Rheinland-Pfalz Meist nur kosmetische Korrekturen

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«MAINZ.» Chirurgie (künftig nur noch 3355 statt der bisher 3765 Betten) und Gynäkologie/Geburtshilfe (nur noch 1251 statt bisher 1585 Betten) gehören zu den Fachrichtungen, die in absoluten Zahlen am meisten Behandlungskapazitäten reduzieren müssen. Der Bettenabbau erfolgt laut Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD) überwiegend dort, wo „sich die stationären Bedarfe durch die Möglichkeiten neuer Operationstechniken verringert“ hätten. Demgegenüber werden Altersheilkunde (künftig 1314 statt bisher 833 Betten) sowie Psychiatrie und Psychotherapie (künftig 2642 statt bisher 2476 Betten) gestärkt. Bei der Psychiatrie wird zu den die Anzahl der Tagesklinik-Plätze um 191 Plätze auf künftig 1067 angehoben. Landesweit gab es mit Stand 2016 noch 23.953 Betten in der stationären Versorgung. Bis zum Jahr 2025 sollen es nach dem heutigen Planungsstand noch 23.730 Betten in den 77 Krankenhäusern sein, die an 97 Standorten tätig sind. Diesem Rückgang steht ein Zuwachs um landesweit 339 auf künftig 1450 Tagesklinikplätze gegenüber. Regional betrachtet zählen die Krankenhäuser in der Vorder- und Südpfalz überwiegend zu den Gewinnern des neuen Planes: Dort sollen künftig 5098 statt bisher 4936 Betten vorgehalten werden. In der Westpfalz ist lediglich ein moderater Abbau von 19 auf künftig 2495 Betten vorgesehen. Die Pfalz gewinnt zudem bei den Tagesklinik-Plätzen. Nämlich um 88 (Vorder- und Südpfalz) beziehungsweise 24 (Westpfalz) Plätze. Am meisten Behandlungskapazitäten soll die Region Mittelrhein-Westerwald verlieren. Dort wird laut Plan die Bettenzahl um 459 auf künftig 7191 verringert. Der Plan bleibt nach all dem deutlich hinter den Empfehlungen von Landesrechnungshof (landesweit minus 1800 Betten) und dem vom Ministerium in Auftrag gegebenen IGES-Gutachten (minus 2700 Betten) zurück. Ziel sei es, eine flächendeckende Versorgung sowohl auf dem Land wie in den Städten zu gewährleisten, begründete die Ministerin gestern diese gravierenden Abweichungen. Der Experten-Rat sei zwar „sehr ernst genommen“ worden. Aber vor Ort habe sich die Realität doch etwas anders dargestellt als die am grünen Tisch angestellten theoretischen Überlegungen. Wäre das Ministerium den Abbau-Vorschlägen der Gutachter gefolgt, würde Rheinland-Pfalz um zehn Prozent unter dem Bundesdurchschnitt rangieren, fügte Bätzing-Lichtenthäler hinzu. „Das wäre für ein Flächenland wie Rheinland-Pfalz nicht hinnehmbar.“ Das 192.000 Euro teure Gutachten sei rückblickend jedoch keineswegs entbehrlich gewesen. Es habe nicht nur den Ist-Zustand beschrieben, sondern auch eine Prognose für den künftigen Bedarf geboten. Zusätzlich seien in den Plan die Erkenntnisse aus den Gesprächen mit den Krankenhaus-Trägern sowie mit dem Landeskrankenhaus-Planungsausschuss eingeflossen. Mit dem neuen Plan werden laut Bätzing-Lichtenthäler einige „grundsätzlich neue Ansätze“ verfolgt: Von der Detail- zur Rahmenplanung: Die Kliniken erhalten dadurch einen größeren Spielraum bei der Entwicklung des Versorgungsangebotes. Mit Ausnahme der Psychiatrie werden feste Bettenzahlen nur noch für spezielle Leistungsbereiche vorgegeben. Monitoring: Mehr als bisher soll darauf geachtet und reagiert werden, wenn die Bettenkapazitäten über einen gewissen Zeitraum nicht ausgelastet sind. Qualitätsbezogene Steuerung: Das Land wird Qualitätsvorgaben für die Krankenhäuser vorgeben. Zentren und Netzwerke werden gefördert. Das Risiko- und Entlassmanagement soll verbessert werden. Die stationäre Notfallversorgung soll flächendeckend gesichert werden. Regionale Gesundheitsakteure vernetzen: Abstimmungsprozesse sollen verbessert und Konzepte wie regionale Gesundheitskonferenzen gefördert werden. Der jetzt bis 2025 geltende neue Landeskrankenhausplan hat für die Kliniken erhebliche Bedeutung: Nur für solche Behandlungen, die in dem Papier aufgelistet sind, gewährt das Land Investitionsmittel. Auch die Krankenkassen tragen in der Regel nur für solche Leistungen die Kosten, die laut dem Plan auch gewollt sind. Kommentar Info Weitere Informationen zum neuen rheinland-pfälzischen Landeskrankenhausplan finden sich auf der Internetseite des Mainzer Sozial- und Gesundheitsministeriums: www.msagd.rlp.de

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