Rheinland-Pfalz
Nürburgring: Einmal pleite und zurück
Am Nürburgring zeugen wuchtige Betonbauten von den hochfliegenden Plänen der Landesregierung vor zehn Jahren. Sie endeten im Desaster. Die Rennstrecke gehört jetzt einem russischen Investor, Geschäftsführer ist der 41-jährige Mirko Markfort. Warum er auf die Formel 1 verzichtet, und welche Ängste einen altgedienten Bürgermeister plagen.
An der Döttinger Höhe steht ein „Erlkönig“ an der Zapfsäule, ein Automodell der Zukunft mit schwarz-weiß-gefleckter Tarnung. Hobby-Motorsportler gehen fachsimpelnd Richtung Imbiss und Männer im Blaumann machen Mittagspause. Von der gegenüber liegenden Nordschleife, der berüchtigten „Grünen Hölle“, auf der Niki Lauda sein Antlitz verlor, dringt der Sound von Rennautos ans Ohr. Das Bild, das sich an diesem Montagvormittag an der Tankstelle bietet, ist seit Jahrzehnten vertraut – als habe es nie eine Krise am Nürburgring gegeben. Wenige Autominuten entfernt wölben sich wuchtige Betonbauten in Richtung Bundesstraße. „Nürburgring“ steht in Rot auf grauem Grund. Der „Ring-Boulevard“, das „Ring-Werk“, im Hintergrund der „Ring-Racer“ sind stumme Zeugen einer Ära der politischen und wirtschaftlichen Selbstüberschätzung. Eingeweiht vor zehn Jahren am 9. Juli 2009. Boris Becker war da, Bernie Ecclestone nicht, weil er sich zuvor lobend über Adolf Hitler geäußert hatte. Am Ende der Veranstaltung segnete ein Pfarrer die Bauten und betete mit den 1900 Gästen ein Vaterunser.