Rheinland-Pfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Kolumne: Faires Fest – oder warum ein Tannenbaum-Verzicht nicht sein muss

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Karikatur: Mercker

Weihnachten – es gibt Menschen, denen ist das Fest aus unterschiedlichen Gründen nicht wichtig, während andere nicht früh genug mit dem Planen beginnen können. Schon im September fragen sie in der Whatsapp-Gruppe, wer wann an welchen Festtagen vorbeikommt. Oder bestellen auf einem Pfälzer Wochenmarkt das Festessen mit einer Präzision vor, die daneben Stehende selbst eine Woche vor dem 24. nicht an den Tag legen.

Abgesehen vom Organisatorischen kann das Fest der Liebe (?), des Konsums (?) Anlass zu grundsätzlichen Fragen sein. Wie öko kann Weihnachten sein? In besagter Zeit gibt es deutlich mehr Verpackungsmüll, manche sprechen von bis zu zehn Prozent. Die Geschenke hinterlassen einen noch größeren ökologischen Fußabdruck. Richtig schenken, weniger schenken oder Zeit schenken, sind Optionen nicht nur der Umwelt zuliebe.

Vorschlag ohne Wirkung für Klimaschutz

Auch die Landauer Geschäftsleute haben sich über ein Öko-Fest so ihre Gedanken gemacht. Und dabei die Wellen, die ihr Vorstoß schlug, in diesem Jahr auch aus Klimaschutzgründen das Aufhübschen der Innenstadt mit echten Tannenbäumen deutlich abzuspecken, offenbar unterschätzt. Sie schafften es bundesweit in die Schlagzeilen, um dann im Nachhinein noch zu hören, dass ein solcher Plan der Umwelt gar nichts bringt.

Klar ist, wer auf einen Weihnachtsbaum verzichtet, tut nur wenig für den Umweltschutz. Denn für Weihnachtsbäume werden keine Wälder abgeholzt. Und: Alle Bäume binden erst einmal CO2 – egal ob Nordmann- oder Normaltanne. Aber: Weihnachtsbaum ist nicht gleich Weihnachtsbaum. Christbäume werden in eigenen Kulturen, auch auf Trassen unter Strommasten, gezüchtet. Die meisten Züchter arbeiten mit Pestiziden. Dazu steht einer der größten Tannenbaumlieferanten in Rheinland-Pfalz, Georg Valder, mit seinem Tannenhof im Norden des Landes ganz offen. Zehn Millionen Nordmanntannen habe er auf 120 Hektar Boden.

Der ganze „Bio-Kram“ ist nichts für den Züchter

Bis sie nach zehn Jahren abgesägt werden, spritzt er in den ersten Wachstumsjahren Glyphosat – später sei das nicht mehr nötig, wenn der Schatten der Bäume dem Unkraut den Spaß am Wachsen nimmt. Auch gegen Pilze und Insekten müsse er spritzen, „alles Mittel, die auch Weinbauern einsetzen“. Der ganze „Bio-Kram“ sei nichts für ihn, den Mann, der vom Niedrigpreisgeschäft lebt, und in seinem Betrieb ohne Festangestellte, aber mit 15 Saisonkräften auskommt. Die Kunden seien nur an billig interessiert, findet er. „15 bis 25 Euro für eine Tanne.“

Die rheinland-pfälzische Tannenbaumproduktion ist verglichen mit der in Nordrhein-Westfalen, dem deutschen Hauptlieferanten, nur von geringer Bedeutung. Der Verband der rheinland-pfälzischen Waldbesitzer schätzt, dass heimische Anbieter jährlich etwa 800.000 Weihnachtsbäume liefern. Waldbäume machten dabei nur etwa fünf Prozent aus. Verbandschef Wolfgang Schuh beurteilt die Landauer Debatte als ökologisch „absurd“ – was ihm vielmehr Sorgen macht, ist die steigende Anzahl der Kunden, die für den 24. Dezember einen Plastikbaum „aufspannen“.

Nicht nur öko, auch noch „fair“

Wer auch fürs Fest den Ökogedanken konsequent umsetzen will, kann dies mir zertifizierten Pflanzen tun, wirbt dagegen die Behörde Landesforsten in Koblenz. Landesforsten betreut unter anderem den rheinland-pfälzischen Staatswald. Dort haben sie aktuell fünf, bis zu Saisonbeginn acht Weihnachtsbaumkulturen mit FSC-Siegel. Nur: So einen Baum ohne Gift und Kunstdünger gibt es eben nicht für 25 Euro. Dafür sind 40 bis 60 Euro nötig – Event inklusive: Baum aussuchen im Advent. In der Pfalz machen beim Siegel die Forstämter Donnersberg, Kaiserslautern, Otterberg sowie Johanniskreuz mit. Außer öko sollen diese Bäume auch noch „fair“ sein, weil das Tannen-Saatgut unter fairen Arbeitsbedingungen und von ökologisch produzierten Christbäumen stamme. Ganz neue Perspektiven: ein faires Fest?...

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