Rheinland-Pfalz Lewentz: „Bauunfall“ Ursache für Brückenschäden

MAINZ (nob). Die Sperrung der Schiersteiner Brücke hat gestern erstmals den rheinland-pfälzischen Landtag beschäftigt. Die Schäden an der Rheinüberführung zwischen Mainz und Wiesbaden seien Folge eines Unfalls bei Bauarbeiten, sagt die Landesregierung. Die CDU-Opposition sieht das anders: Die rot-grüne Koalition verschleppe Neubauten und vernachlässige die Unterhaltung bestehender Brücken.
Wie berichtet, ist die Straßenverbindung zwischen den beiden Landeshauptstädten seit vergangener Woche für den Verkehr gesperrt. Das sorgt seither für lange Staus vor allem in und um Mainz. „Nach allen bisherigen Erkenntnissen“ sei nicht Verschleiß Ursache der Brückenschäden, sagte Verkehrsminister Roger Lewentz (SPD) im Innenausschuss des Landtags. Der „Bauunfall“ hätte auch passieren können, wenn die derzeitigen Arbeiten fünf Jahre früher begonnen worden wären. Der Hintergrund des Disputs: Seit 2013 baut das Land Hessen im Auftrag des Bundes die neue sechsspurige Schiersteiner Brücke samt neuer Vorlandbrücke, der Zuführung auf das eigentliche Brückenbauwerk über den Rhein. Die alte Brücke soll später abgerissen werden. In Rheinland-Pfalz wird weiterhin erbittert gestritten, ob die Autobahn zwischen dem Dreieck Mainz und der Brücke ebenfalls sechsspurig ausgebaut werden soll. Vor allem die Grünen sind dagegen. Als Zwischenlösung wird die bestehende Vorlandbrücke verstärkt und um eine Plattform ergänzt, über die der Verkehr auf die neue Brücke geführt werden soll. Bei diesen Verstärkungsarbeiten wurden nach Darstellung des technischen Geschäftsführers des Landesbetriebs Mobilität, Bernd Hölzgen, in der vergangenen Woche an einem Pfeiler Bohrungen für zusätzlich Fundamentstützen niedergebracht. Dabei habe sich der Pfeiler geneigt und die Risse in der Fahrbahn seien entstanden. Warum dies geschah, müsse noch genau geklärt werden. Andere Ursachen seien aber sehr unwahrscheinlich. Der CDU-Abgeordnete Gerd Schreiner übte heftige Kritik an der Landesregierung. In Hessen werden Brücke und Vorlandbrücke neu gebaut. Rheinland-Pfalz hingegen betreibe Flickschusterei an dem beschädigten Teilstück, auf dem seit Jahren Tempo 60 gelte, weil es sonst den Belastungen nicht mehr standhalten würde. Rot-Grün habe die Planungen für eine neue Vorlandbrücke um weitere vier Jahre verschleppt. Hölzgen kündigte an, der betroffene Pfeiler werde bis voraussichtlich Ende März durch zwei zusätzliche Stahlbetonstützen weitgehend entlastet. Dann solle die abgesackte Fahrbahn hydraulisch angehoben und dauerhaft ins Lot gebracht werden. Die Kosten von einer Million Euro werde der Bund als Mehrkosten der Vorlandbrücken-Ertüchtigung tragen. Ab Ende März soll zumindest der Pkw-Verkehr wieder rollen. Ob die Konstruktion nach der Reparatur auch Lkw aushalten wird, konnte Hölzgen gestern noch nicht sagen. Lewentz und Hölzgen räumten ein, die mehr als 7500 Brücken im Land an Bundes-, Landes oder Kreisstraßen seien inzwischen in die Jahre gekommen, zumal der Verkehr inzwischen dramatisch zunehme. Der mittelfristige Finanzbedarf für die Sanierung in Höhe von 50 Millionen Euro sei im Haushalt eingeplant. Oppositions-Chefin Julia Klöckner hingegen kritisierte, der Etat für Landesstraßen sei deutlich unterfinanziert. Rot-Grün müsse aufhören, Infrastruktur-Projekte stiefmütterlich zu behandeln. Auch der Landesrechnungshof hatte wiederholt vor einem Sanierungsstau gewarnt und den Bedarf auf 130 Millionen Euro beziffert. Lewentz hat gestern in einem Brief an die Lokführergewerkschaft GDL appelliert, im Falle eines Streiks das Rhein-Main-Gebiet auszusparen, um nicht ein Verkehrschaos bisher unbekannten Ausmaßes auszulösen.