Rheinland-Pfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Kolumne: „Das perfekte Geheimnis“ ist ein Kinohit – liegt das am Pfälzer Wein?

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Karikatur: Mercker

Dieser Coup verblüfft auch 15 Jahre später noch ob seiner Schlitzohrigkeit und Chuzpe. 120.000 Euro hatte das Mainzer Landwirtschafts- und Weinbauministerium dafür gezahlt, dass in der ZDF-Vorabendserie „Sabine!“ reichlich Weine aus Rheinland-Pfalz getrunken wurden. „Product Placement“ heißt diese umstrittene Art von bezahlter Schleichwerbung. Das Geschäft sah zudem vor, dass für „Sabine!“ auch im Berliner Restaurant „Lindenlife“ Szenen gedreht wurden. An diesem Lokal, in dem ausschließlich rheinland-pfälzische Weine kredenzt wurden, war das Land über seine Investitions- und Strukturbank (ISB) zu 20 Prozent beteiligt.

Eingefädelt hatte dies alles der damalige Mainzer Wirtschafts- und Weinbauminister Hans-Artur Bauckhage (FDP). Der verteidigte den Deal mit dem ZDF auch dann noch, als er ruchbar wurde: „Wir haben mit der ZDF-Serie pro Folge vier bis fünf Millionen Zuschauer erreicht, das kann man mit herkömmlicher Weinwerbung gar nicht erreichen.“

Der Kurzauftritt des Weinbauministers

Das I-Tüpfelchen war – im Nachhinein betrachtet – freilich Bauckhages eigener Kurz-Auftritt in der Serie. Die Szene: Als das „Lindenlife“ wieder einmal Ort des Geschehens ist, empfiehlt dort der Kellner Pfälzer Riesling – und bekräftigt: „Unser Weinbauminister und seine Gäste trinken ihn auch gerade.“ Ein Kamera-Schwenk zeigt für einen Moment Weingenießer Bauckhage, der wie zufällig gerade im „Lindenlife“ sitzt.

Erinnerungen mancher Deidesheimer

Zugegeben, all das ist lange her. An die ZDF-Serie „Sabine!“, die 2004/05 auf 20 Folgen kam, erinnert sich niemand mehr. Mit Ausnahme vielleicht des ein oder anderen TV-Zuschauers in Deidesheim: Denn von dort stammte laut Drehbuch die Serienheldin, Lehrerin Sabine Vogt, die sich der Liebe wegen aus der Pfalz ins turbulente Berlin hatte versetzen lassen.

Und die Beteiligung des Landes an der Edel-Kneipe „Lindenlife“ ist auch Vergangenheit: 2007 beendete Hendrik Hering (SPD) – Bauckhages Nachfolger im Amt des Wirtschaftsministers – den teuren Ausflug in die Berliner Gastronomie-Szene. Das Weinlokal hatte damals jährlich 410.000 Euro Verlust gemacht.

Regeln fürs Fernsehen

Dass die bezahlte Weinwerbung in der ZDF-Serie damals grenzwertig, wenn nicht gar unzulässig war, hatte wohl auch Bauckhage gewusst. Fragen, ob es sich da nicht um Schleichwerbung handele, wiegelte er indes geschickt ab: „Es ist Sache des Fernsehens, das zu definieren.“ Inzwischen hat der 2010 geänderte Rundfunkstaatsvertrag Regeln aufgestellt und Möglichkeiten zum Product Placement im Fernsehen eröffnet. Doch es gelten weiterhin Beschränkungen und Verbote.

Ein Puzzlespiel im Kino

Frei von solchen Auflagen sind Kinofilme. Und deshalb kann man in diesen Tagen ohne Gewissensbisse genießen, wie es ein Pfälzer Weingut in einen Kassenschlager geschafft hat. Die Tragikkomödie „Das perfekte Geheimnis“ gilt in Deutschland schon jetzt als der erfolgreichste Film des Jahres: Seit dem Start am 31. Oktober haben ihn bereits über zwei Millionen Kinogänger gesehen. Die Story: Sieben Freunde – drei Paare und ein Mann – treffen sich zum Abendessen in einer schicken Altbauwohnung. Dabei lassen sie sich auf ein Spiel ein: Jeder muss sein Handy auf den Tisch legen. Egal, welche Nachricht reinkommt – jeder darf sie lesen und die Telefonate mit anhören. Klar, dass dies zu Chaos, Seelenstriptease und emotionalen Achterbahnfahrten führt.

Währenddessen wird ziemlich viel getrunken – Rot- und Weißwein. Der Tisch steht voll mit Gläsern und Flaschen. Von welchem Pfälzer Weingut sie stammen, kann man sich während der 111 Filmminuten mit etwas Geschick und Kennerblick zusammenpuzzeln: Mal ist ein linkes Eck, mal ein rechtes Eck des Etiketts zu sehen. Eine besonders raffinierte Form von Product Placement? Oder einfach das Gegenteil davon?

50 Flaschen für die Filmproduktion

Verraten wollen wir an dieser Stelle trotzdem nichts – schließlich geht es ja um Heimlichkeiten. Nur soviel: Getrunken werden ein Chardonnay und ein Pinot Noir. 50 Flaschen hat das Weingut an die Produktionsfirma geliefert. Für ein Abendessen zu siebt? So ist es! Dass beim Filmdreh manche Szene häufiger wiederholt werden muss, bis sie perfekt sitzt, ist nun wirklich kein Geheimnis ...

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