Coronavirus RHEINPFALZ Plus Artikel Ludwigshafener Covid-Register gibt Infos über Krankheitsverläufe und Todesursachen

Studienleiter Gitt präsentiert die Zahlen. Diese Darstellung zeigt, dass 80 Prozent der Patienten mit Symptomen direkt von zu Ha
Studienleiter Gitt präsentiert die Zahlen. Diese Darstellung zeigt, dass 80 Prozent der Patienten mit Symptomen direkt von zu Hause in die Krankenhäuser kommen. Der Anteil der Männer ist höher als jener der Frauen.

Wie lange liegen Corona-Patienten im Krankenhaus? An welchen Symptomen leiden Erkrankte? Welche Todesursachen überwiegen? Können Kliniken die weiter steigende Belastung stemmen? Antworten darauf liefert das Covid-19-Register. Erste Ergebnisse und vorsichtige Prognosen.

Die Pandemie hält auch das rheinland-pfälzische Gesundheitssystem in Schach: In den nächsten Wochen muss sich das Personal der landesweit 77 Krankenhäuser (97 Standorte, darunter Verbundstandorte) auf eine deutlich steigende Anzahl von Corona-Patienten einstellen. Das lässt sich aus den am Freitag in Ludwigshafen vorgestellten Zwischenergebnissen des Covid-19-Registers Rheinland-Pfalz ableiten.

Jeder fünfte Patient wurde beatmet

Für die im April gestartete Studie des Instituts für Herzinfarktforschung und des Gesundheitsministeriums wurden bisher 274 stationär behandelte Covid-19-Patienten erfasst (162 Männer, 112 Frauen). 80 Prozent der Patienten waren älter als 50 Jahre. „Die stationäre Behandlung dauerte im Schnitt 15 Tage“, berichtete Anselm Gitt als Leiter der vom Land finanzierten Studie. Er ist Oberarzt am Ludwigshafener Klinikum.

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Von den 274 Patienten mussten seinen Angaben zufolge etwa 20 Prozent beatmet werden. Wegen einer notwendigen Langzeitbeatmung mussten mehr als 40 Prozent dieser Patienten im Verlauf des Aufenthalts mit einem Luftröhrenschnitt versorgt werden. Sieben Prozent der Intensiv-Patienten unterstützte eine Herz-Lungen-Maschine. Die Beatmungsdauer belief sich auf im Schnitt 16,5 Tage.

Lungenversagen häufigste Todesursache

Die Sterblichkeit der stationär behandelten Corona-Patienten betrug laut Gitt fast 18 Prozent und war bei mehr als der Hälfte durch ein Lungenversagen verursacht. Zudem hätten zusätzliche bakterielle Infektionen, Störungen der Blutgerinnung mit Embolien und Herz-Kreislaufkomplikationen zur Sterblichkeit beigetragen.

Etwa sieben Prozent aller mit dem Virus infizierten Patienten benötigten im Verlauf ihrer Infektion eine stationäre Behandlung, von diesen wiederum fast 22 Prozent eine intensivmedizinische Therapie. Den Registerdaten zufolge sind die häufigsten Symptome für eine Coivid-19-Erkrankung Fieber und Husten (jeweils rund 56 Prozent), Kurzatmigkeit (36) sowie Müdigkeit und Mattheit (35). Gitt: „Die stärksten Symptome waren Fieber und Husten, hingegen war der Geruchs- oder Geschmacksverlust eher gering.“

Ministerin: Notquartiere kein Thema

Gitt zufolge haben die tagesaktuellen Meldungen stationärer Covid-19-Patienten in Rheinland-Pfalz seit Oktober wieder stark zugenommen. Diese Entwicklung verlaufe mit einem Verzug von zehn bis 14 Tagen proportional zu dem Anstieg der durch das Robert-Koch-Institut gemeldeten Neuinfektionen. Aus diesen für Rheinland-Pfalz erhobenen Daten lasse sich eine vorsichtige Prognose der zu erwartenden zusätzlichen stationären Corona-Patienten berechnen. Unter der Annahme gleichbleibender Infektionszahlen sei daher bis Mitte Dezember mit einem weiteren Anstieg der Patientenzahlen zu rechnen, berichtete Gitt.

Können die Kliniken das stemmen? Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD) ist zuversichtlich: „Es ist uns gelungen, die Zahl der Intensivbetten zu verdoppeln und über 2000 Pflegekräfte zu qualifizieren“, sagte sie. Das Land habe rund 500 Beatmungsgeräte angeschafft. Die Krankenhäuser seien gut gerüstet. Präventive Corona-Notquartiere, wie im Frühjahr in der Ludwigshafener Eberthalle, seien kein Thema.

Hans-Friedrich Günther, Geschäftsführer des Ludwigshafener Klinikums, meinte zu den Aussichten für die nächsten Monate: „Wir erwarten einen heißen Winter.“

Das am Klinikum Ludwigshafen ansässige Institut für Herzinfarktforschung führt seit Anfang April in Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsministerium das Covid-19-Register Rheinland-Pfalz durch. Es dokumentiert und charakterisiert alle stationär behandelten Patientinnen und Patienten mit gesicherter Covid-19-Infektion landesweit. Zusätzlich zu diesem Krankheitsregister wird ein Kapazitätsregister aller rheinland-pfälzischen Kliniken geführt.

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