwasserkatastrophe im Ahrtal reagiert. Umwelt- und Klimaschutzministerin Katrin Eder (Grüne) sagte, Rheinland-Pfalz sei besonders stark von der Erderhitzung betroffen. „Das bedeutet, dass damit auch die Wahrscheinlichkeit von Extremwetterereignissen steigt.“
Zugang für alle Bürger
Nach Angaben des Umweltministeriums sollen alle Kommunen im Land das System im vierten Quartal dieses Jahres nutzen können. Voraussichtlich im Frühjahr 2026 soll auch die Öffentlichkeit auf eine etwas abgespeckte Version zugreifen können. Eder bezeichnete das Programm als „Quantensprung zu allen bisherigen Systemen“ und ganz praktische Hilfe für die Bürgerinnen und Bürger.
Zudem werden gerade alle Hochwassergefahrenkarten für alle Risikogewässer des Landes mit dem Hydro-Zwilling neu berechnet. Dazu müsse die Gewässer in den kommenden Jahren umfangreich vermessen werden. Dennoch soll voraussichtlich bis Jahresende eine neue Hochwassergefahrenkarte vorliegen.
Pegel werden hochwassersicher
Bei der Ahrflut waren viele Pegel den Wassermassen nicht gewachsen. Deshalb wird nach Ministeriumsangaben derzeit auch überprüft, ob die Messstellen an Extremhochwasser angepasst werden können, oder ob der Bau eines zweiten, zusätzlichen Pegels nötig ist. Die Daten der Pegel werden über Satelliten übertragen, damit Störungen ausgeschlossen werden können. Auch dafür laufen bereits Tests.
Hausbesitzer und Mieter , Bauherren und Gewerbetreibende sollen mit einem Hochwasser-Risikocheck online überprüfen können, welche Gefahren ihrem Grundstück drohen und wie sie dagegen vorsorgen können, um den Schaden zu minimieren. Die Erarbeitung dieses Programms läuft und soll zur Jahresmitte 2026 abgeschlossen sein, so das Ministerium weiter.
Seit Ende 2023 liegt bereits eine Sturzflutgefahrenkarte auf den Internetseiten des Landesamtes für Umwelt vor. Sie zeigt, was bei extremen Niederschlägen passiert, wo das Wasser zusammenläuft, wie schnell es fließt , welche Wege es dann nimmt und wie hoch es sich dabei aufstaut.