Rheinland-Pfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Klinik-Chef fordert mehr Medizin-Studienplätze

Klinik-Geschäftsführer Peter Förster (rechts) spricht mit Redakteur Andreas Ganter und Charlie über das Krankenhauswesen und sei
Klinik-Geschäftsführer Peter Förster (rechts) spricht mit Redakteur Andreas Ganter und Charlie über das Krankenhauswesen und seine Liebe zu Pferden.

Das hat es in der RHEINPFALZ-Gesprächsreihe „Eine Stunde mit...“ auch noch nicht gegeben: Nicht nur die Sanduhr ist stummer Begleiter des Gesprächs, sondern auch ein Pferd. RHEINPFALZ-Redakteur Andreas Ganter traf sich mit dem Geschäftsführer des Westpfalz-Klinikums, Peter Förster, auf dem Rothenberghof bei Kaiserslautern. Er fordert angesichts des Ärztemangels mehr Studienplätze in Medizin an den Universitäten.

Geht er lieber in den Stall oder verhandelt er lieber mit Krankenkassen, will ich von dem Klinikmanager wissen. Peter Förster muss nicht lange überlegen. Es schießt geradezu aus ihm heraus: „Ich verbringe viel lieber Zeit im Stall.“ Hier werde nicht taktiert. Es gehe um die Realität. Bei der Arbeit mit seinen Pferden Charlie und Nicolo sehe er sofort, ob er einen Fehler gemacht habe. Die beiden Tiere seien „ehrlich im Umgang“. Ob das Gegenteil für Verhandlungen zwischen Kliniken und Kassen gilt? Förster äußert sich dazu nicht.

Kein klassischer Reiter-Typ

Der Kaiserslauterer, Jahrgang 1957, stammt nicht aus einer klassischen Reiterfamilie. In seiner Jugend engagiert er sich in der kirchlichen Jugendarbeit, betreut Kinder in Ferienlagern. Nach dem Examen brechen er und weitere Inspektorenanwärter aus Kaiserslautern zu einer Planwagenfahrt in den Hunsrück auf. Dort findet sich Förster plötzlich auf dem Bock der Kutsche wieder, die von zwei mächtigen Kaltblütern gezogen wird. Der eigentliche Kutscher traut ihm immer mehr zu, und am nächsten Tag lenkt Förster die Kutsche alleine durch den Hunsrück. Auf der Bonanza-Ranch bei Katzweiler (Kreis Kaiserslautern) absolviert seine Frau Christine einen Reitkurs, später kaufen sie sich gemeinsam ihr erstes Pferd. Försters Liebe zu den edlen Vierbeinern hat sich wohl auch auf die Tochter vererbt. Die kommt 1983 auf die Welt und reitet zeitweise im rheinland-pfälzischen Landeskader, erzählt der Vater nicht ohne Stolz. Mit Freude erinnert er sich daran, wie er mit Frau und Tochter am Wochenende zu Reitturnieren fuhr. „Wir waren mit Wohnwagen und Lkw unterwegs – wie eine kleine Karawane“, erzählt Förster.

Im Winter nur sonntags

Mittlerweile verbringe er deutlich weniger Zeit im Stall auf dem Rothenberghof. Gerade in der dunklen Jahreszeit beschränke sich das auf die Sonntage. Selbst reitet er übrigens nicht mehr – dafür seine Frau und seine Tochter. Er vermisse das Reiten nicht, aber den Umgang mit den Pferden, den würde er schon vermissen, sagt Förster. Wir könnten stundenlang über die Pferde weiter plaudern, aber natürlich soll es auch um das Westpfalz-Klinikum gehen – und die Zeit ist mit Blick auf die Sanduhr rar. Förster berichtet, dass der Klinikbetrieb von Jahr zu Jahr schwieriger werde: „Die Anforderungen wachsen schneller, als die Finanzierung nachwächst.“ Er klagt über „überbordende Bürokratie“, die für die Mitarbeiter mit einem erheblichen Mehraufwand verbunden sei, beispielsweise bei der Dokumentierung.

„Investieren ist ganz wichtig.“

Försters Credo: „Investieren ist ganz wichtig.“ Das Westpfalz-Klinikum dürfe sich nicht kaputtsparen, laute die Devise: „Wir müssen das Krankenhaus so aufstellen, dass es auch in der Zukunft überleben kann.“ Die einzelnen Standorte in Kaiserslautern, Kusel, Kirchheimbolanden und Rockenhausen sollen nach Försters Überzeugung „möglichst eigenständig“ überleben können. Der Kaiserslauterer ist aber nicht nur Geschäftsführer eines großen kommunalen Klinikums, sondern auch Vorsitzender des Verbands der Krankenhausdirektoren für Rheinland-Pfalz/Saarland. Förster kennt die Branche genau. Er weiß, dass die Politik die Anzahl der Krankenhäuser reduzieren will. Er beklagt, dass diese teils wirtschaftlichen Entscheidungen jedoch nichts mehr mit der Grundversorgung der Patienten zu tun haben. In der Eifel sei die Lage noch schwieriger als in der Pfalz. Weil auch die Anzahl der niedergelassenen Ärzte in den ländlichen Teilen des Landes sinkt, sieht Förster gar die Grundversorgung bedroht.

Masterplan 2025

Das Westpfalz-Klinikum hat einen „Masterplan 2025“ erarbeitet. In den kommenden Jahren wollen die Verantwortlichen kräftig investieren: mehr als 100 Millionen Euro. Dafür sollen unter anderem mehrere Großgeräte angeschafft werden, darunter ein OP-Roboter für rund drei Millionen Euro. Hinzu kommen etliche Bau- und Sanierungsmaßnahmen. Alleine für die Sanierung von Haus 8 am Standort der Klinik in Kaiserslautern sind 25 Millionen Euro vorgesehen. Bei einem Krankenhaus dieser Größe seien die Arbeiten nie abgeschlossen. So sei die Kinderklinik in Kaiserslautern zwar Ende der 1990er-Jahre saniert worden, aber mittlerweile sei es dort schon wieder notwendig, die Böden zu sanieren. Den Diplom-Verwaltungswirt, der seit 2010 Geschäftsführer des Westpfalz-Klinikums ist, treibt das Thema Fachkräftemangel um. Früher habe er „Wäschekörbe voller Bewerbungen“ bekommen. Heute seien es noch zwei oder drei pro ausgeschriebene Stelle. Diesem Problem begegnet das Westpfalz-Klinikum unter anderem damit, dass es in Italien nach Pflegekräften sucht. Mittlerweile seien so schon 25 Mitarbeiter in die Pfalz gelockt worden.

Kampf ums Personal

Aber Förster hat nicht nur die Pflegekräfte im Blick. Bei den Ärzten sehe es nicht besser aus. Der Westpfälzer spricht von einem „Kampf ums Personal“. Für die Misere verantwortlich sieht er unter anderem die Tatsache, dass in der Vergangenheit die Studienplätze für Mediziner an den Universitäten im Land reduziert wurden. Hinzu komme, dass mittlerweile Frauen vermehrt in Teilzeit als Ärzte tätig seien. So komme auf zwei Studienplätze eine Vollzeitstelle. Förster spricht sich klar dafür aus „schnell und unbürokratisch“ neue Studienplätze zu schaffen – eine Debatte, die derzeit auch im rheinland-pfälzischen Landtag geführt wird. Die letzten Körner rieseln durch die RHEINPFALZ-Sanduhr. Die letzte Frage gehört bei „Eine Stunde mit ...“ stets dem Gast. Peter Förster fragt mich: „Würden Sie gerne einen Tag mit mir tauschen?“ Jetzt muss ich nicht lange überlegen. „Klar, warum nicht? Ich finde es immer interessant, mal die Rollen zu tauschen und mich aus einem anderen Blickwinkel mit einem Thema zu befassen.“

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