Rheinland-Pfalz
Ludwigshafener Hochstraße Süd: Baumstämme stützen Brücke
Aufatmen in Ludwigshafen: Das Abrisskonzept für die einsturzgefährdete Pilzhochstraße liegt auf dem Tisch. Binnen fünf Monaten soll das 500-Meter-Teilstück der Hochstraße Süd aus dem Stadtbild verschwinden. Der Ersatzbau könnte bis 2025 stehen – falls der Bund die gesetzlichen Voraussetzungen dafür schafft.
Einerseits müssen sich die Bewohner der Ludwigshafener Innenstadt bis zum Frühsommer auf erhebliche Belastungen einstellen. In geschätzten 100 Arbeitstagen müssen 25.000 bis 30.000 Tonnen Bauschutt entsorgt werden. Das entspricht 40 bis 50 Lkw-Fahrten täglich. Hinzu kommen die Staubentwicklung und der Lärm. Andererseits gibt es jetzt ein Licht am Ende des Tunnels, denn der Abriss des maroden Südtrassenabschnitts soll in einer relativ überschaubaren Zeit über die Bühne gehen. Bis zum Stadtfest (26. bis 28. Juni) soll die Pilzhochstraße schrittweise abgetragen sein. Dass dies machbar ist, daran ließ Stefan Feldmann am Montag keinen Zweifel. „Ich bin überzeugt davon, dass wir den Terminplan einhalten können.“ Der 37-Jährige ist Technischer Leiter der vor 56 Jahren gegründeten Abrissfirma Moß, die im Dezember von der Stadt mit dem Rückbau beauftragt worden war. In Lingen im Emsland beschäftigt sie 160 Mitarbeiter und hat sich auf den Rückbau von Brücken in dicht besiedelten Gebieten spezialisiert. Der eigentliche Abriss sei daher auch gar nicht das Problem, sagte Feldmann – die heiklere Aufgabe sei es, die Trasse so zu stabilisieren, dass sie während der Arbeiten nicht unvermittelt einstürzt.
Atemberaubende Konstruktion
Moß setzt dabei auf eine atemberaubende Konstruktion aus Holz, weil diese am belastbarsten und das Material schnell zu besorgen sei. Längs- und querverspannte Stämme aus Nadelholz werden dabei von ferngesteuerten Schwerlastern unter die Brücke geschoben. Insgesamt 2500 Stämme – Durchmesser: 30 Zentimeter, Länge: 7,50 Meter – sind dafür nötig. Laut Feldmann werden sie bereits gefällt und dann aus dem Sauerland angeliefert. Am Moß-Sitz in Lingen wird vorab ein Prototyp gebaut. Ferngesteuert werden die Wagen deshalb, weil Arbeiten unterhalb der Brücke aus Sicherheitsgründen nicht erlaubt sind. Wenn die Baustelle Ende Januar eingerichtet ist, soll ab Februar das erste von zehn Einzelbauwerken direkt an der Konrad-Adenauer-Brücke bis Mitte/Ende März von insgesamt vier Baggern abgetragen werden. Der schwerste Bagger wiegt 70 Tonnen. Vor allem dessen Schere soll die 60 Jahre alte Stahl-Beton-Konstruktion portionsweise „zerbeißen“. Das Abbruchmaterial soll zum Großteil wiederverwertet werden. Mit mehreren Firmen aus der Region stehe er deshalb in Kontakt, so Feldmann. Es gebe ein rege Nachfrage. Ferngesteuert wird auch die Fräse, die den Straßenbelag abträgt. Über ein Förderband und eine Röhre wird der Schutt per Druckluft nach unten gepumpt und dann abgefahren. Feldmann rechnet mit bis zu 1500 Lkw-Ladungen Abbruchmaterial.
Bis Mai soll Straßenbahn wieder regulär fahren
Die gute Nachricht für Pendler: Bis Mai soll der seit 22. November umgeleitete Straßenbahnverkehr wieder weitgehend regulär laufen – in Ludwigshafen wie auch über die Rheinbrücken nach Mannheim. Um den Ersatzbau innerhalb von fünf Jahren zu errichten, benötigt die Stadt die Hilfe des Bundes. Der Zeitplan ist laut Björn Berlenbach, Leiter der städtischen Tiefbausparte, nur einzuhalten, wenn in Berlin demnächst das Planungsbeschleunigungsgesetz verabschiedet wird – es garantiert verkürzte Genehmigungsverfahren. Die reinen Abrisskosten liegen laut Berlenbach bei 8,5 Millionen Euro. Mit 5,35 Millionen Euro habe das Moß-Angebot unter dem EU-Schwellenwert gelegen, weshalb eine nationale Ausschreibung ausreichend gewesen sei. Das Abriss-Gesamtpaket inklusive weiterer Zusatzleistungen liege bei 15 Millionen Euro.