Rheinland-Pfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Kommentar: In der Schulpolitik muss die AfD nachsitzen

Lehrer und AfD-Vize-Fraktionschef: Michael Frisch.
Lehrer und AfD-Vize-Fraktionschef: Michael Frisch. Foto: AfD

In Schulnoten ausgedrückt, verdient der Vorstoß der AfD-Fraktion im Mainzer Landtag ein „Mangelhaft“. Die Rückkehr zum dreigliedrigen Schulsystem durch die drastische Einschränkung des Elternwillens zu erzwingen, ist eine Kampfansage an Väter und Mütter und an das Miteinander von Schule und Elternhaus.

Dabei ist die Analyse der stellvertretenden AfD-Fraktionsvorsitzenden Joachim Paul und Michael Frisch, beides ausgebildete Lehrer, richtig: Der Realschule plus fehlt es an Akzeptanz, den Betrieben mangelt es an Schülern, die bereit und qualifiziert genug sind für einen erfolgreichen Start in einen handwerklichen oder gewerblichen Beruf.

Es gibt nicht pauschal zu viele Akademiker

Dass es Kinder gibt, die ein Gymnasium besuchen und dort überfordert sind, stimmt ebenfalls. Das alles ist nicht neu. Ob es jedoch tatsächlich zu viele Akademiker gibt, lässt sich angesichts des Mangels an Ingenieuren und Naturwissenschaftlern nicht so pauschal sagen, wie es bei den AfD-Politikern klingt. Ihre Lösungsansätze jedoch sind völlig ungeeignet: Eine „Handwerks- und Gewerbeschule“, in die letztlich all jene Kinder gezwungen werden, deren Leistungen in der Grundschule nicht für eine Realschule oder ein Gymnasium ausreichen, kann dem Fachkräftemangel nicht abhelfen.

Mathe ist in vielen Handwerksberufen gefragt

Die mangelnde gesellschaftliche Akzeptanz handwerklicher und gewerblicher Berufe lässt sich nicht dadurch beheben, dass eine ganze Schulart nach ihnen benannt wird. Die Annahme, dass Kinder, die schlecht schreiben und rechnen, „vorwiegend praktisch begabt“ seien, ist falsch und wird durch Wiederholung nicht richtig. In vielen Handwerksberufen sind außerdem mehr mathematisch-naturwissenschaftliche Fähigkeiten nötig, als sie zum Beispiel Juristen abgefordert werden.

Dass Frisch und Paul eingestehen mussten, die Rolle der Integrierten Gesamtschulen noch nicht bedacht zu haben, gibt weiteren Punktabzug. Will die AfD in der Bildungspolitik ernstgenommen werden, muss sie kräftig nachsitzen.

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