Rheinland-Pfalz
Missbrauchs-Skandal: Keine Razzia in Westpfälzer Kliniken
Kliniken in der Westpfalz sind im Zusammenhang mit Missbrauchsverdachtsfällen am Uniklinikum des Saarlands (UKS) in Homburg offenbar nicht durchsucht worden. Fünf Krankenhäuser gaben der RHEINPFALZ gegenüber an, nicht Teil einer Razzia gewesen zu sein.
Die Staatsanwaltschaft in Saarbrücken hatte am Mittwoch davon gesprochen, dass auch Patientenakten in Rheinland-Pfalz beschlagnahmt worden seien. Die Klinik wurde nicht näher beschrieben. Die Razzia der Polizei am Mittwoch konzentrierte sich hauptsächlich auf die HNO-Klinik des Homburger Großklinikums. Dort ermittelt die Staatsanwaltschaft mittlerweile in drei Verdachtsfällen zu sexuellem Missbrauch.
Klinikum: Intern keine Hinweise
Die früheren Verdachtsfälle von sexuellem Missbrauch an der Kinderpsychiatrie des UKS sind laut Klinikum davon nicht betroffen. Auslöser für die Razzia war zunächst ein jüngst bekannt gewordener Fall eines damals sechsjährigen Mädchens aus dem Jahr 2012. Bei ihm war nach einer Mandeloperation eine frische Verletzung im Intimbereich entdeckt worden. Nach der Berichterstattung meldete sich ein Vater bei der Polizei, weil seinem Sohn 2014 ähnliches passiert sei. Das Klinikum in Homburg blieb auch am Donnerstag auf Nachfrage bei der Darstellung, „zum damaligen Zeitpunkt“, also 2012, habe es klinikintern „keinen Hinweis auf sexuellen Missbrauch“ gegeben. Die Krankenhäuser in der Westpfalz gaben am Donnerstag Entwarnung. Bei ihnen habe es keine Durchsuchung gegeben, sagten die Krankenhäuser in Pirmasens, Rodalben, Zweibrücken und Landstuhl sowie das Westpfalzklinikum in Kaiserslautern der RHEINPFALZ. Auch die Diakonissen Speyer, Nachfolger des Trägers des 2016 geschlossenen evangelischen Krankenhauses in Zweibrücken, verneinten eine staatsanwaltlich angeordnete Durchsuchung in Räumen einer ihrer Einrichtungen. Offenbar geht es auch nicht um sexuellen Missbrauch, der sich in Rheinland-Pfalz zugetragen haben soll, sondern um die Patientenakte eines nach einem Aufenthalt in Homburg weiterbehandelten Kindes.
Untersuchungsauftrag ausgeweitet
Am Donnerstag haben der Vorstand des Homburger Universitätsklinikums und der Leiter der HNO-Klinik in einem Gespräch mit der Rechtsaufsicht der saarländischen Staatskanzlei zu den drei Verdachtsfällen Stellung genommen. Der Untersuchungsauftrag des Sonderermittlers sei auch auf diese Verdachtsfälle ausgeweitet worden, teilte ein Sprecher der Staatskanzlei am Abend mit. Es ist außerdem die Notwendigkeit gesehen worden, zur weiteren Aufklärung „eine medizinische Beurteilung der drei genannten Verdachtsfälle durch einen externen Sachverständigen vorzunehmen“.