Pfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Musk-Satelliten als Sicherheitsnetz für Pfälzer Behörden

Dieses Handy ist auch ein Funkgerät: Geräte für den BOS-Digitalfunk können beides. Eine ideale Lösung für den Katastrophenfall s
Dieses Handy ist auch ein Funkgerät: Geräte für den BOS-Digitalfunk können beides. Eine ideale Lösung für den Katastrophenfall sind sie deshalb nicht.

Bei einem Blackout, auf den sich derzeit auch die Pfalz vorbereitet, funktionieren weder Telefon noch Handy. Die Arbeit von Helfern wird erschwert. Für Behörden gibt es eigentlich ein eigenes Digitalfunknetz. Manche sichern sich zusätzlich mit Satellitenfunk ab, beispielsweise mit jenem von Elon Musk. Doch hält dieser, was er verspricht?

Einfach so kommunizieren zu können, überall hin und mit so gut wie Jedem – wie selbstverständlich das ist, merkt man erst, wenn es nicht mehr funktioniert. Während der Flutkatastrophe im Ahrtal ist genau das passiert. Weder das Telefon-Festnetz noch das Handynetz waren erreichbar.

Aber auch das Behördenfunknetz versagte an vielen Stellen, wie zwei Wochen nach der Katastrophe die „Rhein-Zeitung“ berichtete: Einerseits waren die Datenleitungen, die die einzelnen Funkstationen verbanden, nicht flutsicher – sie wurden vom Wasser zerstört. Auch die Funkstationen funktionierten nicht mehr lange, weil sie nur ein paar Stunden lang Akku-Strom hatten und das Stromnetz ebenfalls zerstört war. Und die Stationen, die noch arbeiteten, seien oft überlastet gewesen, berichtete die Zeitung.

Das Resultat: Die Arbeit von Helfern, vor allem der Feuerwehr, wurde massiv erschwert. An manchen Stellen sollen Boten im Einsatz gewesen sein, Leute, die mit dem Auto zwischen Einsatzorten hin und her fuhren, wo es noch ging, und mit Stift und Block Nachrichten überbrachten. Einen Zusammenbruch der Kommunikation gibt es auch bei einem Blackout. Auf dieses Szenario bereiten sich derzeit die Städte und Kreise in der Pfalz vor.

Kein BOS-Funk für Bürgermeister

Das Funknetz der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) heißt offiziell BOS-Funk, und seit einigen Jahren wird der Ersatz des alten, analogen BOS-Funks durch eine digitale Variante vorangetrieben. Die BOS-Endgeräte sehen aus wie eine Kreuzung aus Handy und Funkgerät und vereinen tatsächlich beide Funktionen in sich: Sie können über Basisstationen sowohl im bundesweiten Netz telefonieren als auch direkt mit anderen Geräten verbunden werden, die in der Nähe sind. Letzterer Modus hat den Vorteil, dass er auch noch genutzt werden kann, wenn die Basisstation – warum auch immer – nicht erreichbar ist.

Den BOS-Digitalfunk nutzen dürfen die Feuerwehr, die Katastrophenschutzeinheiten, das Technische Hilfswerk (THW), die Polizei und der Rettungsdienst, aber beispielsweise nicht die Chefs der Verwaltungen, denen die Feuerwehren unterstehen. Als Ersatz, sollte der Digitalfunk Probleme bereiten, dient der ältere, eigentlich ausrangierte analoge BOS-Funk. Auf diese Rückfallebene verweisen alle Verwaltungen von Kreisen und kreisfreien Städten in der Pfalz.

Doch an einigen Stellen schaffen sich die Verwaltungen noch weitere Kommunikationsmöglichkeiten an. So beschloss der Hauptausschuss der Stadt Pirmasens Mitte Oktober ohne große Diskussion, dass Endgeräte des Satelliten-Internetdiensts „Starlink“ für 5000 Euro beschafft werden sollen. Sie sind Teil eines größeren Pakets an Investitionen in einen verbesserten Katastrophenschutz, das insgesamt 100.000 Euro schwer ist.

Starlink wird von der Firma SpaceX betrieben, die dem südafrikanischen Multimilliardär Elon Musk gehört, besser bekannt als Eigentümer von Tesla und Twitter. Über die Satelliten des Systems können Kunden mittels einer relativ kleinen Funkstation eine Internetverbindung herstellen. Prominent in den Nachrichten war Starlink erst vor Kurzem, weil es nicht funktionierte. Und zwar ausgerechnet, als die ukrainische Armee es für die Frontkommunikation in der Abwehrschlacht gegen die Invasoren aus Russland nutzen wollte.

Nun führen Pfälzer Verwaltungen keinen Krieg, doch sie wollen Krisensituationen gewachsen sein. So begründet auch die Stadt Pirmasens die Investition. „Das Satellitensystem Starlink ermöglicht den Datenaustausch mit anderen Behörden bei Stromausfall“, so der Pirmasenser Stadt-Pressesprecher. Konkret solle das Gerät dazu benutzt werden, sich im Notfall mit der Integrierten Leitstelle in Landau und benachbarten Feuerwehr-Einsatzzentralen vernetzen zu können.

Ein Ersatz für Telefone oder BOS-Funk ist Starlink nicht, denn die Empfangsstationen sind zunächst einmal nichts weiter als eine Stelle, an der es einen Internet-Zugang gibt. Darüber ließe sich Internet-Telefonie realisieren oder gar Videokonferenzen, führt der Landauer Katastrophenschutz-Beauftragte Dirk Hargesheimer aus. Doch um auf die Schnelle eine robuste Sprechverbindung aufzubauen, womöglich über ein tragbares Gerät, ist Starlink ungeeignet.

Manche Verwaltungen haben als Not-Kommunikationssystem auch Satellitentelefone angeschafft: Der Donnersbergkreis, ebenso der benachbarte Kreis Kaiserslautern und der Landkreis Südwestpfalz bestätigen die Nutzung solcher Systeme, wobei Letzterer sogar zusätzlich noch Starlink nutzt. Die Satellitentelefone funktionieren wie ganz normale Handys, nur mit größerer Antenne. Die Stadt Speyer gibt an, gerade Satellitentelefone zu beschaffen. Die gängigen Systeme heißen hier Iridium, Globalstar oder Inmarsat. Im Gegensatz zum Internet-Dienst Starlink sind sie eher als reine Telefonie-Dienste ausgelegt. Die Endgeräte sind in der Regel batteriebetrieben und können damit auch ohne Stromnetz funktionieren – eine zeitlang jedenfalls.

Schweigsames Innenministerium

Laut dem Innenministerium in Mainz kam Starlink schon bei der Ahrtal-Flut zum Einsatz. Allgemein positionieren will sich das Ministerium zur Nutzung privat betriebener Kommunikationsnetze im Notfall nicht. Diese müsse „im Einzelfall immer im Rahmen einer Abwägung erfolgen“. Es bleibt den Behörden, die keinen Zugriff auf BOS-Funk haben, aber auch kaum etwas anderes übrig. Das Innenministerium hat zwar durchaus eine Antwort auf die Frage, auf welche Kommunikationswege dann gesetzt werden solle. Es handele sich um „Satellitenkommunikationsanlagen über ein geostationäres Satellitenkommunikationssystem“. Das ist eine Beschreibung, die auch auf Starlink zutreffen könnte, doch laut Ministerium handelt es sich nicht um das Musk-Netz. Was es stattdessen ist, sagt das Ministerium nicht.

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