Rheinland-Pfalz Kommentar: Schwung für Europa

Bei der Aufstellung der Kandidaten für die Europawahl darf die
Parteiarithmetik nicht den Sinn für die Bestenauswahl vernebeln.
Die Europawahl 2019 könnte zur Schicksalswahl werden. In welcher Stärke ziehen die europafeindlichen, populistischen bis nationalistischen Kräfte in das Parlament ein? Wie statten die Bürger der nach dem Brexit nur noch 27 Länder zählenden Europäischen Union jene Parteien aus, die Europa in der EU weiterentwickeln wollen. Jenem – bei all seinen Mängeln – großartigen Projekt, das seit Jahrzehnten den Frieden sichert und den Bürgern die größtmögliche Freiheit und Demokratie gewährt. Um Europa zu retten, müssen die pro-europäischen Parteien ihre besten Leute schicken. Das sind nicht immer die verdienten, die vor dem Ruhestand noch einmal den Horizont erweitern wollen und sich ansonsten eher geräuschlos ins Getriebe einreihen. Ein ehrgeiziger und gut vernetzter SPD-Generalsekretär Daniel Stich wäre ein spannender Kandidat gewesen. Mit der Ludwigshafener Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck ist der Beweis angetreten, dass Europa keine Einbahnstraße zur sicheren Rente sein muss. Vom Schwung, vom Ehrgeiz und dem sichtbaren Brennen der Kandidaten wird es auch abhängen, ob sich die Wähler dafür begeistern. Oder ob sie jenen folgen, die mit Feuereifer die europäische Idee vernichten und die nationale Abschottung vorantreiben wollen. Das müssen die Parteien bei der Listenaufstellung vor Augen haben – mehr als Ancienität, Quote und Regionalität. Das Potenzial haben sie.
