Rheinland-Pfalz Kolumne: Noch ein Weihnachtsmarkt
Auf den ersten Blick ist es ein Weihnachtsmarkt wie jeder andere. Viel Bastelwerk und auch hohe Handwerkskunst werden angeboten: Weihnachtsschmuck und Kerzenständer, Figuren vom Tannenbaum, vom Weihnachtsmann mit Hirsch oder Elch, Sterne hier, Kometen da. Schon aufwendiger das Vogelhaus, ausgebaut als Nistgelegenheit oder offen als Futterplatz. Insektenhotels in Varianten. Viel Handwerk steckt in den Metallarbeiten bis hin zum opulenten Eisenbahn-Modell aus Stahl und Blech. Und nicht zuletzt gibt es, wenn schon keine Brat-, so doch eine Bockwurst für den hungrigen Besucher und dazu gerne auch einen Glühwein.
Nach wenigen Stunden ist schon Schluss
Aber trotzdem ist es kein normaler Weihnachtsmarkt. Nicht nur weil das obligatorische Kinderkarussell fehlt. Er ist auch nicht an vielbesuchter Stelle in der Stadt. Im Gegenteil, ziemlich versteckt ist der Markt im Innenhof des Justizministeriums. Außer den Bediensteten dort und ein paar Einzelnen aus anderen Ministerien, kommen allenfalls eine Handvoll Besucher aus der unmittelbaren Nachbarschaft des Ministeriums. Nach knapp drei Stunden ist ohnehin Schluss. Feierabend bis nächstes Jahr.
Einmal in der Adventszeit lädt der Justizminister zum Weihnachtsmarkt der Justizvollzugsanstalten. Gezeigt und verkauft wird alles, was dort zu diesem Zweck gebastelt und gewerkelt worden ist. In diesem Jahr waren die zehn Gefängnisse des Landes fast ausnahmslos vertreten.
Teil der Beschäftigungstherapie
Sinnvolle Beschäftigung gehöre „zur Behandlung der Kunden“, wie es im Jargon der Ministeriumsabteilung Strafvollzug heißt. Also darf Basteln, wer Lust und Laune hat. Manchmal ist es auch Teil der Beschäftigungstherapie. Immer finden die Bastelstunden in den gut ausgestatteten Gefängnis-Werkstätten statt. Dort werden nicht nur beruflich nutzbare Qualifikationen vermittelt. Dort malochen auch arbeitswillige Gefangene auf Rechnung externer Auftraggeber. Immerhin neun bis zehn Millionen Euro setzen die Gefängnisbetriebe des Landes pro Jahr um. Dem einzelnen Malocher kann es je nach Qualifikation acht bis 16 Euro Taschengeld pro Tag einbringen.
Und warum gehen die Justizvollzugsanstalten mit den ansprechenden Bastelwerken ihrer „Kundschaft“ nicht auf die normalen Weihnachtsmärkte? Dafür würde das vorhandene Bastelgut nicht ausreichen, heißt es augenzwinkernd. Wir wollen an dieser Stelle nicht bezweifeln, dass dies der Hauptgrund ist.