Rheinland-Pfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Malu Dreyer: Von der Regierungsbank in den SPD-Olymp

Die langjährige Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) setzt sich in der Stiftung ihres Mannes Klaus Jensen für Völkerverständigu
Die langjährige Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) setzt sich in der Stiftung ihres Mannes Klaus Jensen für Völkerverständigung und Demokratie ein.

Als Ministerpräsidentin und SPD-Interimsvorsitzende hat Malu Dreyer Geschichte geschrieben. Ihren Abschied von der Politik hat sie selbstbestimmt entschieden.

In der rheinland-pfälzischen SPD ist der Olymp kein hoher Berg. Den SPD-Olymp bilden genau drei Stühle in der ersten Reihe eines jeden Parteitags. Seit Sommer 2024 sitzt dort neben den früheren Regierungschefs Rudolf Scharping (78) und Kurt Beck, der seit Donnerstag 77 Jahre ist, auch Malu Dreyer, die am Freitag ihren 65. Geburtstag feiert. Als frühere Ministerpräsidentin steht sie mit ihren beiden Vorgängern für 35 Jahre SPD-geführte Landesregierung in Rheinland-Pfalz. Die drei werden verehrt in der SPD. Ihre Anwesenheit auf jedem Parteitag ist Ansporn und Verpflichtung für die nachfolgende Generation.

Nicht amtsmüde, aber müde

Im Juli 2024 gab Dreyer nach elf Jahren ihr Ministerpräsidentinnenamt auf. Sie sei zwar nicht amtsmüde, aber müde, hatte sie damals gesagt. Ihre Akkus ließen sich nicht mehr so schnell aufladen, die Kraft reiche nicht mehr aus, um dem Amt so gerecht zu werden, wie sie es selbst erwarte. Dreyer, die als Regierungschefin ungemein beliebt war im Land, ging selbstbestimmt. Diskret vorbereitet und reibungslos gelang der Übergang zu ihrem Nachfolger Alexander Schweitzer.

Geboren wurde Dreyer in Neustadt als Tochter einer Erzieherin und eines Schulleiters. Sie studierte Jura, wurde Staatsanwältin und wechselte 1995 zunächst als Bürgermeisterin der Stadt Bad Kreuznach dann als Sozialdezernentin in Mainz in die Politik. 2002 holte Beck sie als Sozialministerin in sein Kabinett. Ihm folgte sie 2013 an der Spitze der Regierung und schmiedete 2016 das Ampelbündnis, das bis heute weitgehend geräuschlos funktioniert.

Regierung geriet in die Kritik

Dreyers Gabe, auf Menschen zuzugehen, unaufgeregt zu vermitteln und zu moderieren, half ihr, als sie 2019 bewusst nur interimsweise an der Spitze der Bundes-SPD stand. Das Land führte sie durch die Corona-Pandemie, wegen der Flutkatastrophe im Ahrtal 2021 geriet ihre Regierung in die Kritik.

Dreyer, die mit ihrer Multiple-Sklerose-Erkrankung auch im Amt offen umging, lebt zusammen mit ihrem Mann Klaus Jensen in Trier und in Mainz. In dessen Stiftung engagiert sie sich für Friedenspolitik. Wichtig bleibt Dreyer, die bei ihrem Abschied als „höfliche Feministin“ bezeichnet wurde, die Frauenpolitik und natürlich die SPD. Vergangenes Wochenende war sie zum Wahlkampf im Donnersbergkreis. Der SPD-Olymp bedeutet eben Arbeit – und keine göttliche Ruhe.

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