Rheinland-Pfalz Mediziner: Mehr gegen Ärztemangel tun

Die Wege zum nächsten Hausarzt könnten in den kommenden Jahren auch in Rheinland-Pfalz in verschiedenen Regionen deutlich weiter
Die Wege zum nächsten Hausarzt könnten in den kommenden Jahren auch in Rheinland-Pfalz in verschiedenen Regionen deutlich weiter werden.

«MAINZ.» Die rheinland-pfälzischen Kassenärzte haben gestern erneut vor drohendem Ärztemangel gewarnt. Auch bei den Zahnärzten könnten schon bald zahlreiche Praxen schließen, heißt es in einer Prognose der Kassenärztlichen Vereinigung (KV), die gestern in Mainz von Peter Heinz und Peter Matovinovic vorgestellt wurde.

Heinz ist Vorstand der KV Rheinland-Pfalz, in der unter anderem die Haus- und Fachärzte organisiert sind. Matovinovic führt die Kassenzahnärztliche Vereinigung (KZV). Nach der Prognose werden bis Ende 2013 voraussichtlich 1524 Zahnärzte aus Altersgründen ausscheiden. Das sind 57 Prozent aller derzeit in Praxen arbeitenden Kollegen. Würde davon kein einziger Zahnmediziner ersetzt, hätte dies verheerende Folgen für die Versorgung. Während zurzeit im landesweiten Schnitt für 1475 Einwohner ein Zahnarzt da ist, läge dieser Wert Ende 2023 bei 3367. Vor allem die Südwestpfalz sowie die Regionen Donnersberg und Germersheim blieben noch unter diesem Schnitt. Auch bei den Haus- und Fachärzten warnt die KV schon seit Jahren vor der Gefahr der Unterversorgung. In diesem Bereich werden bis Ende 2023 landesweit fast 3700 Mediziner in den Ruhestand gehen. Die beiden Ärzte-Funktionäre gehen davon aus, dass in den kommenden fünf Jahren allenfalls 40 Prozent der ausscheidenden Ärzte ersetzt werden können. Peter Heinz warnt zudem: Viele von denen, die kommen, werden nur in Teilzeit arbeiten, eine zunehmende Anzahl von Kollegen statt in der eigenen Praxis nur im Angestelltenverhältnis arbeiten wollen. Dieser Wandel der Lebensgestaltung junger Mediziner habe längst eingesetzt. „Die Botschaft ist: Der Onkel Doktor stirbt“, sagte Heinz. Gemeint ist der Hausarzt, der ganze Familien in seinem Sprengel kennt. Die Anzahl der Praxen werde sinken, die Menschen vor allem auf dem Land müssten sich auf längere Wege einstellen, sagen die Ärzte-Vertreter. Vor diesem Hintergrund haben Heinz und Matovinovic zahlreiche Forderungen an die Politik erneuert: Vom Bund verlangt die KV zum Beispiel eine sozial abgefederte Selbstbeteiligung der Patienten an den Kosten des Arztbesuchs. Damit will Heinz die „übertriebene Nutzung des Systems“ eindämmen. Eine Patientin in Rheinland-Pfalz habe in einem Quartal 34 Ärzte konsultiert. Vom Land fordern die Ärzte unter anderem die Einrichtung zusätzlicher Studienplätze für Medizin. Für die Zulassung dürfe nicht mehr überwiegend die Abiturnote ausschlaggebend sein. Von den Kommunen wollen die Berufsvertreter unter anderem Unterstützung bei der Einrichtung von medizinischen Versorgungszentren, in denen mehrere angestellte Ärzte unter einem Dach arbeiten. Kommentar

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