Rheinland-Pfalz
Kommentar zu Messerangriffen: Fakten statt Fake
Eine solide Statistik widerlegt, dass es massenhaft Angriffe ausländischer „Messermänner“ gibt. Fakten entkräften politische Hetze.
Auf diese Erkenntnis musste die Öffentlichkeit lange warten: Den „Messermann“ als Massenphänomen, wie ihn die „Bild“-Zeitung oder mancher AfD-Politiker heraufbeschwört, gibt es nicht. Zumindest für Rheinland-Pfalz hat das Justizminister Herbert Mertin (FDP) ebenso nüchtern wie eindrucksvoll nachgewiesen.
Die Anzahl ist nach 2015 niedrig geblieben
Die Gefahr, Opfer eines Messerangriffs zu werden, ist in den vergangenen Jahren nicht dramatisch angestiegen, wie es interessierte Kräfte aus der rechten Ecke glauben machen wollen. Die Zahlen sind nach dem Zuzug zahlreicher Flüchtlinge in den Jahren 2015 und 2016 niedrig geblieben. 2018 war bei Gewaltstraftaten 29 Mal ein Messer im Spiel, 22 Mal fünf Jahre zuvor. 2013 waren 84 von 260 verurteilten Gewaltverbrechern Ausländer, 2018 waren es 85 von 273. Einer davon war Abdul D., der die 15-jährige Mia in Kandel erstochen hat.
Künftige Entwicklungen beobachten
Mit großem Aufwand hat die Justiz diese Zahlen zusammengetragen. Um die künftige Entwicklung zu beobachten, erfassen die Innenminister der Länder seit Jahresanfang Straftaten, bei denen ein Messer im Spiel war, gesondert. Die Daten liegen erst im nächsten Jahr vor. Spät, aber besser als nie. Schon mit den Fakten aus dem Justizministerium können die (partei-)politisch aufgeheizten Debatten abgekühlt werden, wird das Schüren von Ängsten schwieriger.
Um nicht falsch verstanden zu werden: Im Einzelfall muss hinterfragt werden, ob es Versäumnisse gegeben hat – auch politisch. Ob mehr Plätze in einem Frauenhaus den Tod einer misshandelten Ehefrau verhindert hätten oder ob die Praxis der Altersfeststellung bei unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen strenger werden muss. Aber zu behaupten, massenhaft würden Flüchtlinge mit Messern Menschen angreifen, das geht nicht mehr.
