Rheinland-Pfalz Kommentar: Ein Wegweiser

Das Leben ist im Fluss, das Leben rollt weiter. Gestern ganz sinnbildlich: Tausende fuhren mit dem Fahrrad die Weinstraße entlang, feierten, freuten sich an Landschaft und Menschen. Etliche werden dabei für ein paar Momente oder auch mehr an jenen Mann gedacht haben, der den Erlebnistag 1985 mit konzipiert und realisiert hatte: Dieter Hörner. Der Journalist, Politiker, Verleger und Ex-Ortsbürgermeister von Bornheim war im Mai überraschend gestorben. Er fehlte gestern. Gedacht war der Erlebnistag ursprünglich als einmalige Veranstaltung aus Anlass des – nicht ganz unproblematischen – Jubiläums „50 Jahre Deutsche Weinstraße“. Doch der Erfolg machte klar: Dieses längste Weinfest der Welt musste fortgesetzt werden. So wurde der Weinstraßentag zum Klassiker und zum Vorbild für all die autofreien Sonntage, die es mittlerweile in Deutschland gibt. Dieter Hörner war der Mentor des Erlebnistages: ein Multitalent, dessen Kreativität und Erfahrungsschatz keine Grenzen zu kennen schien. So drückte er jedem Erlebnistag fast unmerklich seinen Stempel auf. In den Vordergrund gespielt hat er sich dabei nicht. Beim Erlebnistag traf man ihn oft irgendwo an der Strecke – mit dem obligatorischen Strohhut auf dem Kopf. Und mit diesem verschmitzt-knorrigen Lächeln im Gesicht. Dieses Bild haben gestern sicherlich manche vermisst. Bei der Planung dieses mittlerweile 29. Weinstraßentages hatte Hörner noch mitgemischt, organisiert, inspiriert. Dass beispielsweise in Eschbach die Esel am Dorfbrunnen standen, war seine Idee gewesen. Aus vielen kleinen solchen Details und Aktivitäten wurde so jedes Mal die große Zugnummer Weinstraßentag. Die 30. Auflage im nächsten Jahr müssen nun andere alleine stemmen. Kreativ, ideenreich und pfiffig – wie Hörner das getan hat.