Rheinland-Pfalz
Kolumne: Warum auch Dagobert Duck das Speyerer Goldstück nicht bekommen hätte
Für Anleger sind die Sammlermünzen des Bundes normalerweise nicht interessant. Bei der 100-Euro-Münze „UNESCO-Welterbe Dom zu Speyer“ war dies aber völlig anders.
Dagobert Duck ist eine der berühmtesten Enten der Welt. Und der Geizhals aus Entenhausen liebt eines ganz besonders: das Schwimmen in den Golddukaten, die er in seinem Geldspeicher angehäuft hat. Ob es tatsächlich ratsam ist, sich wie Dagobert Duck per Kopfsprung in die Münzen hineinzustürzen, sei dahingestellt. Auf jeden Fall hat diese Comic-Ente genug Zaster, um darin zu baden.
Alle wollen den Dom-Taler haben
Doch auch das Finanzgenie Dagobert Duck hätte wohl sehr kleine Brötchen backen müssen, wenn er seinen Geldspeicher mit dem neuen Goldtaler des Bundesfinanzministeriums hätte weiter auffüllen wollen. Denn die 100-Euro-Münze „UNESCO-Welterbe Dom zu Speyer“ war solch ein Verkaufsschlager, dass viele Sammler offenbar leer ausgingen. Und Speyerer leider ebenso. Denn alle wollten plötzlich diese Münze haben.
50 Euro Gewinn mit einer Goldmünze
Ausgabetag für das edle Stück – mit der Domsilhouette auf der einen und dem Bundesadler auf der anderen Seite – war der 1. Oktober gewesen. Doch das Gold für die Auflage von 175.000 Exemplaren hatte sich der Bund bereits im April zur damaligen Börsennotierung besorgt – der reine Goldpreis für die Münze lag seinerzeit bei etwa 575 Euro. Auf dieser Grundlage war dann auch der Verkaufspreis für die 15,5 Gramm (eine halbe Unze) schwere Münze aus Feingold festgelegt worden: 626,98 Euro sollte das Exemplar kosten. Doch in den Wochen danach explodierte der Goldpreis, kurz vor Ende der Bestellfrist im September lag er bei rund 680 Euro für die halbe Unze – mehr als 50 Euro Gewinn waren also beim Kauf dieser Münze drin.
Auflage von 175.000 Stück mehrfach überzeichnet
Wie viele Bestellungen es letztlich gab und wie viele Interessenten nicht zum Zuge kamen, darüber schweigt sich das Bundesverwaltungsamt, das den Verkauf solcher Sammlermünzen des Bundes abwickelt, offiziell aus. Hierüber führe man keine Statistik, sagt Referatsleiter Mathias Bamberg. Nur so viel verrät er: Das Interesse an dieser Goldmünze sei im Verhältnis zu den vorherigen Goldmünzen „außergewöhnlich“ gewesen. Intern heißt es, dass die Emission mehrfach überzeichnet gewesen sei. Ein Indiz dafür: Händler bieten die Speyerer Dom-Münze inzwischen für stolze Preise an, die von 708 bis 799 Euro reichen.
Nachprägung nicht vorgesehen
Im Nachhinein zeigt sich auch das Bundesverwaltungsamt von dem Ansturm etwas überrascht: In den vergangenen Jahren habe der Preis der 20-, 50- und 100-Euro-Goldmünzen der Bundesrepublik stets über dem Goldpreis am jeweiligen Ausgabetag gelegen, sagt Bamberg. Im Fall des Speyerer Verkaufsschlagers wollte man aber nachträglich nichts mehr an der im Frühjahr fixierten Preisgestaltung drehen: Es handele sich schließlich nicht um eine Anlagemünze, sondern um eine limitierte Sammlermünze, was ja letztlich deren besonderen Charakter und Reiz ausmache. An eine Nachprägung denkt man deshalb nicht. „Das ist nicht vorgesehen“, sagt Bamberg.
Wo Dogobert Duck selbst auf einer Münze prangt
Zumindest Dagobert Duck müsste sich darüber nicht grämen. Denn er könnte stattdessen Goldtaler kaufen, die sein eigenes Konterfei samt Stock und Geldsacke zeigen. Eine neuseeländische Prägestätte hat solch eine Dagobert Duck-Münze zuletzt herausgebracht. Die Auflage von 25.000 Stück ist noch nicht vergriffen. Der Ducksche Golddukat ist allerdings doppelt so schwer wie das Speyerer Dom-Exemplar – und obendrein dreimal so teuer: 1822,30 Euro. Zuviel für einen alten Geizkragen wie Dagobert?